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Toter Winkel Emmerich: kritischer Leserbrief und Reaktionen

| Lesedauer: 4 Minuten
Diese Aufklärungsaktion zum Toten Winkel an der St. Georg-Grundschule in Hüthum kam bei einem Leser nicht gut an. Sein Leserbrief hat wiederum viele Reaktionen hervorgerufen.

Diese Aufklärungsaktion zum Toten Winkel an der St. Georg-Grundschule in Hüthum kam bei einem Leser nicht gut an. Sein Leserbrief hat wiederum viele Reaktionen hervorgerufen.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Emmerich.  Ein Leser hat die Toter-Winkel-Aktion an der Grundschule in Hüthum heftig kritisiert. Auf seinen Leserbrief reagierten wiederum andere Leser.

Ein Leserbrief hat bei diversen NRZ-Lesern für Ärgernis gesorgt. Es geht um den Bericht zur Aktion Toter Winkel an der St. Georg-Grundschule in Hüthum. Darauf tat Leser Andreas Anschütz seine Meinung Kund. Er hielt die Aktion offenbar für völlig daneben. Und die Berichterstattung darüber für eine große Frechheit.

Verantwortung auf Radfahrer abgewälzt

Er schrieb: „Mit Bestürzung habe ich Ihren Artikel über den angeblichen toten Winkel gelesen. Denn heutzutage gibt es sowas bei Lkw nicht mehr. Es ist schon typisch die ganze Verantwortung der Straßenverkehrsordnung mal wieder nur auf den Radfahrer abzuwälzen. Dabei habe ich mal in der Fahrschule gelernt, wenn ich nichts sehen kann, dann darf ich nicht fahren. Aber so ist halt das Autofahrer-Land Deutschland.“

„Anstatt den Lkw-Fahrern beizubringen aufmerksamer zu fahren, müssen Kinder nun lernen auf Ihre Vorfahrt zu verzichten. Klasse“, schreibt Anschütz weiter: „Und der motorisierte Verkehr darf sich wieder mal alles erlauben, wie immer. Dabei will Emmerich doch angeblich fahrradfreundlicher werden? So geht das nicht. Dass der ADAC da gerne mitmacht und auch noch Warnwesten verteilt (die im übrigen überhaupt nicht gegen Unfälle helfen), ist auch klar. Und sowas dann noch schön in der Zeitung zu propagieren, ist die größte Frechheit. Bringt den Kfz-Fahrern endlich öffentlich bei, die Straßenverkehrsordnung zu beachten und aufmerksamer zu fahren, anstatt unsere Kinder zu verunsichern. Ihnen beizubringen, ‘Du hast zwar Vorfahrt, aber bleib mal lieber stehen’, hilft niemandem und es ist pures ‘Victim Blaming’.“

Lkw-Fahrer sehen nicht alles

Mehrere Leser sind offenbar anderer Meinung. Johannes Engels zum Beispiel ist ziemlich sauer über den negativen Leserbrief. „Die Aktion ist mehr als sinnvoll und auch notwendig“, so der Emmericher.

Und er muss es auch wissen. „Ich bin nämlich selber Lkw-Fahrer und auch oft mit dem Fahrrad unterwegs“. Immer wieder mache er als Lkw-Fahrer die Erfahrung, dass er eben nicht alle Verkehrsteilnehmer sehen kann, und diese auch nicht darauf achten, ob sie denn gesehen wurden.

„Solche Aktionen muss es viel öfter geben“, so Engels, der auch für ein gutes Miteinander im Straßenverkehr plädiert.

Eine mehr als löbliche Aktion

Rüdiger Neeb aus Dornick sieht es so: „Da machen sich zwei Väter die Mühe und erklären Kindern in der Schule, wie man Gefahren im heutigen Verkehr besser einschätzen kann. In keinem Satz von diesem Bericht findet man Schuldzuweisungen gegen Kinder, Radfahrer oder anderer Verkehrsteilnehmer!

Es wird lediglich auf die Gefahr des toten Winkels beim Lkw hingewiesen, den es auch bei Pkw und sogar auch bei Radfahrern gibt! Oder hat der moderne Radfahrer in der heutigen Zeit auch schon Augen im Hinterkopf?

Als Berufskraftfahrer mit über 40 jähriger Erfahrung im Schwerlastverkehr kann ich solche Aktionen nur begrüßen und hoffen, dass solche Initiativen noch mehr Schule machen. Wobei auch so manch anderer Verkehrsteilnehmer besser nochmals die Fahrschulbank drücken sollte!

Dass dann auch noch Warnwesten gespendet werden, die zwar nicht bei Unfällen helfen, aber dass die Personen besser gesehen werden, ist mehr als löblich! Nicht gegeneinander sondern Miteinander im Straßenverkehr sollte die Devise heißen! Wo Menschen sind, werden Fehler gemacht! Wer keine Fehler macht, möge den ersten Stein werfen!“

Botschaft: Im Zweifel gibt der klügere nach

Und Alexander Bossmann aus Hüthum kritisiert ebenfalls den Leserbrief von Andreas Anschütz: Selbst wenn der Tote Winkel bei heutigen Lkw scheinbar ausgestorben, also schon ‘tot’, ist, wie Herr Andreas Anschütz entgegen dem vorbildlichen Verkehrsunterricht zweier Väter an der Hüthumer Grundschule behauptet, so kann es dennoch passieren, dass die Aufmerksamkeit des Lkw-Fahrers nicht überall gleichzeitig ‘lebendig’ ist.

Es ist beidseitig richtig, die starken und die schwachen Verkehrsteilnehmer zu Wachsamkeit zu ermahnen.
Die kritisierte Verkehrserziehung hatte zum Ziel, den Schülern die folgende Über-Lebensweisheit für unklare Situationen nahe zu legen: ‘Im Zweifel gibt der Klügere nach.’ Dies fördert nicht die vorgeworfene Verunsicherung von Schulkindern, sondern fordert und fördert ihre Beobachtungsgabe und stärkt ihr Urteilsvermögen.

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