Natur

100 Gäste strömen durch Offene Gartenpforte in Schwelm

Auch Bienen haben ein Zuhause im Garten von Lang und Ritzenhöfer: Imker Lars Lehmann erklärt den kleinen Besuchern, wie Honig entsteht. 

Auch Bienen haben ein Zuhause im Garten von Lang und Ritzenhöfer: Imker Lars Lehmann erklärt den kleinen Besuchern, wie Honig entsteht. 

Foto: Katrin Böcker

Schwelm.   Hier wird Artenschutz groß geschrieben: Elisabeth Lang und Hans-Joachim Ritzenhöfer beeindrucken die Besucher mit ihrem Naturgarten.

Mehr als 6000 Quadratmeter erstreckt sich der Garten von Elisabeth Lang und Hans-Joachim Ritzenhöfer in der Hattinger Straße. Er beherbergt mehrere Tausend Pflanzen. Walnussbäume säumen den verwinkelten Weg durch die Grünanlage, an den Rosenbüschen öffnen sich die ersten Knospen. Im Gemüsebeet wachsen Kartoffeln, Paprika, Tomaten, Zwiebeln, Erbsen, Kohl und Brokkoli, in Treibhaus und Wintergarten sogar drei Arten von Zitronen. Von Apfel- Kirsch- und Pfirsichbäumen werden im Sommer süße Früchte geerntet.

Besucher auch von weiter her

Im Rahmen der „Offenen Gartenpforte“ luden Lang und Ritzenhöfer nun zum Rundgang durch ihr Reich. Circa 100 Besucher kamen – viele von ihnen von weiter her, sogar aus Münster oder Bocholt. Der Obolus von einem Euro, um den für die Besichtigung gebeten wurde, soll an ein Frauenhaus gespendet werden. Besonders freute sich das Ehepaar, dass viele Familien mit Kindern da waren, die sich für ihre Art des Gärtners interessierten. Die beiden haben ein wichtiges Anliegen: Sie möchten Naturgärten populärer machen – denn ihr Garten ist in vielerlei Hinsicht nicht wie jeder andere.

Natur- und Artenschutz wird im Hause Lang-Ritzenhöfer großgeschrieben. Bei ihnen dürfen die Pflanzen Samen auswerfen, sich ausbreiten. Auch dichtes Geäst wird möglichst nicht gestutzt, um Vögeln wichtige Nistmöglichkeiten zu erhalten. Die beiden achten darauf, dass das ganze Jahr lang Blüten blühen, die Insekten ein Refugium bieten. Eigens angeschaffte Hummelkästen gleichen das begrenzte Angebot an Nistmöglichkeiten aus. Der Gartenteich beherbergt Fische, Frösche und Lurche. Außerdem werden das ganze Jahr über Vögel gefüttert, damit diese es leichter haben, ihren Nachwuchs aufzuziehen. „Artenschutz sichert unsere Lebensgrundlage“, sagt Ritzenhöfer schlicht. Auch Bienen haben ein Zuhause bei Lang und Ritzenhöfer: Imker Lars Lehmann hat vor zwei Jahren, als er das Ehepaar bei der damaligen „Offenen Gartenpforte“ kennenlernte, einen Bienenstock in ihrem Garten aufgestellt.

Er selbst sei ins Gärtnerleben hineingewachsen, erzählt Hans-Joachim Ritzenhöfer. Seine Eltern hatten immer einen Garten und ermöglichten ihm das Pflegen eines eigenen kleinen Fleckchens Grün. Besonders im Berufsleben erwies sich das liebgewonnene Hobby dann als echter Schatz: „Wenn sie einen stressigen Beruf haben, ist Gärtnern Erholung pur. Denn es ist eine körperlich anspruchsvolle Tätigkeit, die einen geistig nicht so sehr fordert. So kann man in Ruhe seinen Gedanken nachgehen.“

So ein gärtnerisches Prachtstück macht natürlich auch einige Arbeit – oder? „Ich sage immer: Wer einen pflegeleichten Garten will, sollte sich keinen zulegen“, lacht Ritzenhöfer. Von 365 Tagen werkeln er und seine Frau circa 100 im Garten.

Dennoch macht der naturnahe Stil auch vieles einfacher: Anders als im typischen Vorstadtgarten mit millimetergenauen Abständen zwischen zwei Pflanzen, sorgt die geschlossene Pflanzendecke dafür, dass Unkraut sich gar nicht erst ausbreiten kann. Und viele potenzielle Schädlinge werden von natürlichen Feinden beseitigt, die in dem verwinkelten Garten Unterschlupf finden. „Ich halte gar nichts von ‚Staubsaugergärten‘“, sagt Ritzenhöfer mit einem Schmunzeln. Wer den Garten immer akkurat halten wolle, könne schnell die Lust daran verlieren: dann nämlich, wenn in einem frisch gehackten Beet nach kurzer Zeit schon wieder Unkraut sprießt.

Ritzenfeld hat auch einige Tipps für Gärtnerneulinge. Wer sich seinen Traum von der Gartenoase erfüllen möchte, sollte die Beschaffenheit seines Erdbodens kennen. Je nachdem, ob dieser eher sauer oder alkalisch ist, eignen sich verschiedene Pflanzen. Für den Anfang empfiehlt Ritzenfeld Stauden, die robust und damit leicht zu pflegen sind – zum Beispiel Astern oder Margariten. Eine Gärtnerei mit guter Beratung ist dabei das A und O. Wer nicht zu viel jäten möchte, sollte auf eine enge Bepflanzung achten, so dass Unkraut erst gar keinen Platz zum Wachsen hat. Gegen einen Faktor ist allerdings auch der beste Gärtner nahezu hilflos: eine Hitzewelle wie im vergangenen Jahr. „Da hilft nur viel Wässern – auch wenn es teuer wird.“

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