Heimatverein

14 Wegweiser in die Gevelsberger Industriegeschichte

Günter Decker (Dritter von rechts) überarbeitete die Hinweistafeln am Rand des Weges, der die Menschen in die Gevelsberger Industriegeschichte führt. Das größte Schild wurde am Gut Rocholz errichtet.

Günter Decker (Dritter von rechts) überarbeitete die Hinweistafeln am Rand des Weges, der die Menschen in die Gevelsberger Industriegeschichte führt. Das größte Schild wurde am Gut Rocholz errichtet.

Foto: Klaus Bröking

Gevelsberg.   Neue Informationstafeln und ein kleiner Reiseführer für den Wanderweg in die vergangenen Zeiten der Industrie. Vieles ist verschwunden

Wo einst die Firma Bertram Kufen für Schlittschuhe geschliffen hat, die nach Holland exportiert wurden – am Lusebrink – ist heute ein Parkplatz. An der Stelle, an der die Firma Bröking 150 Menschen mit der Fabrikation von Hauern für die Bananenernte in Südamerika und Strohmessern beschäftigte, steht inzwischen die Hauptverwaltung des Energieversorgers AVU. Auch die einst so stolze Herdfabrik Albers an der Grenze zu Hagen ist fast spurlos verschwunden. Dafür, dass die Industriegeschichte Gevelsbergs nicht ganz verloren geht, hat der Heimatverein 14 bebilderte Tafeln an einem Wanderweg rechts und links der Ennepe aufgestellt, einen kleinen Reiseführer für die Spaziergänger gedruckt und das Konzept an einem der wohl letzten schönen Tage des Jahres vorgestellt.

Ein Fluss mit viel Kraft

Ennepe, dieser von vielen Menschen wenig beachtete Fluss, war einst der Grund dafür, dass Unternehmen wie Pilze an seinen Ufern buchstäblich aus der Erde schossen. Die Ennepe hat nämlich etwas, was sie von vielen anderen Flüssen unterscheidet: Eine enorme Kraft, sagt Günter Decker, ehemaliger Vorsitzender des Gevelsberger Heimatvereins, der sich um die Modernisierung des Industriewanderweges verdient gemacht hat. Von der Quelle in Halver auf 425 Metern über dem Meeresspiegel hat der eigentlich so harmlos vorbei plätschernde Fluss ein enormes Gefälle, um bei einer Höhe von nur 100 Metern in der Nähe des Hagener Hauptbahnhofs in die Volme zu münden.

42,1 Kilometer liegen dazwischen, die die Unternehmensgründer magisch angezogen haben. Die Wasserkraft wurde für die Hämmer und Schleifereien gebraucht, die die industrielle Revolution eingeleitet haben. Sieben Kilometer fließt die Ennepe durch Gevelsberg, hat Dieter Schmidt herausgefunden. Es gibt wohl keinen größeren Kenner des Flusses als ihn. Auf diesen 7000 Metern hatten sich im Jahr anno 1789 allein 26 Hammerwerke, fünf Schleifkotten und drei Mühlen angesiedelt. Nicht ohne Folgen: „Es gab keine Fische mehr in der Ennepe. Aber die brauchten die Menschen, um sich zu ernähren“, erklärt Günter Decker. Die Obrigkeit, der Staat, wollte eingreifen. Es gab ein Verbot neue Stau­becken an der Ennepe anzulegen. „Das Verbot wurde aber nicht beachtet. Es wurde einfach weiter gebaut“, ergänzt ihn Dieter Schmidt.

Ökologische Katastrophe

Auch damals gab es also schon Probleme mit dem Umweltschutz. Die Berge im Gevelsberger Tal waren kahl, das Holz in den Schmiedefeuern verschwunden. Und auch die Bleichereien, nutzen die Ennepe aus. Die Stoffe, die für die Wuppertaler Textilindustrie gebraucht wurden, lagen damals an den Ufern der Ennepe, mussten feucht gehalten werden und wurden mit Laugen behandelt. Alles zusammen war eine ökologische Katas­trophe. Umweltverbände gab es damals nicht. Erst der Gevelsberger Verschönerungsverein wurde für die Aufforstung des Stadtwaldes gegründet.

Wissen weggeschlummert

„Das ist Wissen über die Heimat, das so langsam wegschlummert“, sagt Bürgermeister Claus Jacobi bei der Eröffnung des Industriewanderweges. Früher sei das in den Schulen Bestandteil des Heimat- oder Sachkundeunterrichts gewesen. Deshalb sei es wichtig, dass der Heimatverein das Wissen über die Geschichte der Stadt erhalte.

Der Wanderweg beginnt direkt hinter dem Kruiner Tunnel, führt über die Milsper Straße und den Park am Ennepeufer an der Rückseite der AVU-Hauptverwaltung entlang, vorbei am Gut Rocholz bis zur Hagener Stadtgrenze. Der kleine Reiseführer, den der Heimatverein drucken ließ, ist kostenlos unter anderem im Gevelsberger Rathaus und in vielen Geschäften zu haben.

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