Ausbildung wird forciert

20 offene Stellen: Stadt Ennepetal hat akuten Personalbedarf

Die Stadtverwaltung benötigt neue Mitarbeiter. Daher sollen künftig mehr Ausbildungsplätze im Rathaus eingerichtet werden.

Die Stadtverwaltung benötigt neue Mitarbeiter. Daher sollen künftig mehr Ausbildungsplätze im Rathaus eingerichtet werden.

Foto: Carmen Thomaschewski

Ennepetal.  Die Stadt Ennepetal sucht Mitarbeiter. Aktuell sind 20 offene Stellen zu besetzen. Um das Problem zu lindern, will man verstärkt ausbilden.

Die Stadt Ennepetal sucht händeringend Mitarbeiter. „Wir bearbeiten im Moment 20 offene Stellen bei Stadt und Stadtbetrieben parallel“, sagt Personalleiter Tim Strathmann. Und das beziehe sich nur auf klassische Stellen wie Verwaltungsfachangestellte oder Ingenieure. Erzieherinnen für die Offenen Ganztagsgrundschule (OGGS) seien noch gar nicht berücksichtigt. Die Stellen zu besetzen, gestaltet sich vielfach schwierig. „Wir haben keine Berufe mehr, in denen wir problemlos Personal finden“, so Strathmann. Um dem Engpass zu begegnen, will die Stadt die Zahl der Ausbildungsplätze verdoppeln. Außerdem soll das duale Studium ausgebaut werden.

Die Ursachen

Zwei Hauptgründe nennt Tim Strathmann für den akuten Bedarf: Zum einen seien immer wieder Pflichtaufgaben hinzu gekommen und in einigen Aufgabenbereichen Fallzahlen gestiegen. Zum anderen würden mehrere Mitarbeiter innerhalb kürzerer Zeit in den Ruhestand gehen. Allein bei den Stadtbetrieben sind es vier Tiefbau- und zwei Hochbauingenieure, die das Rentenalter erreicht haben oder es demnächst erreichen. Und gerade für Ingenieure ist die öffentliche Hand nicht der attraktivste Arbeitgeber, angesichts der Verdienstmöglichkeiten in der Privatwirtschaft. Außerdem sei die Stadt Ennepetal nicht die einzige öffentliche Verwaltung, die momentan Mitarbeiter sucht, so Strathmann.

Die aktuelle Situation

„Ich sehe uns nach wie vor als handlungsfähig an“, betont Tim Strathmann. Allerdings könne es zu Engpässen kommen. „Wir sparen seit Jahren Personal da ein, wo es geht“, erklärt er. Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände – wie z. B., dass ein Mitarbeiter in den Ruhestand geht, einer den Arbeitgeber wechselt und einer intern, und dann noch jemand krank wird – könne es wie gerade erlebt passieren, dass das Sozialamt an einzelnen Tagen geschlossen bleibe.

Es gebe aber keine Probleme in sicherheitsrelevanten Bereichen wie der IT. „Und wir suchen derzeit erstmals seit Jahren keine Feuerwehrleute“, so der Personalleiter. Unter anderem dadurch, dass die Stadt vor zwei Jahren begonnen hat, selbst verstärkt Wehrleute auszubilden, sind alle Stellen besetzt.

Es sei auch gelungen, alle offenen Ingenieurstellen zu besetzen, berichtet Tim Strathmann. „Das sind keine berufserfahrenen Kräfte, sondern Einsteiger.“ Man habe mit einem Tiefbauingenieur, der zum Jahresende in den Ruhestand gegangen wäre, vereinbaren können, dass dieser ein halbes Jahr anhängt und die neuen Kräfte mit anlernt. Schließlich gebe es einige Besonderheiten in einer Verwaltung und beim Bauen im öffentlichen Raum.

Sicher ist Strathmann, dass die Bewerberknappheit kein kurzfristiges Problem ist. „Wir werden nicht in drei oder vier Jahren wieder waschkörbeweise Bewerbungen haben.“

Die Zukunftsstrategie

Die Ausbildung zu forcieren ist ein wichtiger Baustein, um die Personalsituation auf Sicht zu verbessern. „Wir werden für den Stellenplan 2020 vorschlagen, sieben Auszubildende für die Verwaltung einzustellen“, kündigt Tim Strathmann an; vier davon als Verwaltungsfachangestelle/r (mit Hauptschulabschluss Klasse 10), drei für den gehobenen Dienst (mit Abitur).

In Mangelberufen will die Stadt künftig mehr auf das duale Studium setzen. Für das Fach Soziale Arbeit gebe es dazu schon ein festes Angebot mit Studium in Hamm und den Praxisabschnitten bei der Stadt, erklärt Strathmann. „Für Ingenieure stricken wir uns ein solches Angebot selbst.“ So könnten junge Leute als Werksstudenten die Hochschule besuchen und parallel mit einem Stundenanteil für die Stadt arbeiten.

Auch Erzieherinnen und Erzieher für die OGGS sind in der aktuellen Situation mit dem Ausbau des Angebots und der zunehmenden Nachfrage nur schwer zu finden. „Hilfskräfte haben wir in der Regel genügend“, sagt Tim Strathmann. Aber die qualifizierten Kräfte, die eine Gruppenleitung übernehmen können, seien rar gesät. Daher biete man auch an der OGGS die Möglichkeit, dass Anerkennungsjahr, das Erzieher/innen leisten müssen, zu absolvieren. Darüber hinaus hatte die Stadt gemeinsam mit der VHS Ennepe-Ruhr-Süd ein Angebot geschaffen, bei dem zehn ungelernte Kräfte zur Ganztagesfachkraft qualifiziert wurden (wir berichteten).

Im Kitas werden immer mehr Gruppen gebildet – u. a. wird derzeit der Städtische Kindergarten Hasperbach neu gebaut und von zwei auf vier Gruppen vergrößert. „Eine Verdopplung der Gruppenzahl bedeutet in etwa auch eine Verdopplung des Personalbedarfs“, erklärt Tim Strathmann. Dies wolle man nicht zuletzt über den verstärkten Einsatz von Anerkennungspraktikanten auffangen.

Attraktivität des Arbeitgebers

Es sei schwierig, neue Mitarbeiter zu gewinnen. „Wer einmal hier ist, der bleibt“, betont der Personalleiter. „Wir haben fast keine Abgänge bei unseren Auszubildenden. 95 Prozent bleiben nach der Ausbildung länger als fünf Jahre da.“

Die Betreffenden hätten einen deutlich engeren Bezug zur Stadt im Allgemeinen und zur Verwaltung als Arbeitgeber.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben