Führerscheinstelle

Alkohol und Nötigung: EN-Kreis kassiert 634 Führerscheine

Die Führerscheinstelle des Ennepe-Ruhr-Kreises zieht Bilanz.

Die Führerscheinstelle des Ennepe-Ruhr-Kreises zieht Bilanz.

Foto: Marcus Brandt / ddp

Ennepe-Ruhr.  Neue Fahrerlaubnis und Umtausch alter Führerscheine: Behörde bearbeitet fast 17.000 Anträge. Begleitetes Fahren ab 17 Jahre ist Erfolgsmodell.

So viel hatte die Führerscheinstelle des Ennepe-Ruhr-Kreises wohl noch nie zu tun: 17.000 Anträge bearbeitete die Behörde im Jahr 2019. Vor allem, weil nach und nach die Fristen zum Umtausch der grauen und rosafarbenen Pappen ablaufen, ist das Arbeitsaufkommen für die Mitarbeiter in die Höhe geschnellt.

Auf den Schreibtischen des Kreises landeten 4000 Anträge mehr als noch im Jahr 2018. Sie deckten das gesamte Spektrum ab: das erstmalige Ausstellen einer Fahrerlaubnis, den Umtausch in den EU-Kartenführerschein, die Erlaubnisverlängerung, um Lkw fahren zu dürfen, oder Wünsche nach einem internationalen Führerschein.

Lappen weg nach Unfallflucht

In einigen Fällen musste der Kreis aber auch selbst tätig werden, nämlich immer dann, wenn sich jemand nicht an die Verkehrsregeln gehaltne hat oder Zweifel bestehen, ob er noch dazu in der Lage ist, am Straßenverkehr teilzunehmen. Konsequenz: 634 Bürger (Vorjahr 625) musste nach Verstößen den Verlust der Fahrerlaubnis verkraften und wurden durch Gerichte oder die Führerscheinstelle zum Laufen verurteilt.

Klarer Spitzenreiter bei den Gründen für diese Entscheidung: Alkohol am Steuer. In sechs von zehn Fällen hatten die Fahrer zu tief ins Glas geschaut und waren mit Promillewerten erwischt worden, die deutlich über dem Erlaubten lagen. Auf den weiteren Plätzen folgen Drogen (30 Prozent) sowie Unfallflucht oder Nötigung (je zehn Prozent). „Allerdings“, weist Christian Götte, Leiter der Führerscheinstelle, auf einen altersspezifischen Unterschied hin, „bei Fahrern bis 25 Jahren ist das Verhältnis von Drogen und Alkohol genau umgekehrt.“

Gedanken darüber, wie lange sie ihre Fahrerlaubnis noch behalten dürfen, mussten und müssen sich auch hartnäckige Verkehrssünder machen. 2050 Menschen erhielten im Jahr 2019 von der Führerscheinstelle den wenig erfreulichen Hinweis: „Vorsicht mit den Punkten in Flensburg.“ Noch unerfreulicher waren die Nachrichten für 97 (83) Kreisbürger, die ihr Konto beim Kraftfahrtbundesamt in Flensburg überzogen hatten und ihre Fahrerlaubnis temporär abgeben mussten.

In der Spalte „Fahranfänger“ weist die Statistik 541 Neulinge (518) aus, die innerhalb der Probezeit einmal oder sogar mehrfach auffielen. 37 (38) überstanden diese Zeit dementsprechend nicht. Völlig unauffällig bewegten sich hingegen die mehr als 1200 Jugendlichen, die sich für das begleitete Fahren ab 17 Jahren entschieden hatten. In keinem Fall musste die Fahrerlaubnis widerrufen werden. Das bestätigt das bundesweite Muster, wonach die Jungen und Mädchen, die zunächst unter Aufsicht im Straßenverkehr unterwegs sind, deutlich sicherer, zurückhaltender und regelbewusster fahren.

Fahrtüchtigkeit der Senioren

Und auch am anderen Ende der Altersskala tut sich etwas mit Blick auf überforderte Senioren am Steuer. Immer wieder erhält die Führerscheinstelle Hinweise auf betagte Fahrerinnen und Fahrer, bei denen Zweifel an der Fahrtüchtigkeit bestehen. „248 Meldungen bedeuten in diesem Bereich im Vergleich zu 2018 Konstanz“, zieht Götte auch hier eine Jahresbilanz.

Mit Blick auf die Arbeit der Mitarbeiter der Führerscheinstelle und die damit verbundene Kundenzufriedenheit betont Christian Götte: „Die Wartezeit der fast 16.000 Kunden betrug im Durchschnitt weniger als dreieinhalb Minuten; 97 Prozent der Bürger wurden innerhalb einer viertel Stunde bedient und längere Bearbeitungszeiten konnten bis auf einige wenige Ausnahmen vermieden werden.“

Trotz deutlich steigender Zahlen für Anträge und Anfragen sowie des immer komplizierter werdenden Führerscheinwesens und notwendiger persönlicher Beratungsgespräche hofft er, diese Zeiten auch im laufenden Jahr halten zu können.

„Gerade zwei aktuell beschlossene Änderungen im Führerscheinrecht sind für uns aber mit viel Mehrarbeit verbunden“, hat der Leiter der Führerscheinstelle während der ersten Wochen des neuen Jahres bereits festgestellt. Was er meint: Der Bund hat beschlossen, erfahrenen Autofahrern das Führen von Motorrädern bis 125 ccm auf vergleichsweise einfache Art zu ermöglichen. Und in NRW dürfen in Kürze bereits 15-jährige den Führerschein der Klasse AM machen.

Während die erste Bescheinigung für das Fahren einer 125er bereits von einem erfahren Autofahrer eingereicht wurde, warten Führerscheinstelle und die Fahrschulen in Bezug auf die Klasse AM noch auf die genauen rechtlichen Vorgaben.

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