Prozess

Anklage überzeugt: Pfleger wollte Ennepetalerin töten

Justitia hat Recht zu sprechen, diesmal im Fall eines 29 Jahre alten Mannes aus Wuppertal, dem versuchter Mord vorgeworfen wird.

Justitia hat Recht zu sprechen, diesmal im Fall eines 29 Jahre alten Mannes aus Wuppertal, dem versuchter Mord vorgeworfen wird.

Foto: dpa

Ennepetal.   Am Montag beginnt am Landgericht Hagen ein Prozess gegen einen heute 29-Jährigen, dem versuchter Mord vorgeworfen wird.

Schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung, Betrug und Brandstiftung. Was im Sommer vergangenen Jahres einer Seniorin in ihrer Wohnung in Ennepetal widerfuhr, waren nicht die Auswüchse eines kriminellen Leichtgewichtes, sondern Taten eines aus Heimtücke und Habgier handelnden Mannes. Davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Ab heute wird dem 29-Jährigen aus Wuppertal am Landgericht Hagen der Prozess gemacht: wegen versuchten Mord.

2000 Euro geliehen

Eine gehörige Portion krimineller Energie ist dem Angeklagten zu bescheinigen, wenn nur die Hälfte stimmt, was in der Anklageschrift steht. Als Pflegekraft erlangte er Zugang zu der Wohnung, betraut mit der Pflege des Ehemannes der Geschädigten. Doch statt sich nur um den pflegebedürftigen Gatten zu kümmern, hatte der Mann aus Wuppertal noch ganz anderes im Sinn.

Im Juni 2017 lieh er sich von der Seniorin 2000 Euro, wohlwissend und bewusst wahrheitswidrig, wie es heißt, das Geld bis zum 31. Juli gar nicht zurückzahlen zu können, wie er es der Geschädigten versprochen hatte. Doch damit nicht genug. Am 1. August schlug der Angeklagte wieder zu. Diesmal soll er sich in der Wohnung des Ennepetaler Ehepaares Bankkarte und PIN-Nummern besorgt haben, womit er am Sparkassenautomaten in Ennepetal-Voerde versuchte, 2000 Euro abzuheben. Dass das misslang, lag einzig und allein daran, dass der Angeklagte schlichtweg die falsche PIN-Nummer eingab, wie es heißt.

Zwischenzeitlich war der Ehemann verstorben, eine Pflegekraft im Haushalt damit nicht mehr nötig. Doch der Wuppertaler soll weiter den Kontakt zur Witwe gesucht haben, die von den bösen Absichten des Mannes offensichtlich immer noch nichts ahnte.

Dies wurde der Frau fast zum tödlichen Verhängnis, als sie Ende August auf die Rückzahlung der im Juni geliehenen 2000 Euro bestand. Der Wuppertaler erschien – wie telefonisch vereinbart – am frühen Abend bei ihr in der Wohnung und präsentierte ihr laut Anklage folgende Geschichte: Seine Mutter habe den Geldbetrag bereits überwiesen, er schlage vor, darauf ein Glas Wein zu trinken. Er sei dann in die Küche gegangen und habe dem Wein der Seniorin das Beruhigungsmittel Midazolam, das er mit sich führte, beigemischt. Die Witwe soll nach wenigen Schlucken das Bewusstsein verloren haben und erst am nächsten Morgen um 6 Uhr in ihrem Schlafzimmer wieder aufgewacht sein.

Mörderisch ist, was sich in der Zwischenzeit abgespielt haben soll. Nachdem die Seniorin das Bewusstsein verlor, soll der Wuppertaler ihre Wohnung durchsucht und dabei 100 Euro sowie ein Handy gestohlen haben. Außerdem soll er über den Internetzugang in der Wohnung mittels der ihm bekannten Kontodaten und des TAN-Generators der Geschädigten per Online-Banking einmal 4000 Euro auf sein Konto überwiesen haben und danach noch einmal 5000 Euro. Dann soll er die Rauchmelder in der Wohnung abmontiert und ein Handtuch so an einer brennenden Kerze abgelegt haben, dass dieses durch die herunterbrennende Kerze Feuer fängt.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Wuppertaler die betäubte Frau töten wollte und dabei den Brand des gesamten Mehrfamilienhauses in Kauf nahm. Dafür spricht laut Anklageschrift auch, dass er die Schlafzimmertür und sämtliche Jalousien schloss, um eine vorzeitige Entdeckung des Brandes zu verhindern. Der Plan ging nicht auf, auch, weil der Angeklagte beim Abmontieren einen Rauchmelder übersah. Für seine Taten wird sich der Mann ab heute vorm Landgericht in Hagen verantworten müssen.

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