Abriss

Einsturzgefahr – Anwohner dürfen nicht zurück ins Haus

Ein Blick aus der Vogelperspektive auf den Unglücksort.  Noch immer droht das Haus einzustürzen.

Foto: Alex Talash

Ein Blick aus der Vogelperspektive auf den Unglücksort. Noch immer droht das Haus einzustürzen. Foto: Alex Talash

Ennepetal.   Das Haus "An der Kirche 6" wird weiter als einsturzgefährdet eingestuft: Das THW misst Bewegung in der Wand. Jetzt muss ein Statiker entscheiden.

„Ich habe jetzt Zwangsferien“, sagt Petra Krüner. Galgenhumor. Zum Lachen ist ihr jedoch nicht zumute, wenn sie auf das Schaufenster ihres Ladenlokales blickt. „Wegen Einsturzgefahr geschlossen“, ist dort zu lesen. Das Haus in Voerde wurde evakuiert, niemand darf mehr rein. Während das Technische Hilfswerk und die Feuerwehr in der Nacht um das Gebäude „An der Kirche“ 6 kämpfen, kommt bei ihr die Sorge darüber, wie es weiter geht.

Betretungsverbot für alle

Es ist 11 Uhr, am Tag danach. Die Einsatzkräfte von der Feuerwehr und dem THW packen gerade ihre Sachen ein, fast 18 Stunden nach der Alarmierung (wir berichteten). Manch einer steht in kleinen Gruppen vor dem Gebäude und blickt stumm auf die Holzkonstruktion, die die Seite abstützen soll. Eine harte und kalte Nacht liegt hinter ihnen. 120 Menschen alleine vom THW waren stundenlang vor Ort, zimmerten das Konstrukt an die Gebäudeseite.

Das eigentliche Problem ist jedoch die Giebelwand, die durch Abrissarbeiten am Dienstagmittag in ihrer Standfestigkeit erschüttert wurde. Träger der angrenzenden Schreinerei IDE im Herzen Voerdes, die seit Tagen abgebrochen wird, waren wohl auch für das Haus, in dem Petra Krüner ihren Schreibwarenladen hat, elementar. Nach Auskunft der Stadtverwaltung seien zwei Träger zu viel abgebrochen worden. Diese betroffene Giebelwand von außen zu sichern, sei jedoch nicht möglich, ohne die Einsatzkräfte in Gefahr zu bringen, erklärt Stadtsprecher Hans-Günther Adrian.

Petra Krüner war nicht im Dienst, als die Abbruchfirma die Risse in der Wand und der Decke in ihrem Lager feststellt. Eine Mitarbeiterin habe sie um kurz vor 13 Uhr angerufen, erzählt die 49-Jährige. Erst später wurde das Ausmaß der Gefahr klar, nachdem ein Statiker und die Bauaufsicht eingeschaltet waren. Gegen 16 Uhr mussten alle das Gebäude verlassen.

Der fast 90 Jahre alte Bewohner im Erdgeschoss sei bei seinem Sohn untergekommen, eine 24 Jahre alte Frau jetzt bei ihren Eltern und der Sohn der Eigentümerin in einem nicht betroffenen Nachbargebäude, teilt der Stadtsprecher mit. Ob und wann sie wieder in ihre Wohnungen zurück kehren dürfen, diese Antwort kann nur ein Statiker geben.

Auch Petra Krüner hat ein sogenanntes Betretungsverbot ausgesprochen bekommen. 60 belegte Postfächer sind in ihrem Laden, haufenweise Pakete, die nun alle nicht abgeholt werden können. Die ganzen Schreibwaren im Lager, was passiert damit? Was wenn die Giebelwand doch noch nachgibt. Dass diese wohl noch immer in Bewegung ist, das jedenfalls hatten erste Messungen des THW ergeben.

Viele Fragen bleiben offen

Petra Krüner beschäftigen viele Fragen, als sie morgens um 8 vor dem Haus steht. Am 1. April feiert sie mit ihrem Laden Zehnjähriges. Ihr ist kalt, nicht nur wegen der eisigen Temperaturen. „Wie geht es weiter“, fragt sie und hofft, dass das kleine Jubiläum mit geöffnetem Ladenlokal gefeiert werden kann. Sie ist froh, dass niemand verletzt wurde. Das sei die Hauptsache. Jetzt hat sie aber die berufliche Zukunft von sich und ihren drei Mitarbeitern im Blick.

„Welche Maßnahmen getroffen werden müssen und können, um das Haus wieder sicher zu machen, das kann nur der Statiker sagen. Alles andere wäre Spekulation“, sagt Hans-Günther Adrian. Das, was getan werden konnte, hatten die dutzenden Einsatzkräfte erledigt. Sie sicherten das Haus mit der Holzkonstruktion von außen und einem Gerüstkonstrukt und Baustützen von innen. Die Eingangstür wurde nach dem Einsatz vernagelt, der gesamte Bereich abgesperrt. Am Nachmittag durften die Bewohner einmal in Begleitung von Ordnungsamt und Polizei kurz in ihre Wohnungen, um persönliche Dinge, Kleidung und Unterlagen zu holen.

Als die Einsatzkräfte abrücken, ist Petra Krüner wieder am Unglücksort. Immer wieder kommen Menschen an dem Gebäude im historischen Stadtkern vorbei, viele bleiben stumm neben ihr stehen.

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