Politik

Arme in Schwelm wohnen häufig längs der ehemaligen B 7

An der Rheinischen Straße baut die Kreisverwaltung ihr neues Ausländeramt samt Jobcenter. In Nachbarschaft will die Stadt Schwelm einen weiteren Kindergarten eröffnen. Die Stichstraße heißt Am Alten Bahnhof.

An der Rheinischen Straße baut die Kreisverwaltung ihr neues Ausländeramt samt Jobcenter. In Nachbarschaft will die Stadt Schwelm einen weiteren Kindergarten eröffnen. Die Stichstraße heißt Am Alten Bahnhof.

Foto: Bernd Richter

Schwelm.   EN-Kreis präsentiert Ergebnisse des Sozialberichts. Nur in Schwelm geht Arbeitslosenquote nicht zurück

Ein strammes Arbeitspensum hatten die Mitglieder des städtischen Sozialausschusses zu leisten. In ihrer jüngsten Sitzung „fütterten“ die Fachleute sie mit Fakten und Zahlen allein in vier Berichten zu verschiedenen Themen. Da brummte dem ein oder anderen Kommunalpolitiker zum Schluss sicherlich der Kopf.

Sozialbericht des EN-Kreises

„Der Sozialbericht liegt uns seit letztem Jahr vor, wir haben schon viel damit arbeiten können“, lobte Fachbereichsleiterin Hildegard Peters den erstmals von der Kreisverwaltung vorgelegten Sozialbericht 2018. Das Zahlenmaterial diene bereits als eine wichtige Grundlage für Planungen im Bereich OGS-Angebote, „Frühe Hilfen“ und „Jugend stärken im Quartier“. Alle neun Städte des Ennepe-Ruhr-Kreises beteiligen sich daran, für den Start des auf Langfristigkeit abzielenden Berichts wurden 176.000 Euro aufgewandt.

Als Gast war Katrin Johanna Kügler vom Fachbereich Soziales und Gesundheit des EN-Kreises ins Rathaus nach Schwelm gekommen. Sie berichtet über das Projekt „NRW hält zusammen…für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung“ und erläuterte die Ziele, die Datenermittlung und die Berichtsstruktur. Es wurden Einwohnerzahlen pro Quartier, Einwohnerdichte und Standorte der Quartiere anhand von Karten erläutert. Des Weiteren schilderte Katrin Johanna Kügler die Verteilung der Regelleistungsempfänger der unter 6-Jährigen (2016) entlang der ehemaligen B7 – „super spannend“, nach Aussage der Fachfrau. Die B7 bilde auch die Achse für diese Bevölkerungsgruppe in den Nachbarstädten. Ein Indikatorenkatalog soll weiterentwickelt werden und z.B. Daten der Schuleingangsuntersuchungen aufgenommen werden. Das Monitoring soll für Gesundheitsförderung und Prävention genutzt werden.

„Ist Schwelm nicht so interessiert an den Senioren?“, vermisste Eleonore Lubitz (Die Linke) fehlende Daten zu dieser Bevölkerungsgruppe. Rolf Steuernagel merkte an, dass der Bereich „Menschen mit Behinderung“ im Sozialbericht fehle. Schwelms Beigeordneter Ralf Schweinsberg lieferte prompt die Erklärung: „Wir als Stadt mussten uns für einen Themenschwerpunkt entscheiden und haben Kinder gewählt. Das hat nicht mit wichtig und unwichtig zu tun.“ Die Frau vom EN-Kreis ergänzte, dass ihr besonders das Thema Schwerbehinderte auch sehr wichtig sei. „Die Zahlen werden zurückgespiegelt vom Land. Vor 2020 möchte ich Ihnen keine Hoffnungen machen.“

Neubau des Jobcenters und des Ausländeramts des EN-Kreises an der Rheinischen Straße. Foto: Bernd Richter Jobcenter EN

Über Entwicklungen im Bericht des Jobcenters EN ging der mündliche Bericht von Horst Westerholt. Die Jobcenter werden künftig konzentriert an Standorten in Schwelm, Hattingen und Witten. „Wir ziehen um in die große Regionalstelle Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal. Sie werden zusammengefasst in die Regionalstelle Süd. Mitte 2020 beginnt der Umzug in den Neubau an der Rheinischen Straße am Bahnhof Loh in Schwelm“, ließ der neue Leiter der Regionalstelle Süd die Politik in Schwelm wissen. Allein für das Jobcenter werden dort künftig 170 Mitarbeiter tätig sein, hinzu kommen noch die Beschäftigten des Ausländeramts.

Der Mann vom Jobcenter hatte natürlich auch eine ganze Menge Zahlen mit im Gepäck. So ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im EN-Kreis innerhalb eines Jahres um 5,2 Prozent auf 13.701 zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote gesamt im EN-Kreis sank von 6,2 auf 5,7 Prozent (Februar 2018 zu Februar 2019). Im Bereich des SGB II von 4,1 auf 3,7 Prozent. „Eine Quote unter 3 Prozent gilt als Vollbeschäftigung“, merkte Westerholt an. In Schwelm hätten sich die Zahlen nicht so positiv entwickelt. Als Gründe führte er die Schließung des Werkes von Avery Dennison und des Aldi-Zentrallagers an. Es gibt aktuell 1491 Bedarfsgemeinschaften (-0,5 Prozent), die Arbeitslosenquote gesamt liegt unverändert bei 7,2 Prozent, im Bereich des SGB II ging sie um 0,2 auf 4,8 Prozent nur leicht zurück.

Erschreckend auch für den Jobcenter Mitarbeiter ist eine andere Zahl: die der vollbeschäftigten Erwerbstätigen, die zusätzlich ALG II beziehen, die sogenannten „Ergänzer“. Ihre Zahl ist im EN-Kreis fast konstant geblieben und beträgt 4834 Menschen. In Schwelm sind es 552 „Ergänzer“ (November 2018), die von ihrer Arbeit allein nicht leben können.

In der Turnhalle Kaiserstraße an der Markgrafenstraße wird die gemeinsame Kleiderkammer von Caritas, Diakonie und DRK im Juni eröffnet. Foto: Bernd Richter Gemeinsame Kleiderkammer

Und schließlich berichteten Dominik Spanke (Caritas) und Heike Philipp (Willkommensinitiative Schwelm) über die Zusammenlegung der Kleiderkammern von Caritas, DRK, Diakonie und Willkommensinitiative in Schwelm (wir berichteten). Heike Philipp erinnert kurz an die Entstehung der Initiative im Jahr 2015 zur Hochzeit der Flüchtlingsströme, die Unterbringung des Warenhauses für Flüchtlinge zunächst in der Hauptschule West an der Holthausstraße und schließlich der Umzug in die Turnhalle in der Markgrafenstraße. Philipp bedankt sich nochmal bei der Verwaltung der Stadt und den ehrenamtlichen Helfern für die Unterstützung und die gute Zusammenarbeit in den zurückliegenden Jahren. Bekanntlich ist das Warenhause Ende 2018 aufgelöst worden. Die ebenfalls dort eingerichtete ehrenamtliche Beratungsstelle für Flüchtlinge soll an einem neuen Ort weitergeführt werden. Auch die neue Kleiderklammer wird ihren Sitz in der Turnhalle Kaiserstraße haben und voraussichtlich an zwei Nachmittagen und an einem Vormittag in der Woche, in Abstimmung mit dem „Tafelladen“, für Bedürftige geöffnet werden. Die Eröffnung wird für Juni angepeilt.

FAN berät im Catharina-Rehage-Haus

Lisa Teipel von der Lebenshilfe Ennepe-Ruhr/Hagen berichtete im Sozialausschuss über die Entstehung und Entwicklung ihrer Organisation und erläuterte die Aufgaben und Arbeitsbereiche wie z.B. „Familienunterstützender Dienst“ und Schulinklusion.

Die Lebenshilfe EN/Hagen hat 450 Mitglieder. Es gibt vier Wohnstätten, davon zwei in Schwelm; das Christian-Ehlert-Haus in der Lessingstraße und das „Catharina-Rehage-Haus“ in der Hauptstraße. In der letztgenannten Einrichtung sind überwiegend ältere Personen untergebracht. Durch das Projekt „Palliative Care“ ist es möglich, die Bewohner dort bis zum Tod zu betreuen. Weitere Themen sind „Ernährungskonzept“ und „Ambulant Betreutes Wohnen“. Seit 1. Januar 2019 verfügt die Lebenshilfe auch über einen Pflegedienst. „Die FAN, die Freie Alten- und Nachbarschaftshilfe, gehört seit neuestem zur Lebenshilfe“, so Lisa Teipel. Die Wohnberatung der FAN für Senioren wird durch den Ennepe-Ruhr-Kreis und die Pflegekassen gefördert und ist für anfragende Senioren und deren Angehörige kostenfrei.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben