800 Jahre Asbeck

Asbeck feiert: Das letzte ländliche Gevelsberger Dorf

Dörfliche Idylle in Asbeck-City: Der Blick fällt vorbei am Asbecker Backhaus auf die Gaststätte Alt Asbeck. Hier wehen der Duft von Stadtgeschichte und frische Landluft gleichermaßen.

Dörfliche Idylle in Asbeck-City: Der Blick fällt vorbei am Asbecker Backhaus auf die Gaststätte Alt Asbeck. Hier wehen der Duft von Stadtgeschichte und frische Landluft gleichermaßen.

Foto: Stefan Scherer

Gevelsberg.  800 Jahre Asbeck steht fest, aber ist Silschede tatsächlich 750 Jahre alt? Diese Frage bleibt im Raum stehen.

Die Gevelsberger sind ganz und gar nicht dafür bekannt, beim Feiern zurückhaltend zu sein. Dementsprechend groß wird bereits jetzt der 800. Geburtstag des Ortsteils Asbeck im kommenden Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen geplant. Außergewöhnlich vorsichtig gehen sie hingegen mit der zunächst fest terminierten Feier „750 Jahre Silschede“ um, die im Jahr 2021 folgen sollte. Diese ist nun abgesagt und durch eine „Heimathistorische Woche“ im kommenden Jahr ersetzt worden.

Grundlage für das geplante Silscheder Jubiläum war die erste urkundliche Erwähnung als „Schlebusch“ im Jahr 1271. Bei Stadtarchivar Detlef Raufelder, der sich wie schon zur 650-Jahr-Feier in Berge im vergangenen Jahr mit den geschichtlichen Fakten auseinandersetzte, kamen allerdings im Sommer 2018 immer größere Zweifel auf, ob in der betreffenden Urkunde tatsächlich das Schlebusch gemeint ist, das sich heute auf Gevelsberger Gebiet befindet.

„Am Ende konnten fast alle namensgleichen Orte ausgeschlossen werden, aber ich konnte nicht eindeutig klären, ob es sich bei dieser urkundlichen Erwähnung nicht doch um den Leverkusener Stadtteil Schlebusch handelt“, sagt der städtische Chefhistoriker, der sich nicht von einem anderen Geschichtsexperten nachsagen lassen möchte, er habe keine Belege für die Feier. Die Zweifel waren am Ende so stark, dass das Silscheder Jubiläum abgesagt und durch die heimathistorische Woche ersetzt wurde.

Dementsprechend richtet sich der Blick nun auf den unumstößlich gesicherten runden Geburtstag in Asbeck. „Wir sind als Stadt sehr bemüht, die stolze Identität der ehemals selbstständigen Gemeinden zu erhalten, die im Zuge der kommunalen Neugliederung zu großen Teilen der Stadt Gevelsberg zugeschlagen wurde“, sagt Bürgermeister Claus Jacobi. Asbeck sei der letzte Ortsteil, der die Bezeichnung ländliches Dorf von seinem Charakter her noch verdiene. „Diesen wollen wir mit besonderen Veranstaltungen herausstellen“, sagt das Stadtoberhaupt.

Asbecker Grenzen komplett abgehen

Da liegt das Hauptaugenmerk vornehmlich auf dem 16. und 17. Mai. An diesem Wochenende soll ein großes Bürgerfest stattfinden, bei dem für alle Altersklassen und Interessenslagen etwas im Angebot sein soll.

Ebenfalls fest eingeplant: ein so genannter Schnadegang, bei dem der SuS Asbeck die ehemaligen, sehr weitläufigen Gemeindegrenzen Asbecks zwischen Haßlinghausen und dem Bachtal abwandern will. Bereits fünf Mal haben sich Vertreter der Asbecker Vereine und Institutionen zusammengesetzt, um das Programm für den runden Geburtstag zu planen. Fest im Kalender integriert: Das Himmelfahrtsfest der Feuerwehr, das seit Jahrzehnten die Wanderer nach Asbeck lockt.

Ein landwirtschaftlich geprägter Ort war Asbeck hingegen nicht immer. „Asbeck war Bergbaugemeinde“, sagt Detlef Raufelder. Die meisten der Einwohner arbeiteten in den Zechen in Silschede und Sprockhövel. Sie hatten sich auf den Kotten und Höfen eingemietet. „Ging es dem Bergbau in der Umgebung schlecht, ging es den Asbeckern noch schlechter“, sagt Raufelder.

Die Verwebungen mit den Ortschaften in der Umgebung ist seit jeher ganz eng. So hatten die Asbecker nie ihre eigene Kirchengemeinde, gehörten bis 1899 zu Volmarstein, mittlerweile zur evangelischen Gemeinde Silschede-Haßlinghausen-Herzkamp.

Heimatkundliche Bücher in Arbeit

Die bewegte Geschichte der ehemals eigenständigen Gemeinde soll pünktlich zum Jubiläum aufgeschrieben werden – ähnlich der heimathistorischen Chronik für Berge, die im Jahr 2017 erschienen war. Die Eheleute Andreas und Susanne Belz, Dr Christian Füllers, Reiner Locatelli, Detlef Raufelder und Wolfgang Stamm wollen ein acht Kapitel umfassendes Buch zusammenstellen. Ein Kapitel mehr bekommt Silschede in seinem Buch, an dem maßgeblich Bernhard Bösken arbeitet. Vielleicht taucht im Zuge der Recherchen ja doch noch der Beweis auf, dass die sehr zweifelhafte Schlebuscher Urkunde eindeutig den Gevelsberger Ortsteil meint.

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