Verkehr

Ausbau des Autobahnkreuzes Wuppertal-Nord ist Mammut-Projekt

Der bisher genannte Baubeginn ab 2026 wird nicht mehr zu halten sein. Vor der Ertüchtigung des Kreuzes müssen noch zwei Autobahnbrücken auf der A1 erneuert werden

Der bisher genannte Baubeginn ab 2026 wird nicht mehr zu halten sein. Vor der Ertüchtigung des Kreuzes müssen noch zwei Autobahnbrücken auf der A1 erneuert werden

Foto: Hans Blossey

Schwelm/Sprockhövel.  Zehn Jahre Baustelle: Straßen NRW legt erstmals die Pläne für Umbau des Kreuzes Wuppertal-Nord offen. Zuvor werden noch mehrere Brücken erneuert.

Der Ausbau des Wuppertaler Kreuzes ist weit mehr als die von vielen Menschen bisher nur vermutete neue Verbindung zwischen A1 und A 46. Zusätzlich zu einer neuen Rampe, die beide Autobahnen ampelfrei miteinander verbindet, müssen mehrere Brücken im Kreuz erneuert und Fahrbahnabschnitte verbreitert werden. An der A1 entstehen neue Zufahrten und eine Abfahrt.

Baubeginn ab 2026 wird nicht mehr zu halten sein

Dies geht aus Plänen hervor, die der Landesbetrieb Straßen NRW für unsere Redaktion offen legte. Auch der bisher genannte Baubeginn ab 2026 wird nicht mehr zu halten sein. Vor der Ertüchtigung des Kreuzes müssen noch zwei Autobahnbrücken auf der A1 erneuert werden.

Die Pläne für den Kreuz-Ausbau sind Jahre alt und wurden immer wieder überarbeitet. Nun wird es ernst. Die Vorbereitungen fürs Planfeststellungsverfahren sind weit vorangeschritten. Nach den Sommerferien werden die Räte der Städte Wuppertal, Sprockhövel und Schwelm informiert, im Anschluss an die Herbstferien wird Straßen NRW dann die Bürger im Rahmen einer frühen Öffentlichkeitsbeteiligung – geplant ist eine Informationsveranstaltung vermutlich in Sprockhövel – auf den Planungsstand bringen. Thomas Schittkowski, zuständiger Projektleiter bei Straßen NRW in Hagen, und Straßen-NRW-Sprecher Andreas Berg haben vorab in die Pläne gucken lassen und Erläuterungen dazu gegeben.

Darum geht es

Noch ist das Autobahnkreuz Wuppertal-Nord das einzige im Bundesgebiet, wo Autofahrer beim Wechsel von der einen zur anderen Autobahn vor einer Ampel stehen und das durch eine Bundesstraße (B 326) unterbrochen wird. Dies soll sich mit dem Ausbau ändern. Gleichzeitig muss das Kreuz ertüchtig werden, weil die Verkehrsbelastung während der vergangenen Jahrzehnte gestiegen ist und mit den neuen Verkehrsbeziehungen im Kreuz die Fahrbahnen angepasst werden müssen.

So sieht der Ausbau aus

Kernstück des Ausbaus ist die neue Rampe Ost. Sie verbindet die A1 mit der A 46 und ersetzt die Bundesstraße, auf der sich auch die Ampeln befinden. Die 180 Grad-Kurve der neuen Rampe wird auf Pfeilern stehen und über den neuen Anschluss des Autobahnkreuzes an die L 551 (Schwelmer Straße) führen. Der von Stützen getragene Bogen hat eine Länge von 325 Metern.

Das letzte Stück der B 326 wird nicht mehr benötigt, fällt weg und wird renaturiert. Der Rest der heutigen Bundesstraße wird bis zur A 43 beziehungsweise A 46 als Autobahntrasse ertüchtigt. Die Abfahrt von der A 43 auf die A 46 wird ausgebaut. Die Einfädelspur auf die A 46 wird zweispurig (bisher einspurig) und bis zur Anschlussstelle Oberbarmen verlängert.

Neu auch dies: An der L 551 (Schwelmer Straße) entsteht von Schwelm kommend unmittelbar vor der Autobahnbrücke eine Auffahrt auf die A1 in Fahrtrichtung Bremen. Auf der anderen Seite der Autobahnbrücke (Stefansbecke) kommt nach links eine Auffahrt hin, die zur A 43 führt, während auf der anderen Seite der Schwelmer Straße eine neue Abfahrt von der A1 (in Fahrtrichtung Köln) auf die L 551 mündet.

Die Brücken

Den Brücken kommt in den Ausbauplänen eine besondere Rolle zu. Insgesamt gibt es zwölf Brückenbauwerke, alle aus den 60er und 70er Jahren, die zum Plangebiet gehören. Dazu zählt auch noch die Autobahnbrücke auf der A1 auf Sprockhöveler Gebiet, die über die L 666 (Gevelsberger Straße) führt. Sie muss – wie auch die A1-Autobahnbrücke in Sprockhövel, die über die L 551 (Schwelmer Straße) führt – dringend erneuert werden. Sicherheitsvorgaben, die sich auf Nachberechnungen der Brückenbelastungen aus dem Jahr 2011 ergeben, erlauben keinen langen Aufschub, weswegen die Brückenerneuerungen noch vor dem Ausbaustart fürs Wuppertaler Kreuz erfolgen müssen.

Gleiches gilt für die Brücke Eichenhofer Weg auf Sprockhöveler und Wuppertaler Gebiet, die über die Zubringer A 46 auf A1 bzw. A1/ A 43 führt. Auch sie muss dringend erneuert werden, wie auch die Brücke auf dem Zubringer von der A 1 auf die A 43, die über die A1 führt, wovon die Planer bei Straßen NRW erst vor anderthalb Jahren erfuhren.

Die erste Brücke, die durch eine neue ersetzt wird, ist die am Eichenhofer Weg (voraussichtlich ab Mitte 2020), gefolgt von den A1-Brücken über die L 666 und über die L 551 (ab Mitte 2021) und schließlich der neuen Brücke von der A1 auf die A 43, die über die A1 führt (frühestens ab Mitte 2022). Laut Landesbetrieb ist mit etwa einem bis anderthalb Jahren Bauzeit an jeder Brücke zu rechnen (auf der Autobahn im laufenden Betrieb, am Eichenhofer Weg wahrscheinlich unter Vollsperrung).

Die Folgen

Die dringend nötigen Bückenersatzbauten haben folgenschwere Auswirkungen auf den Kreuz-Ausbau. Weil die Bauwerke zum Plangebiet zählen, sind sie Gegenstand der Planfeststellung. Damit hängt das gesamte Planfeststellungsverfahren am Baufortschritt bei den Brückenersatzbauten, wie Projektleiter Thomas Schittkowski erklärte.

Ursprünglich wollte Straßen NRW Anfang 2021 mit dem Planfeststellungsverfahren beginnen. Im besten Fall hätte dann ab 2026 mit dem mehrjährigen Kreuz-Ausbau begonnen werden können. Thomas Schittkowski hält diesen Zeitpunkt wegen der Brückenbauten für nicht mehr haltbar. Der Projektleiter geht nun vielmehr von einem deutlichen späteren Baustart aus. Er rechnet, wie auch Landesbetrieb-Sprecher Andreas Berg, mit einer Fertigstellung des Kreuz-Ausbaus wahrscheinlich erst Mitte der 2030er-Jahre.

Beide verweisen darauf, dass die neuen Brücken genau genommen schon Teil des Kreuz-Ausbaus seien – wenn auch vor Jahren so nicht vorhergesehen. Den Auto- und Lkw-Fahrern kann dies egal sein. Für den Verkehr bedeutet es auf jeden Fall: Im und am Kreuz Wuppertal-Nord ist ab Mitte 2020 und womöglich für zehn Jahre mit Baustellen und starken Beeinträchtigungen zu rechnen.

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