Kirche

Bandgründung in Schwelm nicht ausgeschlossen

Pop-Kantor Chris Hees ist mit seiner Band und Techniker Alex Wichmann nach Schwelm in die Marienkirche angereist. Foto:HB

Pop-Kantor Chris Hees ist mit seiner Band und Techniker Alex Wichmann nach Schwelm in die Marienkirche angereist. Foto:HB

Schwelm.   In der Marienkirche feiert die Propstei den ersten Gottesdienst ausschließlich mit Songs aus dem Bereich Praise & Worship. Das kommt an.

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Eine Premiere erlebten die Gottesdienstbesucher in der Marienkirche. Zum ersten Mal wurde in der Propstei St. Marien Schwelm – Gevelsberg – Ennepetal ein Gottesdienst nur mit deutschen und internationalen Songs aus dem Bereich Praise & Worship (Lobpreis und Anbetung) gestaltet.

Das Gottesdienstkonzert war das Ergebnis eines ganztägigen Workshops für Jugendliche und junggebliebene Erwachsene. Das Bistum Essen hat im Rahmen seiner Zukunftsbild-Projekte zwei sogenannte Pop-Kantoren engagiert, die die weltweit bekannte christliche Musikrichtung vorstellen. Sie besteht überwiegend aus Pop, aber auch Jazz, Rock und Gospel Elemente sind zu finden. Es sind Songs, die Chart-verdächtig sind, nur, dass nicht die große weibliche Liebe besungen wird, sondern die Beziehung zu Gott.

Pop-Kantor Chris Hees war mit seiner Band (Katharina Schedlinski (Gesang), Nils Bloch (Drums), Ali Rink (Gitarre), Gregorio Mangano (Trompete), Mark Wiedersprecher (Keyboard) und Techniker Alex Wichmann angereist. Für Mark Wiedersprecher, der in der heimischen Musikszene sehr bekannt und aktiv ist (u.a. Mitveranstalter des Adventivals, Freie Evangelische Gemeinde, ...), war es ein gelungenes Heimspiel. Techniker Alex (21), der bereits am Vorabend mehrere Stunden das Equipment aufgebaut hatte, war erfreut über den Kirchenbau: „Das ist Luxus für mich. Aufgrund der herausstehenden Steine gibt es hier kaum Nachhall. Einfach eine ideale Akustik für Pop-Musik.“

Propst Norbert Dudek hielt selbst die Messe und sprach über die große Spannbreite der Musik und über „neue Zeichen, auf die man sich einlassen sollte.“ Der Glaube würde in vielfältige Musik angesprochen. Kantor Ulrich Isfort, der ebenfalls in der Arbeitsgruppe „Praise & Worship “ des Bistums mitarbeitet, beruhigte die Traditionalisten: Die Orgelmusik würde selbstverständlich Bestandteil bleiben. Gottesdienstbesucher Alex Schroes (82), der kräftig mitgesungen hatte, befand anschließend: „Hat mir gut gefallen, nicht für jeden Sonntag, aber drei bis viermal im Jahr.“

Generell schien die flotte, einschmeichelnde Musik bei den Besuchern gut anzukommen, so erhielten die Musiker nicht nur nach dem ersten Lied einen herzhaften Applaus, sondern auch nach dem zweiten Lied erklang ein spontaner Beifall, bis man sich aus Zeitgründen darauf einigte, damit zukünftig bis zum Schluss der Messe zu warten. Den langen Abschlussapplaus hatten sich dann wirklich alle verdient – Publikum, Künstler und Propst.

Ein gemeinsames Zusammenspiel ist gar nicht so leicht. Am Morgen saß man noch getrennt: Die zwölf Teilnehmer saßen im Halbkreis um die Profis und lauschten, aber nach den intensiven Coachings waren die jungen Musiker wie alte Hasen in die Band integriert und jeder hatte seinen Platz gefunden. Da war es auch ganz selbstverständlich, dass Marc Wiedersprecher sein Keyboard mal für Marie und Maxi räumte. Wolfgang (50) spielte erst seit 4 Jahren auf „der Kiste“ (Cajón) und hatte nie Unterricht. Schüler Julius lernt hingegen bereits aktuell Schlagzeug. Aber schnell fanden der Coach Nils und die beiden „Jungs“ eine gemeinsame Sprache und denselben Beat. Gleiches galt auch für die Bläser und für den Akkordeonspieler Sebastian um Coach Gregorio. Lisa Schimnick, die den Spontan-Chor in Ennepetal leitet, spielte zum ersten Mal Querflöte vor Publikum – als Autodidaktin. Gregorio lobte: „Man spielt mit den Ohren. Das Instrument ist nur eine Verlängerung des Körpers.“

Kantor plant Bandgründung

Mia (11), die gerne RAP und die Beatles hört, strahlte am Mittag über das gesamte Gesicht, und unisono erklang es am Mittagstisch: „Cool!“ Wer hätte gedacht, dass aus dem vorsichtigen Mitsummen am Morgen eine eigene vorgetragene Strophe wurde? Mia (11), Hannah (15) und Leonie (14) trauten sich und griffen wie selbstverständlich zum Solo-Mikrophon. Chorsängerin Alex (14): „Das war besser als bei „Voice Kids“ - einfach cool.“

Ulrich Isfort selbst hatte bereits vor 15 Jahren eine Zusatzausbildung für Pop-Musik in Trossingen an der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung absolviert. Für ihn steht fest: „Man muss Jugendlichen die Möglichkeit geben, ihre Musik in der Kirche wiederzufinden.“ Daher möchte er nicht nur in der Reihe „Orgel Plus“ demnächst mit Jugendlichen musizieren, sondern die Begeisterung der Teilnehmer aufnehmen und eine eigene Band gründen.

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