Funktionelle Medizin

Bastian Hölscher eröffnet in Gevelsberg eine Privatpraxis

Bastian Hölscher war fünf Jahre Hausarzt in Witten und hat jetzt eine Privatarztpraxis in Gevelsberg eröffnet. Er sagt, in der  chinesischen und funktionellen Medizin.

Bastian Hölscher war fünf Jahre Hausarzt in Witten und hat jetzt eine Privatarztpraxis in Gevelsberg eröffnet. Er sagt, in der chinesischen und funktionellen Medizin.

Foto: Carmen Thomaschewski

Gevelsberg.   Bastian Hölscher hat in Gevelsberg eine Privatpraxis eröffnet. Schwerpunkt: funktionelle Medizin

Bastian Hölscher arbeitete in den vergangenen fünf Jahren als niedergelassener Hausarzt in Witten. Er behandelte viele tausende Patienten, und trotzdem hatte er immer das Gefühl, nicht das Richtige, nicht genug für sie zu tun. Vor wenigen Wochen eröffnete er in Gevelsberg eine Privatpraxis und geht medizinisch einen eigenen Weg.

Sie haben Ende April Ihre Kassenzulassung abgegeben. Warum?

Bastian Hölscher: Ich befand mich in einem ethischen Dilemma. Weil es aus meiner Sicht nicht ausreicht, die konventionelle Medizin anzuwenden. Dabei werden bei vielen nur die Symptome behandelt, nicht die Ursache. Viele wollen auch einfach nur eine Pille, damit es ihnen besser geht. Das ist aber in vielen Fällen nicht der richtige Weg, nicht für die Patienten und auch nicht für mich. Ich weiß, dass ich mehr für die Patienten tun kann, aber als Hausarzt habe ich nicht die Zeit, mich eingehend mit ihnen zu beschäftigen.

Welche Methode ist denn Ihrer Meinung nach die Richtige?

Die funktionelle Medizin. In Amerika ist sie schon weit verbreitet, hier steckt sie noch in den Anfängen. Sie bietet eine neue Sicht auf Gesundheit und Krankheit. Ziel ist es, durch konsequente Behandlung der Krankheitsursachen nicht nur eine Kontrolle der Symptome, sondern die völlige Gesundheit zu erreichen. Die funktionelle Medizin, die auch als biologische Medizin bezeichnet wird, ist die Zukunft der wissenschaftlich belegten Medizin. Daran besteht für mich kein Zweifel.

Was ist die funktionelle Medizin?

Es ist eine präventive Art der Medizin. Wichtigste Ansatzpunkte sind die Ernährung und Lebensführung. Mit einer entsprechenden Umstellung kann man viel erreichen. Es gibt Studien, die beweisen, dass sich eine bestimmte Diät positiv auf eine Autoimmunerkrankung auswirken kann. Diese Methode ist zeitaufwendiger und für die Patienten nicht immer leicht. Wer gibt schon lieb gewonnene Gewohnheiten auf und verzichtet auf bestimmte Lebensmittel, die man gerne mag? Ein Rezept ausstellen ist schnell gemacht, aber der falsche Weg.

Können Sie Beispiele für die ­positive Wirkung nennen?

Ein beeindruckendes Beispiel dafür liefert Prof. Dr. Dale Bredesen. Er ist ein amerikanischer Neurologe und hat sich vor vielen Jahren der Alzheimerforschung verschrieben. Mehr Bewegung, weniger Stress, eine bestimmte Diät und das über eine gewisse Zeit: Damit schaffte er es, Alzheimerpatienten im frühen Stadium ihre volle Funktionsfähigkeit zurückzubringen. Dieses Ergebnis bedeutet einen Durchbruch in der Forschung.

Und warum hat diese Erkenntnis nicht die Medizinwelt revolutioniert?

Ich bin überzeugt, dass dieser Ansatz sehr wohl die Medizinwelt revolutionieren wird. Nur sind Veränderungen in einem so komplexen System sehr langsam. Ich möchte meine Patienten aber schon jetzt so behandeln, dass ich mir sicher sein kann, ganz aktuelle Forschungsergebnisse zu berücksichtigen.

Sind Sie der einzige in der Region, der die funktionelle Medizin praktiziert?

Ich bin einer von wenigen, noch ist diese Medizin in Deutschland nicht weit verbreitet. Marc Borchert,

Facharzt für Allgemeinmedizin

und Naturheilverfahren, macht schon seit Jahren gute Erfahrungen damit, wir haben einen ähnlichen Ansatz. Ich freue mich, dass ich bei ihm in Gevelsberg auch meine Praxis eröffnen konnte. So können wir auch zusammenarbeiten.

Wie sind Sie zur funktionellen Medizin gekommen?

Bereits während des Studiums habe ich eine fünfjährige Ausbildung in chinesischer Medizin an der Universität Witten/Herdecke absolviert und erfolgreich abgeschlossen. Diese chinesische Sicht auf Gesundheit und Krankheit hat mich auch während meiner Arbeit in verschiedenen Krankenhäusern nie wirklich losgelassen. Chinesische Kräutertherapie und Akupunktur sind überaus wirksame Mittel in der Schmerztherapie. Der Weg zur funktionellen Medizin ergab sich auch aus eigenen Verdauungsbeschwerden heraus. Erst durch die Umstellung der Ernährung habe ich hier wirklich dauerhaft bei mir selbst eine Verbesserung erzielt.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Obwohl ich weiß, wie gut und wirkungsvoll die Methode ist: Mitunter bin ich selbst erstaunt darüber wie nur kleine Veränderungen in der Lebensführung oder in der Ernährung wirklich tiefgreifende Veränderung bei meinen Patienten hervorrufen können.

Wie funktioniert eine Behandlung bei Ihnen?

Zu Beginn steht ein ausführliches Gespräch und eine umfassende Diagnostik. Wichtiger Punkt ist Ernährungsberatung, Akupunktur und der Einsatz chinesischer Kräuter. Ich begleite die Therapie intensiv, deshalb bleibt es nicht bei einem Behandlungstermin. Wann sich der Erfolg einstellt, ist sehr individuell. Man braucht Zeit, Wissen und vor allem die Bereitschaft, sich darauf einzulassen. Ich habe mich dazu entschieden, diesen Weg zu gehen, hätte ich es nicht versucht würde ich mich irgendwann ärgern. Ich bin überzeugt von der funktionalen Medizin und glaube, dass ich damit vielen Menschen helfen kann.

>>> INFO

In Gevelsberg sind 18 Hausärzte niedergelassen, wie die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt. Der hausärztliche Versorgungsgrad liegt damit – statistisch gesehen – bei 112,7 Prozent.

Wie viele Ärzte für eine Stadt, einen Kreis oder eine Region benötigt werden, wird durch die sogenannte Bedarfsplanung festgelegt. Sie soll eine ausreichende flächendeckende Versorgung mit niedergelassenen Ärzten gewährleisten sowie eine Fehlversorgung vermeiden. „Die Bedarfsplanung ist das entscheidende Instrument zur Sicherstellung der ambulanten Versorgung“, teilt die Kassenärztliche Vereinigung mit und erläutert: „Stimmt die Relation von Arzt und Patienten in einer Region mit der gesetzlichen Vorgabe überein, so beträgt der Versorgungsgrad genau 100 Prozent.“

Grundlage der Bedarfsplanung ist die Bedarfsplanungs-Richtlinie, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erlassen wird. Der G-BA ist das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Es ist die Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen, die Vorgaben der Bedarfsplanungs-Richtlinie in konkrete Bedarfspläne einfließen zu lassen.

„Auch die allgemeine fachärztliche Versorgung im Ennepe-Ruhr-Kreis ist derzeit über alle Fachrichtungen hinweg stabil“, heißt es vonseiten der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung. Anders als bei Hausärzten wird bei Fachärzten das Einzugsgebiet weiter gefasst und nicht pro Stadt, sondern Region betrachtet. Im Ennepe-Ruhr-Kreis gibt es: 23 Augenärzte, die Versorgungsquote liegt bei 117 Prozent, 46 Gynäkologen (131 Prozent), 12 Hautärzte (129), 16 HNO-Ärzte (123 Prozent) und 21 Kinderärzte (135 Prozent).

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben