Einkauf

Behindertenbeirat will 100 Rampen für Schwelm

Ein, zwei Stufen

Foto: Bernd Richter

Ein, zwei Stufen Foto: Bernd Richter

Schwelm.   Der Behindertenbeirat will den Einkauf barrierefreier machen. Mobile Rampen sollen auch Rollstuhlfahrern den Zugang in die Läden ermöglichen.

Für Menschen ohne Handicap sind ein, zwei Stufen hoch ins Geschäft leicht zu meistern. Wer auf einen Rollator angewiesen ist, hat da schon ein Problem. Wer aber im Rollstuhl sitzt, bleibt unweigerlich außen vor. Die Barrierefreiheit beim Einkauf muss unbedingt besser werden, findet der Behindertenbeirat der Stadt Schwelm und präsentiert einen konkreten Vorschlag.

Mobile Rampen und ein entsprechender Hinweis im Schaufenster könnten die Lösung sein, erklärte Detlef Wapenhans (SPD). Er stellte die Idee dahinter am Montag in der Sitzung des Behindertenbeirates vorstellte.

Mobile Rampen schnell aufgebaut

Die Geschäfte, die für Menschen mit Behinderung schlecht bzw. nicht zugänglich sind, was in der Schwelmer Innenstadt wegen der Treppeneingänge häufiger der Fall ist, sollen demnach gut sichtbare Aufkleber an ihrem Schaufenster anbringen, auf denen neben einem Wiedererkennungs-Logo für das Projekt eine Telefonnummer steht, mit der die Inhaber bzw. Beschäftigten im Ladeninnern zu erreichen sind. Wer vor dem Geschäft steht und wegen der Treppenstufen nicht reinkommt, ruft die Nummer an und sagt, dass er Hilfe braucht. Mobile Rampen, die von den Mitarbeitern schnell aufgebaut werden, ermöglichen dann auch Rollstuhlfahrern den Zugang zu den Geschäften.

„Solche Rampen gibt es schon für unter 100 Euro. Die sind aus Alu und können bis zu 300 Kilogramm tragen“, erläuterte Detlef Wapenhans. Der SPD-Ratsherr weiß, wovon er spricht. Wapenhans ist selbst auf einen Rollstuhl angewiesen und hat sich solch eine Rampe angeschafft, um Hürden im Alltag zu überwinden.

Rampen gibt es für unter 100 Euro

Vorbild des Projektes, dass der Behindertenbeirat mit „100 Rampen für Schwelm“ betiteln möchte, ist die Aktion „1000 und 1 Rampe“ in Berlin. Es beruht auf Spenden, und die nächste Rampe wird angeschafft, sobald das Geld dafür zusammen ist. In einer kleinen Stadt wie Schwelm wird das möglicherweise nicht funktionieren, befürchtet Wapenhans. Der Behindertenbeirat setzt daher aufs freiwillige Engagement der Geschäftswelt. „Ich halte es für sinnvoller, die Ladeninhaber direkt anzusprechen, um sie von der Sache zu überzeugen.“

Dabei wolle man ausdrücklich auch die Werbegemeinschaft mit ins Boot holen, mit deren Vorsitzenden Daniela Weithe Beiratsmitglied Rolf Steuernagel schon darüber gesprochen hat. „Das ist ein wichtiges Thema, eine wichtige Sache“. findet Steuernagel.

Ladeninhaber überzeugen

„Natürlich wird es immer wieder Läden geben, wo das mit den Rampen nicht funktioniert“, erklärte Detlef Wapenhans. Maximal drei Stufen könnten mit einer kleinen mobilen Rampe überbrückt werden, und es gibt Läden, die haben sogar fünf. Und doch wäre die Umsetzung des Vorhabens, dort, wo es geht, ein großer Schritt hin zum barrierefreieren Einkauf, denn: „Es gibt in Schwelm viele Geschäfte, wo es nur eine Stufe gibt“, sagte Wapenhans. Menschen ohne Handicap würden das überhaupt nicht als Problem wahrnehmen. „Als Rollstuhlfahrer stehst du aber davor und kommst nicht weiter.“

Ein gutes Beispiel, dass es auch anders geht, ist in Schwelm übrigens Intersport Reschop, wo es eine Rampe gibt, und u.a. Augenoptik Bunzel bzw. DM in der Fußgängerzone, wo die Eingangsbereiche umgebaut und behindertengerecht aufgepflastert wurden.

Der Behindertenbeirat will nun auf die Geschäftsleute zugehen und sie von Nutzen und Vorteil überzeugen. „Das werden wir bestimmt zwei, drei Mal machen müssen“, glaubt Beiratsvorsitzender Frank Sprock. Aber er lässt an der Bedeutung des Anliegens keinen Zweifel und auch daran nicht, es mit ganzer Kraft anzugehen: „Ich bin überzeugt, dass das Projekt die Arbeit des Behindertenbeirates der Stadt Schwelm im nächsten Jahr sehr mitprägen wird“.

>>>Am Heimatfestsonntag mehr an Autofahrer mit Handicap denken

Wenn am Heimatfest-Sonntag die Innenstadt wegen des Umzuges Stunden vorher für den Verkehr gesperrt wird, trifft das Behinderte wie Nicht-Behinderte gleichermaßen. Man sollte mal über Ausnahmen oder andere Lösungen nachdenken, regte der Behindertenbeirat in seiner jüngsten Sitzung an.

Denn was für Menschen ohne Behinderung lediglich einen längeren Fußmarsch bedeutet, wenn sie ihre Fahrzeuge am Heimatfestsonntag außerhalb der Sperrzone abstellen müssen, kann für Verkehrsteilnehmer mit Handicap leicht zu einem Knock-Out-Kriterium für den Besuch des Heimatfestzuges werden. Es gibt während der Sperrzeit auch kein Durchkommen mehr zu den eigens dafür gekennzeichneten Behinderten-Parkplätzen in der Innenstadt.

Lösungsvorschlag des Behindertenbeirates: Verkehrsteilnehmer mit Behindertenausweis ausnahmsweise durchzulassen, zumindest bis eine Dreiviertelstunde vor Zugbeginn. Ein weiterer Vorschlag: Den Parkplatz am Kreishaus, der dann erfahrungsgemäß leer ist, speziell für Behinderte vorzuhalten und den Weg dorthin auszuschildern.

Das Thema soll am heutigen Donnerstag bei der Manöverkritik des Heimatfestes vorgebracht werden.

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