Haus Martfeld

Besucherrekord beim Open-Air-Kino in Schwelm

Die Zuschauer bringen sich zum Teil eigene Stühle oder auch Bänke mit, um das besondere Ambiente am Haus Martfeld beim dritten Open-Air-Kino zu genießen.

Die Zuschauer bringen sich zum Teil eigene Stühle oder auch Bänke mit, um das besondere Ambiente am Haus Martfeld beim dritten Open-Air-Kino zu genießen.

Foto: Lilo Ingenlath-Gegic

Schwelm.  Das Open-Air-Kino am Haus Martfeld in Schwelm hat am Freitag zum dritten Mal stattgefunden – und konnte einen Besucherrekord verzeichnen.

Die ersten Kinobesucher kommen schon um 19.15 Uhr, um sich besonders gute Plätze zu sichern. Beim Open-Air-Kino im Hof des Hauses Martfeld zeigt sich das Schwelmer Publikum Open-Air-erprobt: Viele bringen trotz der sommerlichen Temperaturen Jacken und sogar Wolldecken mit.

Marco Blumenthal und Halem Talash von der Firma SkyLine aus Hagen haben die große Leinwand und die Technik aufgebaut und außerdem 150 Stühle im Innenhof aufgestellt. Die sind schon lange vor dem Filmstart besetzt. Viele Besucher machen es sich auf eigenen Stühlen bequem. Einige Gruppen haben sogar Bänke mitgebracht. Zum dritten Mal gibt es das Open-Air-Kino im stimmungsvollen Ambiente am Haus Martfeld. Beim ersten Mal kamen viele Besucher, denn gleichzeitig wurde das zehnjährige Partnerschaftsjubiläum der Städte Schwelm und Fourqueux gefeiert. Im vorigen Jahr kamen wegen des schlechten Wetters nur etwa 150 Kinobesucher, heute übertrifft die Besucherzahl alle Erwartungen: Mehr als 500 Menschen verteilen sich im Hof, im Park und auf den Wiesen.

Besonderer Einsatz

Die Schwelmerin Alla Ortmann hatte die Idee, sich mit Freunden vom Turnverein „Rote Erde“ hier zu treffen. Mehr als 20 sind gekommen und genießen den Abend lange bevor der Film beginnt. Von der Baustelle im Haus ist nichts zu sehen und dass die Gastronomie fehlt, fällt heute nicht auf, denn an den Ständen des Clubs Schwelm-Fourqueux werden französische und deutsche Speisen angeboten. Es gibt Baguette, Käse, Wein und Würstchen vom Grill. Außerdem gibt es einen Wein- und einen Popcornstand.

Drei Damen vom Fachbereich Schule, Kultur, Sport der Stadt Schwelm sind ganz besonders im Einsatz: Evalena Greif, die Organisatorin des Open-Air-Kinoabends, Margit Passehl, die stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Schule, und Raphaela Poutnik, städtische Angestellte im Haus Martfeld. Sie haben nicht nur organisiert und aufgebaut, an diesem Abend verkaufen sie auch Getränke. Bei einsetzender Dämmerung beginnt die Vorstellung.

Roadmovie mit Freundschaftsgeschichte

Gezeigt wird der Film „Green Book – eine besondere Freundschaft“. Greif hat diesen Film ausgewählt. Der Film ist ein Roadmovie und spielt 1962 in Amerika. Erzählt wird die auf wahren Begebenheiten beruhende Freundschaftsgeschichte von Tony Vallelonga (1930–2013) und Dr. Don Shirley (1927–2013). Tony, gespielt von Viggo Mortensen, ist ein Italoamerikaner aus der Bronx, der gerade seinen Job verloren hat. Er hat eine bezaubernde Ehefrau und zwei Kinder. Ihm gegenüber steht „Doc“, ein erfolgreicher Pianist und Komponist aus gutem Hause, der viel Wert auf gutes Benehmen und tadelloses Aussehen legt. Dr. Shirley lebt in einer riesigen Wohnung über der berühmten Carnegie Hall in Manhattan.

Eigentlich wollte er klassischer Konzertpianist werden, doch das ist in dieser Zeit für einen Schwarzen in Amerika undenkbar. Shirley sucht einen Fahrer für eine zweimonatige Konzerttournee in die Südstaaten. Dieser Mann sollte nicht nur Chauffeur, sondern auch Bodyguard sein, denn die Südstaaten sind kein sicherer Ort für einen schwarzen Künstler.

Schöngeist und Haudegen

Weil die Bezahlung stimmt, nimmt Vallelonga den Job trotz seiner Vorbehalte gegen Schwarze an. Schöngeist und Haudegen fahren im mintgrünen Cadillac durch die Südstaaten. Sie orientieren sich am „Green Book“: „The Negro Motorist Green Book“, so die offizielle Bezeichnung für einen Reiseführer für Schwarze, um auf ihrer Fahrt durch den amerikanischen Süden Hotels, Restaurants und Tankstellen zu finden, die sie nicht wegen ihrer Hautfarbe vor der Tür stehen lassen. Es geht also um den alltäglichen, selbstverständlichen Rassismus jener Zeit, doch der mit drei Oscars prämierte Film ist eine Komödie. Er hält stets die Balance zwischen Kritik und Komik.

Die Zuschauer begeben sich hinterher nur langsam auf den Heimweg, denn die Stimmung am Martfeld ist kommunikativ und sommerlich. Das Team Greif, Passehl und Poutnik muss jetzt noch mindestens eine Stunde lang abbauen und aufräumen. Zum Glück stehen einige Familienmitglieder als tatkräftige Helfer bereit. Und auch die jungen Männer von SkyLine bauen noch Filmtechnik und Stühle ab.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben