Prozess

Bewährungsstrafe nach tödlichem Unfall in Schwelm

Der tödliche Unfall im September 2016 führte in Schwelm auch zu einer Diskussion um die Sicherheit an der vielbefahrenen Kreuzung.

Foto: Kreispolizeibehörde

Der tödliche Unfall im September 2016 führte in Schwelm auch zu einer Diskussion um die Sicherheit an der vielbefahrenen Kreuzung. Foto: Kreispolizeibehörde

Schwelm.   Ursprünglich sollte der Mann, der einen tödlichen Unfall in Schwelm verursachte hatte, ins Gefängnis. Nun erhält er doch noch Bewährung.

Der Mann, der unter Alkoholeinfluss auf der Talstraße einen tödlichen Unfall verursacht hat, hat vor dem Hagener Landgericht Bewährung erstritten. Im August hatte das Schwelmer Schöffengericht den 44-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr und vier Monaten verurteilt.

Dieser Unfall hatte große Trauer und Diskussionen über die Verkehrssicherheit an der Kreuzung Talstraße/Carl-vom-Hagen-Straße/Ruhrstraße ausgelöst. Am späten Abend des 19. September 2016 übersah der Angeklagte beim Linksabbiegen einen jungen Motorradfahrer (17) mit Sozius, der von der Ruhrstraße geradeaus auf die Carl-vom-Hagen-Straße fahren wollte. Der 44-Jährige nahm dem Motorradfahrer die Vorfahrt. Es kam zu einem Zusammenstoß, bei dem sich der junge Mann das Genick brach und starb. Sein Sozius kam mit einigen Verletzungen davon, die ohne Folgen abheilten.

Unfall unter Alkoholeinfluss

Vor Gericht gestand der Autofahrer, dass er Alkohol getrunken hatte, als er sich ans Steuer setzte. Zwar ist die Kreuzung für ihre Unübersichtlichkeit und Gefährlichkeit berüchtigt, aber die Schwelmer Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann das Motorrad wegen seines erhöhten Alkoholpegels von rund 1,16 Promille übersah. Seit dem Tod seines Vaters, den er kaum verwinden konnte, habe er stets eine Flasche Kräuterschnaps im Wagen gehabt, räumte der 44-Jährige damals ein. An jenem Tag begann er eigenen Angaben zufolge um kurz nach 16 Uhr, immer wieder ein paar Schlucke daraus zu trinken. Was infolgedessen passierte, bereue er zutiefst.

Gut ein halbes Jahr, nachdem das Schwelmer Amtsgericht das Urteil über den damals noch in Gevelsberg wohnenden Mann verhängt hatte, war es Aufgabe einer Berufungskammer des Landgerichts Hagen, zu prüfen, ob eine Bewährung möglich war. Im Schwelmer Urteil war das der Dreh- und Angelpunkt: Eine Bewährung auszusprechen, würde bei der Schwelmer Bevölkerung auf großes Unverständnis stoßen und würde vermutlich deren Glauben in das Rechtssystem erschüttern, befand das Schöffengericht. Strafmildernde Aspekte wie Reue, eine günstige Sozialprognose und das Versprechen des Mannes, nie wieder Alkohol zu trinken, wurden davon überlagert.

Die Antwort der Hagener Richter auf diese Frage lautete jedoch: Ja. Sie hatten Parallelfälle der Rechtsprechung herangezogen. Zum Beispiel hätte der 44-Jährige nicht geplant, den Straßenverkehr vorsätzlich zu gefährden, wie es bei manchen „Raserunfällen“ geschehen sei, die Promillegrenze zur Fahruntüchtigkeit sei nur knapp überschritten worden. „Der Mann ist bisher völlig straffrei durchs Leben gegangen, es gab auch keine Einträge im Verkehrszentralregister. Er hat seit 20 Jahren einen festen Job, dem er weiter nachgeht“, so die Begründung der Hagener Richter.

Kreuzung soll sicherer werden

Die neue Lichtsignalanlage, die separate Grünphasen für die Linksabbiegerspur von der Carl-vom-Hagen-Straße und für den Fußgängerüberweg auf der Talstraße bringen wird, soll – nach mehreren Verzögerungen – nächste Woche endlich fertig werden und sofort in Betrieb gehen. Das teilte am Mittwoch der Landesbetrieb Straßen.NRW als Bauträger mit. Dann auch wird die Geradeausspur auf der Ruhrstraße wieder freigegeben, die nach dem tödlichen Unfall auf Empfehlung der Unfallkommission gesperrt wurde. Der Begegnungsverkehr wurde damals als erhöhtes Unfallrisiko im Kreuzungsbereich erkannt.

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