Diskussion

Bild-Chef Reichelt bei der CDU: Darf ein Journalist das?

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Julian Reichelt, Chefredakteur der Bild-Zeitung wird am Freitag, 10. September, mit der CDU über 9/11 diskutieren. Das sorgt an einer Stelle für Kritik.

Julian Reichelt, Chefredakteur der Bild-Zeitung wird am Freitag, 10. September, mit der CDU über 9/11 diskutieren. Das sorgt an einer Stelle für Kritik.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Schwelm.  Bild-Chefredakteur Julian Reichelt spricht kurz vor der Wahl bei der CDU über 9/11. Das sorgt für Diskussionen um Unabhängigkeit im Journalismus.

Julian Reichelt hat aus Afghanistan berichtet, war im Irak, weiß wie sich Krieg anfühlt. Er ist ein Gesprächspartner, der authentisch zum 20. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center über die Lage in Afghanistan sprechen kann. Doch sein Besuch in Schwelm am Freitag, 10. September, ruft Kritiker auf den Plan. Die Frage, die den Deutschen Journalisten-Verband beschäftigt, lautet: Schadet der Bild-Chefredakteur mit seinem Auftritt auf einer CDU-Veranstaltung so knapp vor der Bundestagswahl der Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche?

Zur Diskussion in der K3-Kirche in Schwelm lädt die Junge Union des Ennepe-Ruhr-Kreises und aus Hagen ein und beginnt ihr Schreiben mit den Worten: „Der Bundestagswahlkampf ist in vollem Gange. Doch der 20. Jahrestag der Anschläge von 9/11 und die aktuelle Lage in Afghanistan bieten Anlass zur Diskussion.“ Für diese kommen die heimischen Bundestagskandidaten Hartmut Ziebs und Christian Nienhaus nach Schwelm – und eben Bild-Chef Reichelt. Den hat Nienhaus eingeladen, denn beide sind persönlich gut bekannt. Christian Nienhaus ist hochrangiger Manager bei Axel Springer SE, wozu auch die Bild-Zeitung gehört.

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Aus Sicht der Journalisten-Gewerkschaft DJV hat dies ein Geschmäckle. Landesgeschäftsführer Volkmar Kah reagiert auf die Berichterstattung dieser Zeitung: „Hierbei handelt es sich offensichtlich um eine Wahlkampfveranstaltung einer Partei, das wird ja schon durch die Besetzung des Podiums deutlich. Mit seinem Auftritt tut Reichelt weder sich noch der Bild-Zeitung einen Gefallen, tatsächlich schadet er damit dem Ansehen der gesamten Branche. In Zeiten, in denen wir alle gemeinsam gegen solch absurde Vorwürfe wie ,System-Medien’ und fehlende Unabhängigkeit kämpfen, ist das ein fatales Signal.“

Julian Reichelt selbst lässt den Pressesprecher der Bild-Zeitung, Christian Senft, auf die ausführlichen Anfragen der Redaktion einen Satz senden: „Herr Reichelt macht keinen Wahlkampf, er spricht als Journalist über Afghanistan.“ Christian Nienhaus hingegen antwortet am Telefon deutlich ausführlicher: „Julian ist ein Experte und ein sehr kritischer Gesprächspartner. Die Bild-Zeitung macht auch der CDU aktuell mächtig Druck und jeder kann sich sicher sein, dass er uns die Leviten lesen wird. Das wird alles andere als Lobhudelei.“ Natürlich beruhe der Besuch Reichelts auf der persönlichen Bekanntschaft, der Bild-Chef würde aber auch andere Einladungen zu solchen Diskussionsrunden annehmen.

Wer sich unter info@ju-en.de, oder zwischen 9 und 16 Uhr telefonisch unter 02324/902270 anmeldet, kann sich am Freitag ab 18 Uhr, wenn der Einlass beginnt, in Schwelm sein eigenes Bild der Veranstaltung machen oder den Live-Stream auf der Facebookseite der JU verfolgen.