Krankheit

Lipo-Lymphödem: Wiebke Bettermann kämpft gegen ihre Krankheit

Diana Metz (links) und Britta Birker vom Move Center in Ennepetal mit Wiebke Bettermann (Mitte).

Diana Metz (links) und Britta Birker vom Move Center in Ennepetal mit Wiebke Bettermann (Mitte).

Foto: Max Kölsch

Ennepetal.   Wiebke Bettermann leidet an einem Lipo-Lymphödem und wiegt zeitweise 240 Kilo. Im Ennepetaler Move Center startet sie in ein neues Leben.

55 Kilo in zwölf Monaten – mit viel harter Arbeit hat die 26-jährige Wiebke Bettermann im vergangenen Jahr von 200 auf 145 Kilogramm abgenommen. Für ihr Leben eine Wende um 180 Grad. Es gab Zeiten, da wog die 1,88 Meter große examinierte Altenpflegerin 240 Kilogramm.

Als Ärzte sie schließlich warnen, dass sie drohe, bettlägerig zu werden, zieht sie die Reißleine. Im Move Center in der Voerder Straße 31 findet die junge Frau aus Breckerfeld den Rückhalt für ihren täglichen Kampf gegen sich selbst. Dahinter steckt allerdings mehr als nur ein innerer Schweinehund.

Die Krankheit

Bettermann war schon als Kind übergewichtig, wurde während der Schulzeit immer wieder gemobbt. Seit einigen Jahren leidet sie nun unter einem Lipo-Lymphödem, einer Kombination aus Lipödem und Lymphödem. Ein Lipödem sorgt für eine Häufung von Fettgewebe an verschiedenen Körperstellen. Damit einher gehen Schwellungen durch Wasser-Einlagerung, was wiederum mit Schmerzen verbunden ist. Durch ein Lipödem kann auch das Lymphsystem des Körpers in Mitleidenschaft gezogen werden.

Dann entsteht zusätzlich ein Lymphödem. Bei Wiebke Bettermann kommt hinzu, dass sich die Krankheit nicht auf bestimmte Stellen konzentriert, sondern ihren ganzen Körper betrifft. „Es fühlt sich an wie 1000 Nadelstiche, alles ist taub“, so ihre Beschreibung. Auch in ihrer Koordination ist sie beeinträchtigt. Auslöser für diese Krankheit kann es verschiedene geben. Die 26-Jährige ist erblich vorbelastet. Ihre Mutter hat ebenfalls ein Lipo-Lymphödem.

Die Diagnose

Den Ausbruch ihrer Krankheit führt Bettermann auf ein Schockerlebnis 2013 zurück. Damals wiegt sie 150 Kilo und steckt in den Vorbereitungen auf ihr Examen als Altenpflegerin. Als sie mit dem Auto unterwegs ist, hat sie einen Unfall. „Mich hat ein frisierter Roller überholt, vor Schreck habe ich dann den Lenker rumgerissen“, erinnert sie sich. Dann sei sie vor eine Straßenlaterne gefahren.

Schwer verletzt gewesen sei sie damals nicht. „Ich wurde noch am selben Tag aus dem Krankenhaus entlassen“, sagt sie. Ein paar Monate später stellt sie fest, dass sie zunimmt – obwohl sie wegen ihres Übergewichts bereits regelmäßig zum Zumba und zum Schwimmen geht. Ein Arzt stellt schließlich zwei Diagnosen: Adipositas durch Überernährung – die kannte sie schon von anderen Ärzten – und Lipo-Lymphödem. „Ich war erstmal geschockt“, sagt Bettermann.

Ein Ärzte-Marathon beginnt. Kompressionstherapie durch spezielle Strumpfhosen und Lymphdrainage – beides begleitet sie seitdem. Eine Absaugung des krankhaften Fettes, dass durch Sport und Ernährung nicht abgebaut werden kann, lehnt sie bis heute ab. Die Risiken seien ihr zu hoch.

2017 dann der nächste Schock. Sie droht, ein Pflegefall zu werden. Ein Arzt warnt: „Wenn Sie jetzt nichts machen, erleben sie Ihren Geburtstag nicht mehr auf Ihren zwei Füßen.“ Bettermann ist fix und fertig. Die Therapie und der Sport, den sie neben ihrer ohnehin anstrengenden Arbeit als Altenpflegerin macht, scheinen nicht zu helfen. Ihre Waage zeigt 200 Kilogramm an.

Der Wendepunkt

Über eine Physiotherapeutin bekommt sie kurze Zeit später den Kontakt zum Move Center, das zu diesem Zeitpunkt gerade frisch nach Ennepetal gezogen ist. Das Team um die Inhaber Diana Metz, ihren Mann Thorsten Metz und Britta Birker bietet dort eine Kombination aus Bewegungs- und Ernährungskursen an. „Ich habe lange davorgestanden und bin nicht reingegangen“, gibt Bettermann zu.

Als sie sich doch traut, wird sie mit offenen Armen empfangen. „So einen Fall wie Wiebke hatten wir bisher noch nicht“, erzählt Diana Metz. Das Konzept des Move Centers scheint für die 26-Jährige aber gut aufzugehen. Es gelingt ihr, ihr Gewicht wieder zu reduzieren und die Schmerzen, die sie durch ihre Krankheit hat, zu lindern.

Der Alltag

Wiebke Bettermann fängt an, regelmäßig ins Move Center zu gehen. An fünf Tagen in der Woche ist sie dort, absolviert zum Teil mehrere Trainings an einem Tag. Und auch, wenn sie nicht dort ist, bindet sie Übungen in ihren Alltag ein. „Das fängt morgens nach dem Aufstehen im Badezimmer an“, sagt Bettermann und lacht. „Da mache ich schon Koordinationsübungen auf einem Bein beim Zähneputzen.“

Auch auf der Arbeit baut sie, wenn die Zeit es zulässt, mal kleine Übungen ein und bleibt hartnäckig dran. „Ich hab’ mir immer selber ‘nen Arschtritt gegeben“, betont sie. Ihre Eltern und das Move-Center-Team motivieren sie dabei kontinuierlich, weiterzumachen. Zwar gibt es zwischendurch immer wieder Momente, wo das Gewicht wieder mehr wird und sich Frust breit macht.

Davon lässt Wiebke Bettermann sich aber nicht unterkriegen. 2018 entschließt sie sich sogar, selbst Trainerin zu werden und lässt sich im Move Center ausbilden – bis sie letztlich Ende letzten Jahres die 145 Kilogramm erreicht.

Die Zukunft

Die 110-Kilo-Marke will sie noch knacken. Darüber hinaus will die Breckerfelderin ihre Erfahrungen künftig mit anderen Menschen teilen. „Ich habe gelernt, Grenzen zu setzen und ,Nein’ zu sagen. Meine Mitmenschen nehmen mich heute ganz anders wahr“, sagt sie. Dieses Gefühl möchte sie gerne weitergeben: „Niemals aufgeben, dranbleiben, auch in schwierigen Situationen.“

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