Sturmtief

Burglind hält Rettungskräfte auf Trab

Vor allem bei Tageslicht und auch nach dem Zerkleinern ist zu erkennen, wie groß die Linde war, die drohte, auf eine Reihe parkender Auto gegenüber des ehemaligen Realschulgebäudes in Ennepetal zu stürzen.

Vor allem bei Tageslicht und auch nach dem Zerkleinern ist zu erkennen, wie groß die Linde war, die drohte, auf eine Reihe parkender Auto gegenüber des ehemaligen Realschulgebäudes in Ennepetal zu stürzen.

Foto: Carmen Thomaschewski

Ennepetal/Schwelm/Gevelsberg.   Sturmtief sorgt im Südkreis für Einsätze im Minutentakt. Menschen werden zum Glück nicht verletzt

Das Sturmtief Burglind hat auch im Südkreis seine Spuren hinterlassen: Vor allem vollgelaufene Keller und umgestürzte Bäume beschäftigten die Einsatzkräfte. In Ennepetal hatte die Feuerwehr am meisten zu tun. Ein Baum auf dem Schulhof der ehemaligen Realschule drohte mitten in eine Reihe geparkter Autos zu stürzen. 15 Wehrleute waren zwei Stunden lang am Einsatz, sie und ein glücklicher Zufall verhinderten Schlimmeres.

Ennepetal

Dramatische Szenen spielten sich am Breslauer Platz ab. Die große Linde auf dem Schulhof konnte den Sturmböen nicht standhalten, kippte und wurde von einem anderen Baum gestoppt. Geistesgegenwärtig klingelte der Hausmeister der Schule die Anwohner aus ihren Betten, damit diese ihre Autos in Sicherheit bringen konnten. Ab 7.01 Uhr war die Feuerwehr mit 15 Einsatzkräften am Unglücksort, Gartenlandschaftbauer Stefan Voigt und seine Mitarbeiter halfen mit, den Baum zu bergen. Lange Zeit wankte die Linde, rutschte immer tiefer, ein Trecker entschärfte die Situation letztlich und zog den Stamm weg von der Straße. Ein Zaun musste dran glauben, Menschen blieben verschont. „Das war knapp und mit ganz viel Glück“, sagte Stefan Voigt, nachdem seine Leute beide Bäume in Stücke gesägt hatten. Dass die Linde im Inneren faul war, sei nicht zu sehen gewesen.

Vom Schulhof nicht zu erkennen, aber doch umfassend, war auch der Schaden am Gebäude der jetzigen Sekundarschule. Das Flachdach wurde zum größten Teil abgedeckt, beim Altbau lösten sich einzelne Dachpfannen und landeten in einem Fangnetz. Der Unterricht sei nicht gefährdet, erklärte Schulleiter Michael Münzer. Noch am selben Tag waren Dachdecker am Werk.

Die Ennepetaler Wehr hatte aber auch sonst alle Hände voll zu tun. Startschuss für den arbeitsreichen Morgen war um 5.12 Uhr. In der Strückerberger Straße war Wasser in einen Keller gelaufen. 5.54 Uhr mussten die Einsatzkräfte zur Leibnizstraße. Ein Baum war dort auf einen Pkw geknallt. Die Feuerwehrleute sägten den Stamm in handliche Stücke und befreiten das Fahrzeug. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Um 6.08 Uhr landete ein Baum auf der Fahrbahn der B 483. Eingreifen musste die Wehr jedoch nicht mehr. Als sie eintraf, hatte ein Bürger den Baum bereits von der Straße gezogen. Erheblich dickere und schwerere Brocken beschäftigten die Feuerwehr am Ackersiepen (9.35 Uhr) und an der Stettiner Straße (10.32 Uhr). Während die Wehrleute am Ackersiepen noch mit der Kettensäge klar kamen, musste an der Stettiner Straße der Betriebshof ran, um den Baum zu beseitigen, der den Gehweg blockierte. Bäume beschäftigten die Wehrleute auch bei den beiden letzen sturmbedingten Einsätzen. In Willringhausen (10.48 Uhr) und am Hundeplatz Meininghaus (11.29 Uhr).

Schwelm

In der Kreisstadt sorgte Sturmtief Burglind am Morgen für starke Verkehrsbehinderungen auf der früheren B 7. Die heftigen Böen hatten kurz nach 5.30 Uhr einen der provisorischen Lichtsignal-Masten an der Kreuzung Carl-vom-Hagen-Straße/Ruhrstraße erfasst und auf die Talstraße stürzen lassen. Der Masten lag im Kreuzungsbereich quer über der Fahrbahn und gefährdete den Verkehr in allen Fahrtrichtungen. Feuerwehr und Polizei wurden um 5.43 alarmiert und sicherten sofort die Gefahrenstelle ab. Fahrzeuge konnten während des Einsatzes die mehrspurige Kreuzung nur vereinzelt passieren. Es bildete sich ein Rückstau, der auf der Talstraße bis zur Hattinger Straße bzw. bis zur Blücherstraße reichte. Da die Ampelmasten mit Gewichten beschwert sind, mussten die hauptamtlichen Kräfte der Feuerwehr, die mit zwei Fahrzeugen von der Hauptwache ausrückten, die schweren Platten erst abmontieren, den Masten aufstellen und anschließend die Gewichte wieder anmontieren. Um 7.01 Uhr konnte die Kreuzung, die wegen der Lichtsignal-Modernisierung ohnehin Baustelle ist, wieder freigegeben werden.

Kaum war die Feuerwehr zur früheren B 7 ausgerückt, folgte um 5.53 Uhr die nächste sturmbedingte Alarmierung. An der Winterberger Straße war ein Baum umgestürzt und auf die Fahrbahn gefallen. Zwei Kräfte der Hauptwache rückten sofort mit einem Fahrzeug aus, sicherten die Gefahrenstelle und machten sich dann mit einer Motorsäge daran, den Baum in Stücke zu zersägen und von der Fahrbahn zu entfernen. Der Einsatz konnte nach 24 Minuten beendet werden.

Auch an der Bismarckstraße fiel ein Baum dem Sturmtief zum Opfer und stürzte auf die Fahrbahn. Die Feuerwehr wurde um 7.05 Uhr alarmiert und rückte sofort in Zweierbesetzung und mit einem Fahrzeug aus, um die Gefahrenstelle zu sichern und den Baum von der Fahrbahn zu entfernen. Auch hier war der Einsatz der Motorsäge nötig. Die hauptamtlichen Kräfte konnten die Bismarckstraße nach getaner Arbeit um 7.45 Uhr wieder verlassen.

Fünf Minuten vorher hieß es allerdings für die anderen Kollegen der Hauptwache: Raus zum nächsten Sturm-Einsatz. In der Tobienstraße hatte der plötzliche Starkregen einen Keller volllaufen lassen. Dank professioneller Technik waren die Räume zum Glück schnell leergepumpt. Die beiden Kräfte konnten mit ihrem Fahrzeug nach 20 Minuten wieder abrücken.

Gevelsberg

In Gevelsberg zählte der Einsatzleiter der Feuerwehr, Uwe Wolfsdorff, sieben Alarmierungen. Los ging es um 5.58 Uhr mit gemeldetem Wasser im Keller eines Wohnhauses an der Lichtenplatzstraße. Die Feuerwehr musste aber nicht tätig werden, die Anwohner konnten die leichte Überschwemmung selbst bewältigen. Um 6.20 Uhr hieß es „Baum auf Straße“ An der Maus. Den konnten die Einsatzkräfte ohne großen Aufwand von der Fahrbahn schaffen und mussten direkt weiter zum nächsten Einsatz. Um 6.30 Uhr wurde eine überschwemmte Fahrbahn gemeldet. In den Weiden konnten das Wasser nicht mehr ablaufen, weil die Gullys verstopft waren. Die Feuerwehrkameraden beseitigten Äste und Blätter vom Ablauf und reinigten die Sinkkästen. Kurze Zeit später war das Wasser verschwunden.

Geballte Muskelkraft war an der Feverstraße gefragt. Gegen 9 Uhr wurde ein Pkw-Anhänger vom Wind umgeweht. Nachdem dieser von mehreren Feuerwehrkameraden aufgerichtet war, landete um 9.30 Uhr schon der nächste Notruf in der Gevelsberger Einsatzzentrale. An der Straße am Sauerbruch lief ebenfalls Wasser in den Keller eines Wohnhauses, jedoch so viel, dass die Feuerwehr eine Tauchpumpe einsetzen musste. Um 10.18 Uhr wurde die Wehr zum letzten Einsatz am Sturmmorgen gerufen. An der Lerchenstraße blockierte um 10.18 Uhr ein Baum die Fahrbahn. Auch dieser wurde mit vereinten Kräften weggeräumt.

Insgesamt sieht Uwe Wolfsdorff den Sturmmorgen wenig aufgeregt. Alle Einsätze seinen von der hauptamtlichen Wehr bewältigt worden, Unterstützung durch die freiwillige Wehr sei nicht notwendig gewesen. Anders als in Ennepetal, wo der Löschzug 1 und Külchen die Berufsfeuerwehr unterstützen mussten.

Bahnverkehr

Teils erhebliche Verspätungen und Zugausfälle ereigneten sich beim Bahnverkehr. Abgerissene Äste auf den Oberleitungen, Signalstörungen, Streckensperrungen: Der Sturm wirkte sich vor allem bis zum späten Vormittag massiv aus. Der RE 4 fiel teilweise ganz aus, erheblich waren auch der RE 13 und die S 8 betroffen. Noch am Nachmittag gab es vereinzelt Ausfälle.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben