Wirtschaft

Chefvolkswirt Dr. Kater: Coronavirus schockt Wirtschaft

Bereits zum vierten Mal in Schwelm und immer wieder willkommen: Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka Bank Frankfurt, erklärt den Schwelmer die Mechanismen der Finanzmärkte.

Bereits zum vierten Mal in Schwelm und immer wieder willkommen: Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka Bank Frankfurt, erklärt den Schwelmer die Mechanismen der Finanzmärkte.

Foto: Bernd Richter / WP

Schwelm.  Deka-Chefvolkswirts Dr. Kater spricht in Schwelm über die Auswirkungen der geopolitische Neuordnung zwischen China und USA und das Corona-Virus.

Auch ein Chefvolkswirt kann sich irren. Solch ein Fachmann kennt sich zwar mit den Zusammenhängen von Weltwirtschaft und Politik aus, aber wenn‘s um Zukunftsdeutung geht, ist auch er nur ein Mensch. Das zeigt sich, wenn man sich den Vortrag von Dr. Ulrich Kater hervorholt, den das Aushängeschild der Deka-Bank fast genau vor zwei Jahren im Februar 2018 auf Einladung der Sparkasse Schwelm gehalten hat.

Damals sprach er von einer „sehr, sehr langsamen Zinswende“, prognostizierte für Juni 2019 eine erste Zinserhöhung durch die Notenbanken, rechnete für März 2020 mit einem ersten Zinsaufschlag für das Sparbuch um ¼ Prozent und sah den Sparbuchzins bis 2022 bei 1,5 bis 2 Prozent. Von diesen Positiv-Zinsen sind wir aktuell so weit entfernt wie vor zwei Jahren. Immer mehr Banken erheben sogar Negativ-Zinsen auf große Guthaben ihrer Kunden. Mit „Nullzinszeit“ war folgerichtig auch das achte Kapitalmarktforum der Sparkasse Schwelm überschrieben. Das interessierte Publikum in der Sparkasse am Bürgerplatz erlebte erneut einen kurzweiligen Vortrag von Dr. Kater. Für den Chefvolkswirt war es übrigens der vierte Besuch in Schwelm.

Zur Ehrenrettung von Dr. Kater sei aber auch seine Prognose hier erwähnt, die er beim Finanzmarktforum in Schwelm 2014, übrigens sein erster Besuch in der Kreisstadt, abgab: „Die Null-Zins-Politik wird so lange anhalten, bis die Probleme gelöst sind“, hatte der Chefvolkswirt damals orakelt und die Staatsschuldenkrise, Euro-Krise, Wirtschaftskrise als maßgebliche Gründe für die Null-Zins-Politik benannt. Und wer heute mit offenen Augen durch die Wirtschaftsteile der Zeitungen blättert, wird feststellen, dass sich an den Gründen bis heute nichts geändert hat, die Probleme bei weitem noch nicht gelöst sind.

Und gäbe es nicht schon Probleme genug auf der Welt, so hat sich dieser Tage auch noch das Corona-Virus von China aus auf den Weg um die Welt gemacht. „Das Virus schockt die Wirtschaft. Wir haben spannende Zeiten“, stellte Vorstandsvorsitzender Michael Lindermann in seinem Grußwort fest und übergab das Wort an Dr. Kater. „Bitte leise husten, es macht nervös“, gab der Chefvolkswirt die Stimmung an den Börsen wider. Der ehemalige Wirtschaftsweise prognostizierte in Zusammenhang mit Corona einem temporären Rückgang der Indizes um ca. fünf Prozent und sprach von der Gefahr, dass sich das Virus zu einer Pandemie ausweiten könne. Entscheidend sei, wie lange das Thema Corona die Welt beschäftige. „Jetzt werden immer mehr Meldungen kommen, von den Dingen, die beeinflusst werden. Wer hat jetzt noch Lust eine Kreuzfahrt zu machen?“, merkte Dr. Kater an, sprach von sechs Millionen iPhones, die Apple jetzt schon fehlten, und einem 30-prozentigen Rückgang der Energienachfrage in China in Folge von Produktionsausfällen. Der Blick in die Historie zeige aber auch, dass die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft „nach zwei bis drei Quartalen“ spätestens vorbei seien. „Wir erwarten einen sehr starken Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte.“

Alternative Geldanlagen sind rar

Für Dr. Kater sind es zwei Themen, die die Welt in den kommenden Jahren entscheiden prägen werden. Die geopolitische Neuordnung der Wirtschaftswelt: „USA und China sind zwei Rivalen, die ihre Claims aufteilen. Die Hochzeit der Globalisierung ist vorbei. Es sind zwei Konkurrenten, die sich gegenseitig das Schwarze unter den Nägeln nicht gönnen.“ Die Demografie: „Das Verhältnis zwischen Aktiven und Inaktiven in der Wirtschaftswelt hat Auswirkungen auf die Lebensarbeitszeit und das Rentenniveau.“ Kater vertraut Amerika: „Die USA sind das einzige Wirtschaftsland, das noch wächst“, sagt der Chefvolkswirt. Die Nachfrage in Europa schrumpfe, noch schlimmer sei China dran, das mit den Folgen der 1-Kind-Politik zu kämpfen habe.

Wegen all dieser Rahmenbedingungen setzt Dr. Kater auf die Fortsetzung der Kursrallye an den Börsen. „Grundsätzlich bleibt der Zins so, wie er jetzt ist“, prognostiziert der Chefvolkswirt, das die Negativzinsen auch für die kommenden zehn Jahre den Kapitalmarkt beherrschen würden. Die Deutschen haben ein Geldvermögen von über sechs Billionen Euro und Jahr für Jahr wollen weitere 150 Milliarden Euro angelegt werden. Da sind Alternativen für die Geldanlage rar.

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