Betreuung

Container-Kitas sind in Gevelsberg bald Geschichte

Aktuell steht am Ochsenkamp noch die Container-Kita. Zum Jahreswechsel 2020/2021 soll dort ein neues Gebäude stehen, in das die Kita St. Nikolaus einzieht.

Aktuell steht am Ochsenkamp noch die Container-Kita. Zum Jahreswechsel 2020/2021 soll dort ein neues Gebäude stehen, in das die Kita St. Nikolaus einzieht.

Foto: Stefan Scherer

Gevelsberg.   Gevelsbergs Kindergarten Nummer 15 nimmt im August seinen Betrieb zunächst in Containern am Vogelsang auf. Wettlauf der Eltern um Plätze.

Wer nicht genau aufpasst, verliert schnell den Überblick beim Bäumchen-wechsel-Dich der Kindertagesstätten. Rein in die Container, raus aus den Containern. Damit soll zum Jahreswechsel 2020/2021 endgültig Feierabend sein. Dann soll – zumindest laut aktuellem Zeitplan – die 15. und vorerst letzte Gevelsberger Kita gebaut sein und ihren Betrieb aufnehmen.

Die Theresia-Albers-Stiftung wird sie am Ochsenkamp auf dem Parkplatz zwischen Stadion und Sparkasse betreiben. Der Name freut vor allem Bürgermeister Claus Jacobi, benennt die katholische Stiftung den Kindergarten doch nach seinem Namenspatronen, St. Nikolaus. Die Tagesstätte wird ihren Betrieb allerdings bereits aufnehmen, bevor ihr Domizil gebaut ist. „Am 1. August starten wir am Vogelsang“, sagt Meinolf Roth, Direktor der Theresia-Albers-Stiftung. Dort geht es in Containern als Übergangsheim los, bis der Platz am Ochsenkamp frei wird. An dieser Stelle stehen aktuell auch noch Container, in denen die Kleinen der Kita der evangelischen Stiftung ­Volmarstein untergebracht sind, deren Immobilie aktuell an der Haßlinghauser Straße gebaut wird. „Wenn diese zum Jahreswechsel 2020 umgezogen sein wird, bauen wir die Container ab und werden mit den Arbeiten für den St.-Nikolaus-Neubau beginnen“, sagt Fachbereichsleiter Michael Pfleging. Als Investor wird die Pro Secur Vermögensberatung und Verwaltung, die sich um Geldanlagen von Ordensgemeinschaften kümmert, den Bau errichten, in dem die Theresia-Albers-Stiftung dann den Kindergarten betreiben wird. Wird die Einrichtung im Container viergruppig starten, soll es im festen Domizil fünfgruppig weitergehen.

Der Bedarf

Überall sprießen die Kindertagesstätten wie Pilze aus dem Boden. Zwar steigen die Geburtenzahlen seit einigen Jahren wieder und bewegen sich in Gevelsberg bei etwa 280 Kindern pro Jahr, doch sind sie damit noch nicht einmal auf dem Niveau, das sie hatten, bevor sie Mitte der 00er Jahre stark sanken. Dass trotzdem plötzlich so viel mehr Plätze benötigt werden als jemals zuvor, hat damit zu tun, dass Eltern seit dem Jahr 2013 einen Rechtsanspruch gegenüber den Kommunen auf einen Kindergartenplatz ab dem ersten Lebensjahr ihrer Sprösslinge haben. Nicht zuletzt weil weiterhin zunehmend beide Elternteile berufstätig sind, wird dieses Angebot immer besser angenommen. Laut des Gevelsberger Jugendamtsleiters Manuel Ashauer plant die Stadt Gevelsberg damit, dass 98 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen, 80 Prozent der Zwei- bis Dreijährigen, 40 Prozent der Ein- bis Zweijährigen und 15 Prozent der Untereinjährigen von ihren Eltern in die Kita geschickt werden.

„Für Ü3 wären wir locker auskömmlich, das Problem ist die Betreuung der Jüngeren. Hier sind kleinere Gruppengrößen vorgeschrieben“, sagt Ashauer. Die Gevelsberger forcieren daher, dass mehr Krippen in der Stadt entstehen. Denn: Wird der U3-Bereich weiter ausgebaut, hat dies zur Folge, dass viele Plätze im Ü3-Bereich frei bleiben.

Die Eltern

In Gevelsberg ist der Trend zwar noch nicht so stark wie in anderen Städten, aber auch hier stellt die Stadt immer wieder fest: „Eltern melden ihre Kinder viel früher in der Kita an, als dies notwendig ist. Es herrscht der Irrglaube, dass die Kinder sonst keinen Platz mehr bekommen“, sagt Bürgermeister Claus Jacobi. Michael Pfleging ergänzt: „Manche Kinder werden direkt aus dem Kreißsaal in der Kita angemeldet.“ Die Verantwortlichen bei der Stadt mahnen allerdings zur Gelassenheit. Jedes Kind bekomme ein Kita-Platz und müsse nicht früher als eigentlich von den Eltern gewollt in die Betreuung gegeben werden.

Eventuell sei dann zwar kein Platz in der nächst gelegenen Kita mehr frei, aber durch die enorme Dichte an Einrichtungen im Stadtgebiet liegen die Kindergärten nun ohnehin extrem eng beieinander. Für Bürgermeister Claus Jacobi liegen die Vorteile in Gevelsberg vor allem in den vielfältigen Trägerschaften der Kindergärten. „Die Eltern haben die Auswahl, ob sie eine konfessionelle, eine städtische Einrichtung oder eine der AWo präferieren.

Dabei ist auch in der bald öffnenden Kindertagesstätte Nummer 15 der Theresia-Albers Stiftung vollkommen egal, welchen religiösen Hintergrund die Kinder haben. „Wir sind zwar eine katholische Einrichtung, aber bei uns ist grundsätzlich jedes Kind willkommen“, sagt Meinolf Roth und weiter: „Wir haben andernorts eine Kita übernommen, in der war kein einziges deutsches Kind haben, geschweige denn ein katholisches. Wir freuen uns über jedes Kind und sind auch nicht missionarisch unterwegs.“ Aktuell überwiege ohnehin die Freude, dass alles unter Dach und Fach sei.

Der Ausblick

Bei Prognosen halten sich alle Beteiligten bedeckt. „Wir gehen davon aus, dass wir keine weiteren Kitas bauen müssen“, heißt es geschlossen von Seiten der Stadt, die nicht zuletzt deswegen auch Krippen- und Tagesmuttermodelle weiter forciert und bewirbt. Paradox sei die Situation, dass die Landesgesetzgebung mit dem Kinderbildungsgesetz die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern wollte. „Jetzt mutet es an, als sei man überrascht, dass das tatsächlich funktioniert hat. Aber es ist ja auch mal schön, wenn politische Pläne aufgehen“, sagt Jacobi.

Aus Sicht seines zuständigen Fachbereichsleiters Michael Pfleging ist das etwa zehn Jahre alte Gesetz „dringend reformbedürftig“. Denn alle Rechnungen der Stadt Gevelsberg zeigen unmissverständlich, dass jede weitere Kita unwirtschaftlich ist, wenn die Geburtenzahlen bleiben wie sie sind. Klarheit wird es in diesen Fragen aber ohnehin erst in einigen Jahren geben können, wenn die Kinder geboren sind.

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