Corona

Corona: Gevelsbergerin strandet in ihrer alten Heimat

Trotz Corona optimistisch: Lena Bauckhage lebt in Australien und ist wegen des Coronavirus’ in Gevelsberg gestrandet. Auf der Internetseite der australischen Botschaft informiert sie sich fortlaufend über die aktuellen Einreisebestimmungen.

Trotz Corona optimistisch: Lena Bauckhage lebt in Australien und ist wegen des Coronavirus’ in Gevelsberg gestrandet. Auf der Internetseite der australischen Botschaft informiert sie sich fortlaufend über die aktuellen Einreisebestimmungen.

Foto: Max Kölsch / WP

Gevelsberg.  Lena Bauckhage lebt in Australien und besucht ihre alte Heimat Gevelsberg. Ihr Aufenthalt verlängert sich durch Corona nun zum zweiten Mal.

Um die aktuelle Ausbreitung des Coronavirus’ zu verlangsamen, ergreifen Regierungen derzeit weltweit Maßnahmen. Das bedeutet zum Teil enorme Einschnitte in das Leben der Menschen. Existenzen stehen auf dem Spiel. Die momentane Lage stellte auch das Leben von Lena Bauckhage auf den Kopf. Die 36-Jährige lebt eigentlich in Australien. Jetzt ist sie auf unbestimmte Zeit in ihrer alten Heimat Gevelsberg gestrandet. Weil das Virus ihre Arbeit als selbstständige Physiotherapeutin unmöglich macht, kann sie kein Geld mehr verdienen. Trotzdem bleibt sie optimistisch und möchte auch anderen Menschen Mut machen.

Eigentlich wollte sie nur ihre Familie besuchen und ein wenig Urlaub machen. Deshalb war Lena Bauckhage Anfang November nach Gevelsberg gekommen. Sie plante, in Spanien auf dem Jakobsweg zu wandern und mit ihren Großeltern wegzufahren. Schon Anfang Dezember sollte es wieder zurück nach Melbourne in Australien gehen. Hier lebt sie seit mehr als zwölf Jahren. Aber es kam anders als gedacht.

„Meinem Großvater ging es vorher schon nicht gut“, sagt Bauckhage. „Als ich dann auf dem Jakobsweg war, wurde bei ihm Krebs diagnostiziert.“ Sie reiste wieder zurück nach Gevelsberg, um ihre Großmutter bei der Pflege ihres Mannes zu unterstützen. Er starb schließlich Mitte Januar. „Ich wollte dann die Beerdigung noch abwarten und schauen, dass meine Oma alleine klarkommt, bevor ich wieder zurückfliege“, sagt die 36-Jährige.

Auch um sich selbst auf andere Gedanken zu bringen, fuhr sie mit einem Freund ein paar Tage in den Urlaub. Ins ungarische Budapest sollte es gehen. Für ihre Rückreise nach Australien rechnete Bauckhage nun mit Mitte März. Während des Urlaubs wurde das Thema Corona plötzlich immer präsenter. „Unsere Familien haben uns zwischendurch davor gewarnt, an bestimmte Orte zu gehen“, erinnert sie sich. Als sie zurück nach Deutschland kamen, gab es schon kaum noch andere Themen als das Coronavirus.

Rückreise unter Auflagen

Lena Bauckhage fing an, sich Gedanken um ihren Rückflug zu machen. Sie recherchierte im Internet, suchte mehrere Flüge heraus. „Die, die noch bezahlbar waren, hätten alle ein bis zwei Stopps in Asien oder im Mittleren Osten bedeutet“, sagt sie. Klar könnte sie trotzdem zurückfliegen. Aber: „Wer aus dem Ausland jetzt nach Australien einreisen will, ist dazu angehalten, sich 14 Tage in Quarantäne zu begeben“, erklärt Bauckhage. Außerdem möchte sie sich nicht während eines Fluges mit dem Coronavirus infizieren, auch aus Verantwortung anderen gegenüber.

Mittlerweile seien viele Flüge ohnehin gestrichen oder mit dem Hinweis versehen worden, dass sie noch gestrichen werden könnten. Also bleibt die 36-Jährige bis auf Weiteres erst einmal in Deutschland.

Um ihre Finanzen hat Lena Bauckhage sich über die Monate in Deutschland bisher keine Gedanken gemacht. Als selbstständige Physiotherapeutin besucht sie in Australien normalerweise Büros, um Mitarbeiter dort zu massieren. und ihnen beizubringen, wie sie sich am besten fit halten können. Im vergangenen Jahr hat sie begonnen, andere ebenfalls selbstständige Kollegen als Subunternehmer zu beauftragen. Bauckhage konnte die Aufträge von Deutschland aus einholen und an ihre Partner in Australien weitervermitteln. Dafür bekam sie Geld.

Mittlerweile sind die Menschen aber auch in Australien vorsichtig geworden. Um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden, sitzen sie nicht mehr in ihren Büros, sondern halten sich zuhause auf. Und auch dort will sich im Moment keiner mehr massieren lassen. Bauckhages Auftragslage brach komplett ein. Die Folge: Kein Einkommen mehr.

Einsatz bei Nachbarschaftshilfe

„Ich lebe jetzt von meinen Rücklagen“, sagt Bauckhage. „Wohnen kann ich bei meiner Familie oder bei Freunden.“ In ihrem WG-Zimmer in Melbourne lebt aktuell ein Untermieter aus Frankreich. Auch er tut sich schwer mit der Rückreise. Miete muss sie also gerade keine zahlen.

Die Zeit, die sie jetzt ohne ihre Arbeit in Deutschland verbringt, will sie nutzen, um anderen Menschen in der aktuellen Situation zu helfen. So hat sie sich der Nachbarschaftshilfe angeschlossen, die die Freie Evangelische Gemeinde Gevelsberg gegründet hat (wir berichteten). Sie will damit auch anderen Menschen Mut machen, sich von den Einschränkungen und der Angst vor Corona nicht unterkriegen zu lassen. „Ich finde es wichtig, dass man gerade jetzt in dieser Zeit Ruhe bewahrt, nach Lösungen sucht und ein gewisses Gemeinschaftsgefühl entwickelt“, macht sie deutlich.

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