Finanzen

Corona: Hilfe der Sparkassen Schwelm, Gevelsberg, Ennepetal

Die Sparkassenhauptstelle in Gevelsberg mit dem angegliederten Ennepe-Finanz-Center. Kunden dürfen hier nur noch einzeln eintreten.

Die Sparkassenhauptstelle in Gevelsberg mit dem angegliederten Ennepe-Finanz-Center. Kunden dürfen hier nur noch einzeln eintreten.

Foto: Hans Blossey / WP

Schwelm/Gevelsberg/Ennepetal.  Viele Unternehmer und Selbstständige haben bereits erhebliche Liquiditätsprobleme durch die Corona-Krise. Vorstände sprechen über Notfallpläne.

Erste Unternehmer sind massiv von der Pleite bedroht. In einigen Branchen steht der Betrieb, die Auftragsbücher sind leer. Arbeitsplätze sind in Gefahr, die Existenzen ganzer Familien bedroht. „Bei uns stehen die Telefone nicht still“, sagt Thomas Biermann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Gevelsberg-Wetter. Gemeinsam mit den Sparkassen-Vorstandsvorsitzenden Michael Lindermann aus Schwelm und Bodo Bongen für Ennepetal und Breckerfeld hat er einen Fragenkatalog zur Corona-Krise beantwortet.

1. Wie sind die Sparkassen von der Corona-Krise betroffen?
In vielfältiger Wiese. „Im Rahmen der seit Jahren aufsichtsrechtlich erforderlichen Notfallplanungen sind wir jedoch bestmöglich gerüstet“, betonne die drei Vorstände.

2. Was sehen diese Notfallplanungen vor?
Gerade erst wurden die Sparkassen nach neuen Leitlinien der Landesregierung vom 15. März als Organisation der Kritischen Infrastrukturen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen eingestuft. Hierdurch wird deutlich, dass es als Anstalten des Öffentlichen Rechtes gerade in Krisenzeiten ihre wesentliche Aufgabe ist, die Bargeldversorgung der Bevölkerung, die Durchführung des Zahlungsverkehrs sowie die Kreditversorgung der heimischen Wirtschaft sicherzustellen.

3. Was bedeutet dies konkret vor Ort?
„Wir haben zahlreiche Maßnahmen veranlasst, um unsere Beschäftigten und Kunden vor einer Ansteckung zu schützen“, heißt es. Dies sind erhöhte Hygieneanforderungen, vergrößerte Sicherheitsabstände, Schutzscheiben oder die Einzelbedienung. Darüber hinaus hat jedes Haus sichergestellt, dass bei Infizierungen der Grundbetrieb aufrechterhalten werden kann. Dies wird erreicht über räumliche Aufteilung von Abteilungen auf verschiedene Standorte, einen Ausbau von Home-Office-Plätzen und Back-Up-Lösungen. „Wir haben als benachbarte Sparkassen bereits seit dem Jahr 2015 genau für solche Krisenfälle eine Vereinbarung zur gegenseitigen Unterstützung geschlossen“, betonen die drei Verantwortlichen. Diese Vereinbarung umfasst technische, räumliche und bei Bedarf personelle Unterstützung.

4. Gibt es dabei ein besonderes Augenmerk?
Sparkassen sind vor allem dafür verantwortlich, die Bargeldversorgung, den Zahlungsverkehr und die Kreditversorgung aufrecht zu halten. Entsprechend sehen Pläne vor, dass es bei größeren personellen Ausfällen zu Service-Reduzierungen oder vorübergehenden Schließungen von Geschäftsstellen kommen kann. Die Bargeldversorgung vor Ort wird über Geldautomaten sichergestellt, so verfügt die Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld über zwölf, die Sparkasse Gevelsberg-Wetter über 22 und die Sparkasse Schwelm über 13 Geldautomaten im Geschäftsgebiet. Für den Zahlungsverkehr haben die Sparkassen zudem Backup-Lösungen mit externen Dienstleistern vereinbart, die selbst bei einem fast vollständigen Personalausfall in der Sparkasse die Funktionalität des Zahlungsverkehrs gewährleisten.

5. Wie groß sind die Einschränkungen im Betrieb?
„In Anbetracht des bisherigen Verlaufs der Pandemie müssen wir davon ausgehen, dass sich in naher Zukunft personelle und organisatorische Engpässe nicht vermeiden lassen. Wir treffen dazu täglich Entscheidungen“, sagen die Sparkassenchefs. Aktuell haben die Sparkasse Gevelsberg-Wetter und die Sparkasse Ennepetal Breckerfed bis auf Weiteres die Service- und Beratungsbereiche aller Filialen geschlossen. Die SB-Bereiche stehen weiter zur Verfügung. Die Hauptstellen in Gevelsberg und Wetter und Ennepetal sind unverändert geöffnet, der Zutritt zu den Servicebereichen ist allerdings auf jeweils eine Person beschränkt. In Schwelm gibt es ohnehin nur noch die Hauptstelle, hier wird eine Tür als Ein- und eine als Ausgang genutzt. Die Mitarbeiter achten auf den Sicherheitsabstand, der auf dem Boden markiert ist. Droht dieser nicht mehr gewährleistet zu sein, werden die Türen geschlossen.

6. Viele Unternehmen spüren Auswirkungen der Krise. Wie können Sie helfen?
„Wir stehen unseren Kunden als Hausbanken zur Seite. Wir sind bestrebt, schnell und unkompliziert zu helfen“, lautet der Plan. „Unternehmenskunden mit einem gesunden Geschäftsmodell werden nicht im Stich gelassen.“

7. Wie sieht diese Hilfe konkret aus?
Neben der Möglichkeit von Tilgungsstundungen sowie der Ausweitung der Kontokorrentlinien sind in erster Linie die Hilfsprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der NRW Bank zu nennen. Die Umsetzung der Programme wird vorbereitet.

8. Was genau ist das Ziel dieser Programme?
Das klare Ziel ist die kurzfristige Versorgungen der Unternehmen mit Liquidität, um aktuelle krisenbedingte Engpässe überbrücken zu können. Wichtig ist dabei, dass die Antragstellung jeweils über die Hausbank ab sofort erfolgen können.

9. Wer ist antragsberechtigt?


Grundsätzlich können alle Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler einen Antrag zur Unterstützung aus den Hilfsprogrammen stellen, deren Geschäftsmodelle vor Ausbruch der Krise wirtschaftlich tragfähig waren (Stichtag 28. Februar 2020). Die Obergrenze für eine Antragsberechtigung ist ein Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro.

10. W as sind die Unterstützungsleistungen?
Für Unternehmen, die länger als fünf Jahre am Markt sind, können bis zu 200 Millionen Euro Betriebsmittelkredite bereitgestellt werden. Bei diesen verpflichtet sich die Förderbank gegenüber der Sparkasse zur anteiligen Risikoübernahme von bis zu 80 Prozent.

11. Gibt es auch Hilfen für jüngere Unternehmen?
Ja, beispielsweise der ERP-Gründerkredit-Universell der KfW bietet jungen Unternehmen Betriebsmittelkredite in großzügiger Höhe.

12. Was sollte ich als Unternehmer, Selbstständiger oder Freiberufler bei Bedarf tun?
Nehmen Sie telefonisch Kontakt zu ihrem Kundenberater auf und stimmen die Modalitäten ab.

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