Pandemie

Corona: So sieht Unterricht an unseren Schulen wirklich aus

Unterricht im Klassenraum, hier in einer Grundschule. Heimische Schulleiter berichten, wie das Lernen an ihrer Schule abläuft.

Unterricht im Klassenraum, hier in einer Grundschule. Heimische Schulleiter berichten, wie das Lernen an ihrer Schule abläuft.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Schwelm/Gevelsberg/Ennepetal.  Präsenz-, Distanz- oder Hybridunterricht? Wie werden Schüler in Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal tatsächlich unterrichtet? Wir haben nachgefragt.

Lernen in Corona-Zeiten, aber wie? Die NRW-Landesregierung hält am Unterricht im Klassenzimmer fest, doch immer mehr Städte und auch die Lehrergewerkschaft wollen Klassenteilungen und abwechselndes Lernen von Zuhause und im Klassenraum. Was aber wollen die Schulen? Was ist möglich und wo sind die Grenzen? Heimische Schulleiter sprechen über Präsenzunterricht, Distanzunterricht und Hybridunterricht.

Schwelm: Präsenzunterricht lässt viel Spielraum

Es geht nichts über Präsenzunterricht. Das ist das kurze Fazit aus drei Gesprächen mit zwei Grundschulen und dem Gymnasium in Schwelm, die diese Redaktion geführt hat. Doch die Ausgestaltung des Präsenzunterrichts lässt viel Spielraum, so ein weiteres Fazit. Die Grundschule Engelbert hat bereits vor Monaten ihr Modell für den Unterricht entwickelt. „Wir machen in Präsenzunterricht, von Angesicht zu Angesicht“, sagt Schulleiter Mathias Wagener. Schon vor den Herbstferien, als es an der Engelbertschule die ersten Corona-Fälle gab und die Schule deshalb teilweise zu war, habe man einen komplett neuen Stundenplan geschrieben. „Der Klassenlehrer bzw. die Klassenlehrerin übernehmen den kompletten Unterricht in ihrer Klasse, decken die komplette Stundentafel einschließlich des Fachunterrichts ab. Das hat den Vorteil, dass es keine Durchmischung gibt.“ Auch die komplette Betreuung bis 14.30 Uhr werde so geregelt.

„Für Grundschulkinder und ihre Lehrkräfte ist Präsenzunterricht sicherlich auch die beste Form des Lernens, denn der persönliche Kontakt und direkte Austausch miteinander sind für das Wohlbefinden und die Entwicklung der Kinder immens wichtig“, sagt Stefan Peschel, Rektor der Katholischen Grundschule St. Marien in Schwelm. Deswegen versuche man auch, den Schulalltag so normal, wie es geht, zu gestalten. „Ab der kommenden Woche werden wir aufgrund der Situation den Präsenzunterricht und die 8-bis-13-Uhr- und Ganztagsbetreuung so umgestalten, dass noch weniger Lehrerwechsel nötig sind, die Anzahl der Kontakte und somit die Infektionsgefahr weiter eingeschränkt werden“, zeichnet der Pädagoge den kommenden Weg in Zeiten der Pandemie vor. Die Schule sei im engen Austausch mit Schulpflegschaft, Schulaufsicht, Ganztags- und Schulträger und sehr froh und dankbar, dass man insbesondere aus der Elternschaft sehr große Zustimmung, Unterstützung und auch Lob erhalte.

„Wir machen im Moment alles“, sagt Katharina Vogt, die Direktorin des Märkischen Gymnasiums Schwelm. Eine ganze Jahrgangsstufe sei zurzeit komplett weg und werde digital unterrichtet. Wenn aus einer Klasse beispielsweise zehn Schüler weg seien, würden die sich von außen in den Unterricht einschalten , also die hybride Form. „Und wir haben auch Lehrkräfte, die in Quarantäne oder schwanger sind und nicht kommen dürfen, die sich von außen zuschalten. „Dann sind die Schüler zwar alle hier, aber die Lehrkraft, die den Unterricht gestaltet, ist nur digital anwesend.

Gevelsberg: Hybridunterricht an Grundschule

Heike Feldmann von der Gemeinschaftsgrundschule Pestalozzi hat auch eine klare Meinung. Für sie fällt die Wahl auf Hybrid-Unterricht. „Weil wir sehr große Klassen haben und es schwierig ist, den Abstand einzuhalten. Und da die Vorgabe ist, Unterricht ohne Masken abzuhalten, wäre das Risiko geringer, wenn wir halbe Klassen hätten und so ausreichend Abstand eingehalten werden kann“, so Feldmann. „Vor allem die sich ständig verändernden Vorgaben stellen uns vor Schwierigkeiten bei der Umsetzung.“ Auch für die Eltern sei das nicht nachvollziehbar. Bei der Schule würden dann viele Fragen ankommen, die nicht beantwortet werden können, weil sie vor allem die Vorgaben des Gesundheitsamtes betreffen. Auch die beiden vorgezogenen Ferientage würden Schule und Eltern vor Probleme stellen. Wie sollen die Eltern die Betreuung sicherstellen, fragt die Schulleiterin. Und wenn an der Schule eine Notbetreuung eingerichtet werden müsste, werde es ebenfalls problematisch. An der Schule gebe es eine hohe Zahl an Mitarbeitern, die zur Risikogruppe gehörten und nicht arbeiten dürften. Die Personalsituation sei knapp.

Für Gabriele Streckert, Leiterin des Gymnasiums Gevelsberg, ist die Erteilung von Präsenzunterricht für jede Lehrkraft und für jeden Schüler absolut erstrebenswert. „Sobald das Gesundheitsamt jedoch eine andere Anweisung gibt, weil eine konkrete Gefahr für die Gesundheit besteht, wechseln wir in den Distanzunterricht“, so Streckert. „Je nach konkretem Fall sind das einzelne Schüler, einzelne Lehrkräfte oder ganze Klassen beziehungsweise Stufen.“ Für einen kompletten Distanzunterricht sieht das Gymnasium sich aber sehr gut aufgestellt. „Eine synchrone Zuschaltung einzelner in Quarantäne befindlicher Schüler ist bei uns technisch momentan noch nicht durchgängig möglich“, sagt Schulleiterin Streckert. „Die Schüler werden jedoch phasenweise zeitgleich unterrichtet.“ Die Zuschaltung der Lehrkräfte aus der Distanz funktioniere gut.

Ennepetal: Gut vorbereitet auf Distanzunterricht

„Momentan können wir den Präsenzunterricht gut umsetzen, weil wir keine großen Einschränkungen durch Quarantänefälle haben – weder bei den Schülern noch bei den Lehrern“, meint Dr. Stefan Krüger, Direktor des Reichenbach-Gymnasiums Ennepetal (RGE). Aus Lehrersicht sei ihm Präsenzunterricht ohnehin am liebsten. Andererseits stelle er sich die Frage, ob ein zweiwöchiger weitgehender Lockdown nicht doch das Beste sei, um die Infektionszahlen zu senken. Das liefe auf Distanzunterricht hinaus, auf den man gut vorbereitet sei. Eine Mischform sei prinzipiell machbar, aber vor allem dann schwierig umzusetzen, wenn man viele Kollegen in Quarantäne habe.

Und am RGE sei die Netzwerkkapazität nicht ausreichend. „Wir können vielleicht drei bis fünf Streams zeitgleich raushauen. Das ist bei einer Schule unserer Größe ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Krüger.

„Wir präferieren Präsenzunterricht“, sagt auch Nicole Vilgis, Leiterin der Grundschule Wassermaus. „Der kann bisher durchgehend stattfinden.“ Für den Distanzunterricht sei man aber gut vorbereitet, über die eingerichtete Lernplattform seien fast alle zu erreichen. Bis alle mit Tablets zur Ausleihe ausgestattet seien – was voraussichtlich wohl erst im Januar 2021 der Fall sein werde –, gebe es weiterhin parallel Lernpakete in analoger Form, so Vilgis. Hybridunterricht gebe es aktuell in kleinem Umfang. „Mit zwei Schüler, die sich derzeit in Quarantäne befinden, haben jetzt die ersten Videokonferenzen stattgefunden.“

Die Voraussetzungen seien insofern gegeben. Allerdings betont Nicole Vilgis auch, dass die Bandbreiten der Datenverbindungen für Hybridunterricht in größerem Umfang längst noch nicht ausreichend sind.

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