Brauerei

Das Bier soll in die Schwelmer Brauerei zurückkehren

Der Traum lebt, dass bald wieder Bier auf dem Brauerei-Gelände fließt: Das Kesselhaus ist bereits eingerüstet. Hier soll eine Gastronomie einziehen. Laut Bürgermeisterin Gabriele Grollmann haben „zahlreiche namhafte Brauereien Interesse an dem Projekt“.

Foto: Hartmut Breyer

Der Traum lebt, dass bald wieder Bier auf dem Brauerei-Gelände fließt: Das Kesselhaus ist bereits eingerüstet. Hier soll eine Gastronomie einziehen. Laut Bürgermeisterin Gabriele Grollmann haben „zahlreiche namhafte Brauereien Interesse an dem Projekt“. Foto: Hartmut Breyer

Schwelm.   Mit der Bebauung der Brauereibrache wird die Schwelmer Innenstadt ihr Gesicht grundlegend ändern. So sehen die aktuellen Pläne aus.

Langsam nehmen die Pläne für die Zentralisierung der Schwelmer Stadtverwaltung konkrete Formen an (wir berichteten). Wenn im besten Fall im Jahr 2021 das Leuchtturmprojekt auf der Brauereibrache bezogen ist, wird sich das Gesicht der Innenstadt grundlegend ändern. Die Verwaltung hat dabei so viele Einflussmöglichkeiten wie niemals zuvor und will sich diese auch nicht aus den Händen nehmen lassen.

Stadt als Vermieterin

Durch den Kauf des Komplettensembles wird die Stadt Schwelm auch als Vermieterin für Geschäftsflächen auftreten – zum einen in dem Gebäude, das nun gebaut wird, zum anderen aber auch für die Flächen in den zu renovierenden historischen Gebäuden. Ein Verkauf der Altbebauung steht nicht zur Diskussion. „Wir haben das Heft des Handelns in der Hand und die große Chance, die Innenstadtentwicklung selbst nach vorn zu bringen“, sagt Schwelms Beigeordneter Ralf Schweinsberg – beispielsweise bei den Mietpreisen, weil die Stadt nicht in erster Linie eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgen müsse.

Als Ankermieter für den Neubau steht ein großer Drogeriemarkt zur Debatte, denn in der Stadt Schwelm ist diese Branche als unterrepräsentiert analysiert worden.

Historische Gebäude

Mittlerweile ist gesichert, dass sowohl das Patrizierhaus als auch das Kesselhaus zu erhalten sind und als prägende Elemente für das Stadtbild erhalten bleiben sollen. Wie die Gebäude einmal exakt genutzt werden sollen, dazu halten sich Bürgermeisterin Gabriele Grollmann und Ralf Schweinsberg noch zurück. „Wenn der Raumplan steht, wissen wir, inwieweit städtische Einrichtungen in den beiden Gebäuden untergebracht werden müssen“, sagt Gabriele Grollmann.

Ideen und Vorschläge aus der Bürgerschaft gibt es zahlreiche – zum Beispiel das Standesamt im Patrizierhaus, immerhin eines der ältesten Gebäude der gesamten Stadt, anzusiedeln. Ebenso machen sich die Schwelmer stark dafür, dass auf dem ehemaligen Brauereigelände wieder Bier fließt. Eine großzügige Außengastronomie ist weiterhin angedacht. Ebenso könnten sich auch die Zapfhähne im Gärkeller wieder öffnen. „Viele sind auf mich zugetreten und wünschen sich die Rathausschenke zurück“, sagt Gabriele Grollmann, die sich diesbezüglich in Sondierungsgesprächen befindet. „Zahlreiche namhafte Brauereien haben Interesse an dem Projekt“, teilt die Bürgermeisterin mit.

Umfeld

Mit dem Brauereiumbau soll zusammenhängend auch mit dem neuen Eigentümer des Schwelm-Centers geplant werden, der wohl noch in diesem Jahr mit seinen Plänen an die Öffentlichkeit tritt. Mit der Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts wird der nächste große Schritt getan. Parallel soll die Attraktivität der Altstadt gesteigert werden. Außerdem steht eine Neugestaltung der Fußgängerzone auf dem Plan der Stadtspitze. Nicht zuletzt durch das Fassaden-Kreditprogramm, das die Stadt gemeinsam mit der Sparkasse ins Leben gerufen hat (wir berichteten), sollen die Immobilienbesitzer in der Innenstadt dazu bewogen werden, ihre Gebäude zu verschönern. „Mit diesen vielen einzelnen Bausteinen bin ich überzeugt, dass wir eine wunderschöne ,Neue Mitte’ bekommen werden“, sagt die Bürgermeisterin.

Parken

Durch Verwaltungsmitarbeiter, Publikums- und Kundenverkehr wird der Parkraumbedarf in der Innenstadt deutlich steigen. Euro-Concept musste laut Bauantrag 95 Parkplätze nachweisen für ihre Pläne ohne Rathaus. „Es wird kein Palettenparkdeck auf dem Wilhelmsplatz geben“, sagt Ralf Schweinsberg. Natürlich würden für die Stadt die gleichen Regeln gelten wie für alle anderen. Wenn klar sei, wie viele Parkplätze benötigt werden, müsse man schauen, wie die Tiefgaragenlösung aussieht und wie viele zusätzliche Parkplätze durch eine Strukturierung des Wilhelmsplatzes erzeugt werden können. Auch eine Einbeziehung des Grünstreifens in Richtung Römerstraße steht weiterhin zur Debatte.

Alte Verwaltungsgebäude

Ralf Schweinsberg bringt das Bestreben der Stadt auf den Punkt: „Wir betreiben nur noch lebenserhaltende Maßnahmen zur Betriebsbereitschaft und Sicherheit.“ Nachdem viel Geld in die Barrierefreiheit und den Brandschutz der aktuell genutzten Verwaltungsgebäude fließen musste, steht aktuell auch von der Gesetzgeberseite nichts auf dem Programm, das die Stadt zu Investitionen zwingt.

Die drei Bauten an der Haupt- und an der Moltkestraße werden mit höchster Wahrscheinlichkeit nach dem Umzug anderweitig genutzt werden. Die Stadtspitze ist zuversichtlich, die Gebäude problemlos veräußern zu können. „Wir hatten bislang schon zwei bis drei lockere Anfragen von Kaufinteressenten“, sagt Gabriele Grollmann. Dabei seien die Grundstücke alle attraktiv gelegen, aber vor allem das Gebäude an der Moltkestraße mit Aufzug über alle Etagen biete Möglichkeiten, dies später noch anderweitig zu nutzen.

INFO:

Die Stadt Schwelm hat die Brauereibrache inklusive der Gebäude für knapp fünf Millionen Euro von der Firma Euro Concept gekauft.

Dazu kam eine knappe weitere Millionen Euro, für Nebenkosten wie Grunderwerbssteuer, Notar und so weiter. Beides ist bereits bezahlt.

Zusätzlich sollen maximal 30 Millionen Euro in den reinen Bau des Rathauses inklusive der Einzelhandelsflächen fließen. Diese Obergrenze hat der Rat der Stadt Schwelm gesetzt.

Dazu kommen die Kosten für die Renovierung und Neugestaltung von Patrizier- und Kesselhaus.

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