Prozess

Drogen in der Wohnung – Mann benutzt seine Katze als Ausrede

„Wir rochen schon im Hausflur diesen unverkennbaren Geruch“, erzählte eine Polizeibeamtin im Zeugenstand. Unter anderem Marihuana lag beim Angeklagten herum.

„Wir rochen schon im Hausflur diesen unverkennbaren Geruch“, erzählte eine Polizeibeamtin im Zeugenstand. Unter anderem Marihuana lag beim Angeklagten herum.

Foto: REUTERS

Schwelm.  Durch Zufall hat die Polizei Drogen in der Wohnung eines Schwelmers entdeckt. Mann wollte Beamte nicht in Wohnung lassen – wegen seiner Katze.

Diesen Vorwand haben selbst alteingesessene Polizeibeamte noch nicht gehört: Seine Katze sei schwer herzkrank. Deshalb wollte ein Schwelmer die Polizei nicht in seine Wohnung lassen.

Dass der 53-Jährige die Gesetzeshüter nicht gern in der Wohnung haben wollte, lag aber wohl nicht an dem kranken Tier sondern vielmehr an den Drogen, die in seiner Küche herumlagen.

Vor Gericht: Schwelmer hält Plädoyer für freiem Drogenbesitz

Auf der Anklagebank stellte sich der Schwelmer als streitbarer Genosse heraus. Aus zahnlosem Mund nuschelte er ein leidenschaftliches Plädoyer für freien Drogenbesitz und Drogenkonsum und räumte nebenher auch ein, Marihuana und ein bisschen Amphetamin gehabt zu haben. „Das bisschen Marihuana... Ich verlange eine Gesetzesänderung!“, lispelte er. „Da müssen Sie sich an die Legislative wenden. Hier sind Sie bei der Judikativen gelandet. Denn Drogenbesitz ist strafbar“, wies die Richterin am Schwelmer Amtsgericht den Angeklagten zurecht und ließ sich gar nicht eine derartige Diskussion mit dem Schwelmer ein.

Seit geraumer Zeit hatte der Mann für sich ein angenehmes Leben mit Drogen etabliert. Es lag immer ein guter Vorrat in seinen vier Wänden an Amphetamin und Marihuana bereit. Er konsumierte in seiner kleinen Wohnung unbehelligt von Nachbarn und der Polizei. Und die Drogen waren es am Ende auch nicht, die die Polizei auf seine Fährte brachten. Denn: Am 23. Januar rief jemand die Polizei, weil er aus der Wohnung des Angeklagten ständiges Stühle- oder Möbelrücken vernommen hatte. Aus gutem Willen und Angst, in der Wohnung könne jemandem etwas passieren, ließ der Anrufer schließlich – unbewusst – das bis dato entspannte Drogenleben des 53-jährigen Angeklagten auffliegen.

Herzfehler seiner Katze als Ausrede

„Wir rochen schon im Hausflur diesen unverkennbaren Geruch“, erzählte eine Polizeibeamtin im Zeugenstand. „Als er uns aufmachte, kam uns gleich ein Schwall davon entgegen.“ Die Polizisten brauchten gar nicht nach der Quelle des penetranten Geruchs zu suchen. Auf dem Küchentisch lagen fast 23 Gramm Marihuana und noch ein kleines Tütchen mit Amphetamin.

Vor Gericht ärgerte sich der Schwelmer nun über das Eindringen der Polizei in seine Wohnung, obwohl er sie an jenem Abend selbst hereingelassen hatte. Das bestritt er jetzt: „Meine Katze hat einen schweren Herzfehler. Deshalb bat ich die Polizisten, nicht in die Wohnung zu gehen. Und außerdem: Da hat’s nicht nach Marihuana gerochen. Ich habe immer aufgepasst, dass davon nichts an die Öffentlichkeit gelangte.“, empörte er sich. „Wenn es um Ruhestörung geht, dann geht es doch wohl nur darum. Und dann rennt diese Frau einfach durch die Küche“, nuschelte er beleidigt. Die 35-jährige Beamtin versicherte glaubhaft: „Der Angeklagte hat uns selbst eingelassen. Wir mussten dafür auch nicht lange mit ihm diskutieren.“

„Drogen sollten endlich legalisiert werden"

Sein so genanntes letztes Wort, das jedem Angeklagten zusteht, nutzte der Schwelmer, um noch einmal seine Gesinnung kundzutun und mümmelte: „Drogen sollten endlich legalisiert werden. Ich wünsche mir von Ihnen, Frau Richterin, dass Sie eine demokratische Einstellung zum Angeklagten haben.“

Das erneute Plädoyer für die Legalisierung beeindruckte die Judikative allerdings erneut nicht. Der bisher nicht vorbestrafte Mann bekam wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln eine Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 15 Euro (675 Euro).

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