Ennepetal.

Ein Leuchtturm für die Heilenbecke

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Hier soll die Heilenbecke bald wieder zu sehen sein. Momentan fließt der Fluss eng eingezwängt und verborgen unmittelbar an der Firma A. W. Schumacher entlang, stellenweise sogar unter dem Betrieb. Bald soll der Fluss sich seinen Weg über die Wiesenfläche daneben suchen.

Hier soll die Heilenbecke bald wieder zu sehen sein. Momentan fließt der Fluss eng eingezwängt und verborgen unmittelbar an der Firma A. W. Schumacher entlang, stellenweise sogar unter dem Betrieb. Bald soll der Fluss sich seinen Weg über die Wiesenfläche daneben suchen.

Foto: Hartmut Breyer

Ennepetal.   Der Fluss, der seit Jahrzehnten unter der Firma A.W. Schumacher geführt wird, soll in die dahinter liegende Auenfläche verlegt werden.

Die Firma A.W. Schumacher und die Stadt Ennepetal wollen in einem gemeinsamen Projekt für eine ökologische Verbesserung der Heilenbecke sorgen. Dazu soll der Fluss, der seit Jahrzehnten unter dem Betrieb hindurch geführt wird, in die dahinter liegende Auenfläche verlegt werden. Die beiden Wehre ober- und unterhalb der Firma sollen zurückgebaut werden.

Mit der Maßnahme in dem etwa 300 Meter langen Abschnitt strebt die Stadt eine ökologische Verbesserung für die Heilenbecke an. Auch dem Hochwasserschutz werde damit gedient. „Heute ist die Heilenbecke sehr eng eingezwängt“, erklärt Björn Mayr vom Fachbereich Bürgerdienste und Stadtentwicklung. 1873 hatte Wilhelm Schumacher an der Heilenbecke ein Hammerwerk gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte das Unternehmen die Produktion auf Gussteile umgestellt. Die Wasserkraftnutzung ist längst Geschichte.

Umgehungsgerinne wird gelegt

Daher soll nun ein „Umgehungsgerinne“ gelegt werden, das heißt, dass die Heilenbecke am oberen Wehr abzweigt auf die Wiesenfläche und nach dem unteren Wehr wieder in ihr jetziges Bett zurückgeführt wird. Durch die Laufstreckenverlängerung wird die Fließgeschwindigkeit reduziert. Außerdem wird ein eher flaches Flussbett geschaffen, so dass der Fluss leichter ausufern kann. Letztlich soll sich das Wasser selbst seinen Weg durch die Auenfläche suchen.

A.W. Schumacher hatte bereits seit einigen Jahren Pläne für eine Verlegung der Heilenbecke um das Gebäude herum in der Schublade. „Wir wollten eine Halle anbauen“, erklärt Geschäftsführerin Anna Luisa Schumacher, die inzwischen in der fünften Generation das Unternehmen mit leitet. Diese Pläne sind zwar momentan nicht akut, doch als die Stadt Anfang April die Anlieger der Heilenbecke darüber informierte, dass man im Bereich der Heilenbecke im Hinblick auf eine bessere Durchlässigkeit und die Schaffung von Retentionsräumen tätig werden müsse, ergriff das Unternehmen die Gelegenheit zur Zusammenarbeit. Grundsätzlich bestehe der Handlungsbedarf, so Anna Luisa Schumacher, „warum dann nicht jetzt?“ Das habe sich gut ergeben.

Vorgesehen ist nun, dass die Stadt das obere Wehr umbaut und eine ökologische Verbesserung schafft. A.W. Schumacher übernimmt das untere Wehr. Mit dem Eigentümer des Teichs am Grimmelsberg müsse es noch Abstimmungsgespräche geben, erklärte Björn Mayr gegenüber dieser Zeitung. Das Gewässer speist sich aus dem unteren Wehr und soll möglichst erhalten bleiben. Mayr sieht in der gemeinsamen Umsetzung des Vorhabens ein Modell für zukünftige Gewässerprojekte.

Bei den Mitgliedern des Umweltausschusses, denen Mayr die geplante Maßnahme vorgestellt hatte, erntete er Wohlwollen. Seine Fraktion halte dieses „Leuchtturmprojekt“ für außerordentlich begrüßenswert, sagte Theo Bicking (SPD). Es handele sich um eine „Win-Win-Situation“. Ulrich Röhder (Bündnis 90/Die Grünen) sah es ebenfalls als positiv an, „dass die Heilenbecke an die Luft kommt“. Für die CDU-Fraktion äußerte Angelika Bremicker Zustimmung.

Arbeiten sollen 2018 beginnen

Fachbereichsleiter Stephan Langhard betonte, dass in Gesprächen mit den Anliegern die Angst deutlich geworden sei, dass hohe Kosten auf sie zukommen könnten. Das Projekt ist nach Darstellung der Verwaltung dazu geeignet, als Modellprojekt aufzuzeigen, „wie in öffentlich-privater Kooperation sinnvolle Gewässerprojekte umgesetzt werden können“. Die Bezirksregierung Arnsberg als Fördergeldgeber und der EN-Kreis als zuständige Genehmigungsbehörde hätten nach Auskunft der Verwaltung die Planung und Finanzierung der Maßnahme bereits „positiv bestätigt“, eine Durchführung in Bauherrschaft der Stadt werde begrüßt.

Über die Kosten wollten sich weder die Stadt noch das Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt konkret äußern. Im günstigsten Fall könnte im Frühjahr des kommenden Jahres mit den Arbeiten begonnen werden. 2019 soll die Maßnahme abgeschlossen sein.

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