Umwelt

Ein Wald in Schwelm wie aus dem Bilderbuch

Der Stadtteil Linderhausen mit Blickrichtung Autobahnkreuz 46, 43 und 1.

Der Stadtteil Linderhausen mit Blickrichtung Autobahnkreuz 46, 43 und 1.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Schwelm.  In Schwelm-Linderhausen könnte neue Gewerbefläche entstehen. Dort gibt es aber einen erhaltenswerten Wald, sagt die Biologische Station EN.

Ein Wald wie aus dem Bilderbuch, in sattem Grün und verwunschen aussehend, strahlte von der Leinwand im Sitzungssaal des Kreishauses in Schwelm die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt, Bauen und Geoinformation an. Der Blick der Ausschussmitglieder auf das verheißungsvolle Foto könnte ein Blick in die Zukunft gewesen sein. Die heißt: Bruchwald.

Die Leiterin der in Ennepetal beheimateten Biologischen Station, Dr. Britta Kunz, hatte zuvor Untersuchungsergebnisse aus dem Forstgebiet Gangelshausen - Hellmanns Bruch gegeben. Dort, ganz in der Nähe des Autobahnkreuzes (Wuppertal-Nord), ist im Besitz des Ennepe-Ruhr-Kreises eine Fläche mit teilweise sumpfigem Untergrund und einer Vegetation, die wohl im Kreisgebiet als einmalig bezeichnet werden könne.

Der dortige Wald, so Dr. Kunz in ihrem Vortrag, habe eine hohe vielfältige Struktur, dazu zählten Biotopbäume, die wiederum Lebensraum für andere Lebewesen geben, Erlen, Pfeifengras und Torfmoose. Auch die Moorbirke sei dort zu finden. Auch wurden, wie Britta Kunz berichtete, dort 31 verschiedene Vogelarten erfasst, davon 21 Brutvogelarten und vier auf der „Roten Liste“ stehende Vögel. Gesichtet worden seien dort auch Feuersalamander und Fledermäuse.

Keine vergleichbare Fläche im Kreis

Fazit der Wissenschaftlerin: „Die Fläche hat ein hohes Potenzial zur Bruchwald-Entwicklung und es gibt nichts Vergleichbares im Ennepe-Ruhr-Kreis.“ „Einst“, so sagte Dr. Britta Kunz in einem Gespräch mit dieser Zeitung, „gab es dort einen Bruchwald. Die bei unseren Untersuchungen vorgefundenen typischen Vegetationsreste sprechen dafür. Auch der Name Hellmannsbruch für dieses Gebiet ist bezeichnend.“

Warum es den Bruchwald nicht mehr in seiner ursprünglichen Schönheit gäbe, liege an der forstlichen Nutzung. Es seien Entwässerungsgräben gezogen worden. Um irgendwann den oben beschriebenen Wald mit sattem Grün und verwunschen aussehend wieder an dieser Stelle in Gangelshausen-Hellmannsbruch bestaunen zu können, müssten die Voraussetzungen für einen Bruchwald wieder vorhanden sein: eine permanente Feuchtigkeit. Das bedeute, die Entwässerungsgräben wieder zu beseitigen.

Der amtierende Ausschussvorsitzende Ulrich Oberste-Padtberg (CDU) kommentierte: „Es ist beeindruckend, was wir gesehen und gehört haben.“

Nach dem vom Rat der Stadt Schwelm am 14.2.2019 gebilligten Entwurf, sollen künftig im Raum Linderhausen und dem Gebiet Gangelshausen eine Fläche von etwa 150 ha als gemeindlicher Kooperationsraum für den Suchraum von Gewerbeflächen ausgewiesen werden. Dieses Gebiet liegt seit Jahrzehnten in einem regionalen Grünzug, der bisher durch rechtskräftige Gebietsentwicklungspläne und zuletzt durch den Landesentwicklungsplan 2017/2018 rechtlich als solcher abgesichert war. Die vorgesehene Planung widerspricht den Interessen vieler Bürger von Linderhausen und Gangelshausen. Sie haben deshalb eine Online-Petition ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die Natur, die ansässigen Agrarbetriebe und den lebenswerten Wohnraum zu schützen.

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