Schiedsmann

Einsatz für ein bisschen mehr Frieden in Ennepetal

Für zweite Amtszeit wiedergewählt: Markus Erdhütter ist Schiedsmann für den Bezirk I (Voerde/Altenvoerde).

Foto: Hartmut Breyer

Für zweite Amtszeit wiedergewählt: Markus Erdhütter ist Schiedsmann für den Bezirk I (Voerde/Altenvoerde). Foto: Hartmut Breyer

Ennepetal.   Markus Erdhütter ist Schiedsmann in Ennepetal. Nun wurde der 49-Jährige für eine zweite Amtszeit gewählt, um Streithähne wieder zu versöhnen.

„Das Ziel ist es, einen Kompromiss hinzubekommen, einen Vergleich zwischen den Parteien zu schließen“, erklärt Markus Erdhütter. „Aber manchmal ist es auch schon ein Erfolg, wenn zwei, die sich zerstritten haben, wenigstens mal wieder miteinander reden“. Seit fünf Jahren ist der 49-Jährige als Schiedsmann in Ennepetal tätig. Gerade wurde er vom Rat der Stadt für eine weitere fünfjährige Amtszeit gewählt. „Es macht Spaß“, sagt er über seine ehrenamtliche Arbeit. „Und es ist spannend, auch einmal andere Facetten von Menschen kennenzulernen.“

Vor allem mit nachbarschaftsrechtlichen Auseinandersetzungen beschäftigt sich Markus Erdhütter. Eine Wurzel, die sich über die Grundstücksgrenze ausbreitet, ein zu großer Baum, ein nicht gepflegtes Gebüsch – das sind Beispiele für Themen, über die Menschen in Streit geraten können. Und dann geht es manchmal so weit, dass eine neutrale Stelle zur Schlichtung gefragt ist. Weil bei Nachbarschaftsstreitigkeiten vor dem Gang zum Gericht zunächst eine Schiedsperson angerufen werden muss, darf sich Markus Erdhütter mit den Kontrahenten zusammensetzen. Zuständig ist er in Ennepetal für den Bezirk I, Voerde/Altenvoerde. Zudem ist er Stellvertreter für den Bezirk II, Rüggeberg.

Streitigkeiten unter Nachbarn

Neben Nachbarschaftsstreitigkeiten könne es auch um Themen wie Verleumdung oder Beleidigung gehen. „Da sitzen dann meistens Anwälte mit am Tisch“, sagt Markus Erdhütter. Er selbst habe aber neben den Nachbarschaftsstreitigkeiten nur noch eine mietrechtliche Auseinandersetzung bearbeitet. Im Schnitt verhandele er fünf Fälle im Jahr. „Der Aufwand hält sich in Grenzen“, sagt er. Der finanzielle Ertrag auch, denn neben einer jährlichen Pauschale in Höhe von 425,10 Euro gibt es 25 Euro pro Fall, wenn ein Vergleich geschlossen wurde. Davon geht die Hälfte an die Stadt. 10 Euro gibt es, wenn die Parteien ohne Ergebnis auseinander gehen. Hinzu kommt eine Kostenerstattung für Kopien und Porto. „Portogebühren spare ich aber immer, weil ich in meinem Bezirk herum fahre und die Vorladungen selbst abgebe“, erzählt er. In der Regel führe er mit dem Antragsteller und dem Antragsgegner vor dem Schiedstermin ein Vorgespräch, um die Positionen schon einmal auszuloten.

In 60 Prozent der Verfahren gelingt es Markus Erdhütter, mit den Parteien einen Vergleich zu schließen. „Man hat mir gesagt, dass das eine relativ hohe Quote ist“, berichtet er. Ein vor der Schiedsperson geschlossener Vergleich ist rechtsverbindlich. Das bedeutet, dass es bei einem Verstoß direkt zum Gericht gehen kann. Es kämen allerdings auch Antragsteller zu ihm, die den Schiedstermin nur haben wollten, um eine Nichterfolgsbescheinigung zu bekommen und damit dann zum Gericht gehen zu können. „Manchmal möchte ein Antragsteller seinem Gegner nur einen ,pinnen’“, meint Markus Erdhütter. „Da macht es dann besonders Spaß, wenn man trotzdem einen Vergleich schließt.“

Die Idee, sich als Schiedsmann zu bewerben, hatte Markus Erdhütter, nachdem er durch einen Verletzung seine sportliche Aktivität – er war Basketballer – einschränken musste. „Ich wollte mich ehrenamtlich engagieren“, erzählt er. Zwei Tätigkeiten kamen in Frage: Schöffe oder das Schiedsmann. Am Ende hatte das Schöffenamt einen gravierenden Nachteil: „Ich hätte möglicherweise vor Gericht Menschen wiedergesehen, mit denen ich beruflich zu tun hatte.“ Damals war er bei der Stadt unter anderem in der sozialpädagogischen Familienhilfe tätig. Also informierte er sich über das Schiedsamt und bewarb sich. „Damals gab es vier oder fünf Kandidaten. Wir haben uns im Hauptausschuss vorgestellt, und ich wurde dann gewählt.“ Das war 2013.

In Voerde aufgewachsen

Seine Vorbildung spielte dabei möglicherweise eine entscheidende Rolle. Markus Erdhütter, der in Voerde aufwuchs und am Reichenbach-Gymnasium sein Abitur machte, absolvierte zunächst ein wirtschaftswissenschaftliches Grundstudium, bevor er eine andere Richtung einschlug. Er absolvierte ein Sozialpädagogik-Studium in Düsseldorf und arbeitete – auch schon während des Studiums – 17 Jahre lang in der Evangelischen Stiftung Loher Nocken. Weiterbildungen zum systemischen Familientherapeuten und Supervisor kamen hinzu. Nach vier Jahren in der sozialpädagogischen Familienhilfe in Wuppertal ging es 2011 zur Stadt Ennepetal. Nicht zuletzt war er mehrere Jahre lang Schulsozialarbeiter am Gymnasium, bevor seine Stelle vor einem Jahr wegen der städtischen Sparmaßnahmen gestrichen wurde. Inzwischen ist er beim Pflegekinderdienst sowie in der Adoptionsvermittlung im Einsatz und kümmert sich um die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge.

„Meine Ausbildung hilft“, meint der Schiedsmann. Wichtig sei es, als Schiedsperson eine neutrale Position einzunehmen, die Gegner anzuhören und dann gemeinsam einen Kompromiss zu suchen. Dabei müsse man nicht unbedingt das Recht genau kennen, sondern vor allem vermitteln können. „Ich spreche nicht Recht“, betont Markus Erdhütter. Vielmehr gehe es darum, eine Streitigkeit zu befrieden. Da passe die Bezeichnung, die es für diese Aufgabe in anderen Bundesländern gebe: Friedensrichter.

INFOBOX

Die Schlichtungsverfahren
vor Schiedsleuten werden sowohl in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten als auch in Strafsachen
(wie zum Beispiel Hausfriedensbruch oder Beleidigung) durchgeführt.

Zuständig ist jeweils die Schiedsperson, in deren Bezirk der Antragsgegner wohnt.

In Ennepetal gibt es insgesamt vier Schiedsbezirke: Voerde/Altenvoerde (Bezirk I), Rüggeberg (II), Milspe (III) und Milspe-Randbezirk (IV).


Nähere Infos zu Schiedsamtsangelegenheiten und Kontaktdaten gibt es auf der Homepage der Stadt: www.ennepetal.de

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik