Kultur

Ekel Alfred stürmt das Haus Ennepetal

Eine der wohl bekanntesten Szenen der kompletten Fernsehsendung. Alfred (rechts) erklärt seinem Schwiegersohn Michael das Familienrezept für den perfekten Punsch: „Da gehört nur Rum rein, Das ist das Geheimnis.“ Fotos:Andreas Winkelsträter

Eine der wohl bekanntesten Szenen der kompletten Fernsehsendung. Alfred (rechts) erklärt seinem Schwiegersohn Michael das Familienrezept für den perfekten Punsch: „Da gehört nur Rum rein, Das ist das Geheimnis.“ Fotos:Andreas Winkelsträter

Ennepetal.   Zum Abschied aus der Klutertstadt inszeniert das Leo-Theater die Kultserie „Ein Herz und eine Seele“ im Haus Ennepetal.

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Tschüss Leo, das habt ihr noch einmal gut gemacht, sehr gut sogar! Am Wochenende gab es die letzten regulären Aufführungen des Leo Theaters im Haus Ennepetal. Zukünftig wird im Schwelmer Ibach-Haus gespielt und gelacht. Am Freitag kam es in Ennepetal noch einmal zu einer Premiere vor mehr als 240 Besuchern.

Weil sie dem Ensemble von „Herz und eine Seele“ – ja, die Stücke mit Ekel Alfred Tetzlaff – danken wollten, gab es stürmischen Beifall, sie erhoben sich von den Plätzen und wollten das Team um den Künstlerischen Leiter und das „Ekel Alfred“, Marc Neumeister, gar nicht von der Bühne lassen.

Am Samstagnachmittag kam es noch mal zur Aufführung, und wieder waren die Besucher wie aus dem Häuschen. Zwei Episoden aus der umfangreichen Fernsehserie aus der Feder des unvergesslichen Stückeschreibers und Autors Wolfgang Menge gingen über die Rampe: „Sittenstrolch“ und „Silvesterpunsch“.

Die 70er Jahren erstehen auf

Menge hatte seinerzeit die Befindlichkeiten des deutschen Volks, speziell der sogenannten Kleinbürger, beobachtet und mit viel Humor auf den Satire-Thron gehievt. Die Leo Theater-Regie, Marc Neumeister und zum ersten Mal als Co-Regisseurin im Einsatz Carola Schmidt, hielt sich weitgehend an das Original, was ja durchaus noch nicht aus den Köpfen der Besucher zu sein scheint.

Die Schauspieler schafften es, die Sprache zu imitieren (Slangmischung aus Berlin und Ruhrpott), die Gesten und Bewegungen, ja, die 1970er Jahre waren auferstanden: Alfred Tetzlaff (Marc Neumeister), der Spießer, Frauenverächter und voller Hass auf Sozialdemokraten, Else Tetzlaff (Anke Windgassen) in der Kittelschürze steckend, politisch unbedarft, aber eine gewisse Herzlichkeit ausstrahlend, dennoch ihrem Alfred manchmal anhimmelnd untertänigst, Tochter Rita (Carola Schmidt) und Alfreds Schwiegersohn Michael (André Bornhöft) waren schon von der 68er-Bewegung infiziert. Da musste es im Hause Tetzlaff einfach krachen, von der „dusseligen Kuh“ über „alberne Gans“ bis hin zur „langhaarigen bolschewistischen Hyäne“, sein ganzes Bildzeitungs-Wissen ließ Alfred auftrumpfen.

Es gab Szenen, die man so schnell nicht vergisst. Ein Polizist (Frank Paßmann) verhört am Küchentisch das Familienoberhaupt mit zweideutigen Fragen. Gesucht wurde nämlich ein Exhibitionist und die Personenbeschreibung passte, wie sollte es auch sonst sein, auf Alfred. Der musste schließlich widerwillig zugeben, im Park uriniert zu haben.

Die unvergessene Frau Suhrbier

In der Episode „Silvesterpunsch“ hantierte Alfred im Unterhemd steckend in der Küche, um den Punsch herzustellen. Das viele Probieren hatte seine Wirkung. Statt der Silvesteransprache des Bundeskanzlers zu lauschen, gab es am Wohnzimmertisch derbe Sprüche und auch zotige Gags. Eine wunderschöne Szene folgte. Else hatte ihre Kittelschürze abgelegt und stand im Abendkleid vor dem schon betrunken im Sessel hockenden Alfred. Sie forderte ihn zum Tango auf. Und – es gab ihn zu sehen. Ein Tango zu zweit im Wohnzimmer unter dem Weihnachtsbaum, es schien so, dass das kleinbürgerliche Ehepaar Tetzlaff für wenige Minuten trunken vor Glück war.

Nicht zu vergessen ist Ruth Suhrbier, dargestellt von Stefanie Bornhöft. Ruth ist die Nichte von Frau Suhrbier, die, wenn ihr Name fiel, bei Alfred für einen cholerischen Anfall sorgte. Mit Sozialdemokraten wie Frau Suhrbier und Jungsozialisten wie Ruth will Alfred beileibe nichts zu tun haben. Dafür singt er lieber die Nationalhymne, auch wenn er allein ist, im Stehen, „wie sich das gehört“.

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