Bio-Kolumne

EN-Kreis: Überlebenswichtige Maßnahmen für Tiere im Herbst

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Britta Kunz in der Bio-Kolumne.

Britta Kunz in der Bio-Kolumne.

Foto: privat

Ennepe-Ruhr.  Britta Kunz erklärt in der Bio-Kolumne, wie die Tiere im EN-Kreis den Herbst erleben, was wichtig und was besonders gefährlich ist.

Mit dem Herbst kam der langersehnte Regen. Einen ersten Vorgeschmack auf die Herbststürme haben wir auch schon erhalten. Kennen Sie den Ausspruch: „die Ruhe vor dem Sturm“? Wenn man vor einem Gewitter oder Sturm in der Natur unterwegs ist, trifft das wortwörtlich zu. Es wird ganz still. Kein Vogelgezwitscher ist mehr zu hören. Viele Tiere haben eine sehr feine Wahrnehmung für bevorstehende Wetterumschwünge. Besonders für kleine Tiere kann es überlebenswichtig sein, sich schon vor einem Unwetter an einem sicheren Ort zu verstecken.

Eichhörnchen und Siebenschläfer verbringen „stürmische Zeiten“ gerne in Baumhöhlen. Füchse, Dachse, einige Mausarten und andere Tiere, die Bodenhöhlen bewohnen, verstecken sich in ihren Bauen. Igel suchen Schutz unter Sträuchern, Totholz oder Reisighaufen. Rehe zieht es in schützende Waldbereiche oder Gebüschsäume. Daher sieht man sie nach einem Regen, wenn sie wieder aus der Deckung herauskommen, häufig am Waldrand grasen.

Wildschweine sind etwas härter im Nehmen und trotzen Regen und Wind länger als viele andere Wildtiere. Vielleicht kommt daher auch der Ausdruck „Sauwetter“.

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Vögel ziehen sich in möglichst dichtes und windgeschütztes Geäst zurück. Höhlenbrüter wie Kohlmeisen haben es vergleichsweise einfach, sie kennen meist ihre Bruthöhlen oder Nistkästen und können diese als Zufluchtsort nutzen.

Manche Vögel, wie Hausspatzen oder Dohlen, suchen bei Unwetter auch mal an Gebäuden Unterschlupf. Man sieht sie dann in Efeu an einer Hauswand einfliegen oder gedrängt in Gebäudenischen sitzen.

Während des Vogelzugs kann Unwetter für Vögel zum Problem werden, vor allem bei starkem Gegenwind. Dann muss der Vogelzug eventuell unterbrochen werden. Manchmal kommen Vögel durch starke Winde auch weit vom eigentlichen Zugweg ab. Solche „Irrgäste“ sorgen für einige Aufregung unter den Vogelbeobachtern, weil dann plötzlich eine Vogel-Art in einem Gebiet gesichtet wird, in dem sie sonst nicht vorkommt.

Unsere Fledermäuse übertagen in geschützten Quartieren, nachts gehen sie von Frühjahr bis Spätherbst auf Insektenfang. Wenn es dann aber nachts stürmt und regnet, verlassen vor allem kleine Fledermaus-Arten ihre Quartiere nicht. Zielgerichtetes Fliegen und die Nahrungssuche ist für diese, oft nur wenige Gramm „schweren“, Leichtgewichte, bei Starkwind kaum oder nur schwer möglich. Und viele Kleinsttiere, die auf dem „Fledermaus-Speiseplan“ stehen, verstecken sich dann ohnehin.

Mehrere Nächte im Frühjahr und Sommer ohne Futter können aber, insbesondere für säugende Fledermaus-Weibchen und ihre Jungtiere, zum Problem werden. Sie benötigen besonders viel Nahrungsenergie. Und im Herbst müssen sich die hier überwinternden Fledermäuse ausreichende Reserven für den Winterschlaf anfuttern können.

Apropos „Fledermaus-Futter“: Insekten und Spinnen kann ein starker Wind wegwehen, Regen kann sie fortspülen. Es ist leicht vorstellbar, dass ein dicker Regentropfen, der ungebremst auf ein kleines Insekt trifft, diesem einigen Schaden zufügen kann. Bei Regen findet man diese Tiere daher oft auf den Blattunterseiten, die Blätter sozusagen als Regen- und Schutzschirme nutzend. Sie suchen aber auch Schutz unter hervorstehender Rinde, in Spalten am Boden, in Felsen oder Hauswänden.

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Eine Ausnahme bilden die etwas wetterfesteren Hummeln. Auch stärkerer Wind wirft Hummeln nicht so schnell aus der Flugbahn. Starre Flügel erzeugen Auftrieb, indem die Luft schneller über die gewölbte Oberseite strömt als darunter hindurch. Sie sind relativ windanfällig. Nicht so Hummelflügel. Sie erzeugen durch ihr Schlagen kleine Wirbel, die für Auftrieb sorgen und durch Wind weitgehend unbeeinflusst bleiben. Kein Wunder also, dass die Technikwissenschaften den Hummelflug erforschen. Man hofft, durch die Erkenntnisse stabilere Fluggeräte entwickeln zu können.

Werden Tiere doch vom Wind verweht, muss das nicht immer von Nachteil sein. Vorausgesetzt natürlich, sie überleben die turbulente Reise. Durch das Verdriften können neue Lebensräume erschlossen werden, die diese Tiere sonst nicht oder nicht so schnell „erobert“ hätten. Viele Pflanzenarten sind sogar auf die Ausbreitung ihrer Nachkommen an andere Standorte durch den Wind spezialisiert, denken sie nur an die geflügelten Samen des Ahorns oder an die „Pusteblume“, den Löwenzahn.

Vielleicht haben Sie ja Spaß daran, sich die Herbstwinde um die Nase wehen zu lassen. Ansonsten aber wünsche ich Ihnen nicht allzu stürmische Zeiten!
Ihre Britta Kunz

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