Projekt

Ennepetal bekommt einen Steinzeit-Wald

Stefan Voigt auf seinem Grund oberhalb der Heimstraße. Dort möchte er einen Wald mit Baumbestand wie zur Jungsteinzeit anlegen. Er will damit auch zeigen, dass es keine exotischen Pflanzen braucht, um den Herausforderungen des Klimawandels gewachsen zu sein.

Stefan Voigt auf seinem Grund oberhalb der Heimstraße. Dort möchte er einen Wald mit Baumbestand wie zur Jungsteinzeit anlegen. Er will damit auch zeigen, dass es keine exotischen Pflanzen braucht, um den Herausforderungen des Klimawandels gewachsen zu sein.

Foto: Andreas Gruber

Ennepetal.  Höhlenforscher Stefan Voigt hat ein neues Projekt: Sein Steinzeitwald, den er plant, ist auch eine Reaktion auf die aktuelle Klimaschutzdebatte.

Kein Tag, an dem es nicht heißt: Rettet den Wald“. Politiker reden davon, Klimaschützer fordern es ein, Menschen gehen dafür freitags auf die Straßen. Die Brände im Amazonas-Gebiet haben das Thema zuletzt noch einmal kräftig befeuert. Dabei ist die Erkenntnis, wie wichtig der Schutz des Waldes für die Menschheit ist, doch Jahrzehnte alt. Höhlenforscher und Naturschützer Stefan Voigt will da nicht länger tatenlos zusehen. Er sagt: „Nicht labern, sondern tun“ und geht mit gutem Beispiel voran. Der Garten- und Landschaftsbauer will in Ennepetal einen Wald für die Zukunft anlegen – und hat sich die Blaupause dafür aus der Steinzeit besorgt.

Nach der letzten Eiszeit

Darauf muss man erstmal kommen. Alle reden davon, welche klimatischen Veränderungen nötig sind, damit der heimische Wald überlebt, während Stefan Voigt genau umgekehrt an die Sache ran geht. „Ich interessiere mich ja für Geschichte“, beginnt er mit seinen Ausführungen, wie alles begann. „Und von daher wusste ich, dass es nach der letzten Eiszeit, so vor ungefähr 10.000 Jahren, schon mal eine Periode der Erwärmung gab.“ Das Klima habe sich damals um drei Grad erwärmt und es habe wie heute eine zunehmende Trockenheit gegeben. Er habe sich also gefragt, erzählt Voigt weiter, welche Bäume es damals gab, die mit solchen Bedingungen klar kamen. Die müssten dem heutigen Klima denn ja auch gewachsen sein, so seine Theorie.

Ein Bekannter habe ihn auf die Idee gebracht, sich an den Geologischen Dienst NRW zu wenden. Die Einrichtung mit Sitz in Krefeld verfügt über ein bodenkundliches Archiv mit Proben aus mehr als 20.000 Erdbohrungen. „Ich hatte dort angefragt und sie konnten mir tatsächlich weiterhelfen“, erzählt Stefan Voigt. In Erdschichten aus der Jungsteinzeit fanden die Experten noch Spuren von Pollen, die Antwort auf die Frage gaben, welche Bäume damals überhaupt wuchsen. „Das Ergebnis hatte mich total überrascht“, berichtet Stefan Voigt.

Heute dominieren Buchen

Es waren keine Buchen, die bei uns heute alles dominieren, sagt der Naturschützer, der selbst damit gerechnet hatte. Die Pollen aus dem Neolithikum stammten vielmehr von Eichen-Hainbuchen-Wäldern, von Linden und Ulmen und der Haselnuss. Später kamen noch Ahorn und Esche dazu. „Unsere Eiche, die wir hier heute kennen, war damals auch schon da. Aber auch die Pflaumeneiche“, berichtet Stefan Voigt. Letztere wandere gerade wieder von Bayern über die Rheinschiene nach Norden.

Warum also Neues ausprobieren und zu exotischen Pflanzenarten greifen, die woanders auf der Welt bei höheren Temperaturen und mehr Trockenheit gedeihen? Warum nicht einfach auf die heimischen Bäume zurückgreifen, die damals schon mit den klimatisch ähnlichen Bedingungen klar kamen? Für Stefan Voigt war schnell klar: „Ich probiere das jetzt aus.“ Die Idee eines jungsteinzeitlichen Waldes war geboren. Nun will er sein Vorhaben in die Tat umsetzen. Ausgeguckt dafür hat er einen Teil seines fünf Hektar großen Grundstückes an der oberen Heimstraße. „Ich habe da noch 1000 Quadratmeter, die mehr oder weniger brach liegen.“ Im Herbst wolle er mit dem Pflanzen beginnen. Stefan Voigt spricht von 1000 bis 1500 Setzlingen, fürs Erste. Danach werde man sehen...

Weitere Unterstützer für die Idee gewinnen

Voigt wäre nicht Voigt, wenn er nicht auch andere für seine Idee gewinnen wollte. Naturerhalt und Klimaschutz, und darum geht es ihm bei seinem Waldprojekt, kann von Einzelnen zwar angestoßen, aber nur von allen dauerhaft umgesetzt werden. Ihm geht es ums Große, um den Zusammenhang. Um das Erkennen und das Erleben.

„Meine Idee ist, dass man in Ennepetal die Möglichkeit hat, zu verfolgen, wie sich ein jungsteinzeitlicher Wald entwickelt.“ Er denkt an Schulen, die im Rahmen von Projekten hoch in den Wald gehen. Und er denkt auch schon an Crowdfunding, um Geld zu sammeln, für weitere Jungsteinzeit-Wälder. „Ich habe schon weitere Flächen im Auge“, sagt er und strahlt.

Der Jungsteinzeit-Wald könnte für Ennepetal sogar ein weiteres Aushängeschild wie die Kluterthöhle werden, ist Stefan Voigt überzeugt und verweist auf das Alleinstellungsmerkmal und die Chance auf eine überregionale Beachtung. Tatsächlich finden sich aktuell keine Hinweise auf einen Jungsteinzeit-Wald in irgendeiner anderen Stadt.

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