Kegeln

Ennepetal: Die „Alte Sägen“ lassen die Puppen tanzen

„Kegeln hält beweglich“: Hans Stattler wirft mit Schwung Kugel um Kugel. Kürzlich feierte er zusammen mit seinen Kegelbrüdern seinen 90. Geburtstag.

„Kegeln hält beweglich“: Hans Stattler wirft mit Schwung Kugel um Kugel. Kürzlich feierte er zusammen mit seinen Kegelbrüdern seinen 90. Geburtstag.

Foto: Trapp

Ennepetal.  Ist das womöglich der ältestes Kegelclub im Land? Die „Alten Sägen“ jedenfalls lassen die Puppen noch ordentlich tanzen.

„Gut Holz!“ rufen sie – und dann sausen die Kugeln und sie eifern um Punkte. Die Kugeln krachten auf die Bahn, dazu erzeugten die Männer eine Lautstärke mittels Mundwerk, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstand. Aber: Man hatte ein lustiges Trüppchen angetroffen.

„Bei uns ist es immer unterhaltsam, wir haben uns so viel zu erzählen, so dass manch einer aus der Runde fragt: Sind wir zum Quatschen hier oder um zum Kegeln“, schmunzelt Klaus Winterhoff, der zum Kegelklub „Alte Sägen“ gehört.

Alle 14 Tage wird fleißig gekegelt

Das Besondere an dem Ennepetaler Kegelklub: Der jüngste Kegelbruder, nämlich Klaus Winterhoff, ist 78 Jahre. Der älteste Aktive 90 Jahre. Noch vor wenigen Tagen habe man den 90. Geburtstag von Hans Stattler im Haus Grebe in Altenvoerde gemeinsam gefeiert, dort, wo auch alle 14 Tage zweieinhalb Stunden gekegelt wird. „Hans Stattler ist wahrscheinlich Ennepetals ältester aktiver Kegler“, vermuten dessen Kegelbrüder.

Die Liebe zum Kegeln entdeckte Hans Stattler, der in Voerde wohnt, vor über 60 Jahren in Gevelsberg im Turnerheim Lichtenplatz. Später, durch Umzug nach Ennepetal, wechselte er zum Klub „Alte Sägen“. Mit diesem Club wurde er bei den Ennepetaler Stadtmeisterschaften elf Mal Stadtmeister. „Nebenbei erwarb er 250 Mal das goldene Kegelsportabzeichen“, erzählte Kegelfreund Walter Tilgert. Dafür gab es einen funkelnden Pokal, auf den der Senior sehr stolz ist.

Genau sechs Mitglieder sind es – und alles Männer im Alter von 78, 82, 86, 89 und 90 Jahren. Vier sind in Gevelsberg zu Hause, zwei in Ennepetal. Bis auf Klaus Winterhoff kennen sich alle schon seit rund 60 Jahren. Solange wird auch schon gekegelt.

Begonnen habe man auf Meininghausen in der Gaststätte „Zum stillen Winkel“. Klaus Winterhoff, der erst seit zwei Jahren zum Kegelklub gehört, wurde vom Gastwirt des Hauses Grebe auf den Kegelklub aufmerksam gemacht. Winterhoff absolvierte eine „Proberunde“ – und blieb dabei, „weil es harmonisch und lustig dort zugeht und ich freundlich im Kreis aufgenommen wurde“, so Winterhoff.

Als Kind die Puppen aufgestellt

Die „alten Hasen“ erinnern sich, dass früher die umgeworfenen Kegel noch per Hand wieder aufgerichtet werden mussten. „Kein Vergleich mehr zu den modernen, voll elektrischen Anlagen, wo Computer den Ablauf steuern“, so Walter Tilgert.

Klaus Winterhoff sagt, er habe als Kind bei einem Kegelklub die Kegel wieder aufgestellt, das habe richtig Spaß gemacht. Wenn jemand einen Wurf „in die Vollen“ gelandet hat, wird applaudiert und der Schlachtruf erklingt: „Gut Holz!“ Je Kegelabend erfolgen bis zu 100 Wurf. „Das geht in die Arme und die Beine“, bemerkt Klaus Winterhoff. „Harry Lehmann treibt uns stets an“, schmunzelt Manfred Borchert.

Der 90-jährige „Super-Kegler“ dagegen braucht nicht angetrieben zu werden. Er wirft mit Schwung, Bein angewinkelt, Kugel um Kugel, will gar nicht mehr aufhören, möglichst viele Kegel umzulegen. „Kegeln hält beweglich“, betont Hans Stattler.

„Wir suchen noch ein bis zwei Mit-Kegler und die dürfen auch gern unter 80 sein“, lacht Klaus Winterhoff. Sie reden, scherzen und zielen dennoch konzentriert mit der Kugel in der Hand auf die neun Kegel am Ende der schmalen Scherenbahn. Man kegele allerdings nur aus Spaß. Preise gibt es nicht. Zum Kegelklub gehört noch Albert Pollmann, der an dem Abend, als das Foto entstand, verhindert war.

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