Tierwelt

Ennepetal: Frieda ist Deutschlands ältestes Pony

Petra Kruse ist von ihr angetan: Frieda kam vor drei Wochen nach Ennepetal und ist, soweit sich das recherchieren lässt, Deutschlands ältestes Pony.

Petra Kruse ist von ihr angetan: Frieda kam vor drei Wochen nach Ennepetal und ist, soweit sich das recherchieren lässt, Deutschlands ältestes Pony.

Foto: Andreas Gruber

Ennepetal.  Das älteste Pony Deutschlands heißt Frieda, ist 51 Jahre alt und lebt auf dem Gnadenhof der Shettyhilfe in Ennepetal.

Der Blick: hellwach. Das Verhalten: putzmunter. Die Erscheinung: gut in Form und rundum gesund. Es ist kaum zu glauben und dennoch wahr. Bei der Shettyhilfe Ennepetal auf Meininghausen gibt es ein Tier, das nicht weniger ist als eine biologische Sensation. Stute Frieda ist Deutschlands ältestes Pony.

Man muss schon nah ran gehen, um zu sehen, dass Frieda tatsächlich eine „alte Dame“ ist. Von Weitem sieht der Rappe aus wie jedes andere Shetland-Pony auf der Weide. Die Stute ist fleißig am Grasen, tippelt übers Grün wie ein junges Pony und hat ein Herdenverhalten wie ‘ne richtige Chefin. Kein bisschen ängstlich, immer mittendrin, und wenn ihr ein Artgenosse zu dicht aufs Fell rückt, gibt’s einen mit den Hinterhufen.

Doch Frieda ist alt. Sehr alt sogar. Für ein Pony geradezu biblisch alt. Ihr Fell am Kopf ist schlohweiß, und sie hat kaum noch Zähne. „Schauen Sie mal“, sagt Petra Kruse. Die 1. Vorsitzende der Shettyhilfe hält Friedas Equiden-Pass in den Händen. Sie zeigt auf die lange Nummer, an deren Ende die entscheidende Zahl steht: eine 68! Es ist Friedas Geburtsjahr, das Jahr 1968. Die Stute ist unglaubliche 51 Jahre alt – und damit, soweit sich das recherchieren lässt, aktuell Deutschlands ältestes Pony.

Den Titel hielt bis vor einigen Jahren das Pony Schlumpf. Der Shetland-Wallach, der bei der Kinder- und Jugendfarm in Wuppertal-Sonnborn sein Gnadenbrot bekam, wurde 52 Jahre alt. Im September 2017 musste Schlumpf nach einem Knochenbruch eingeschläfert werden.

Noch älter wurde Sugarpuff. Das Shetland-Exmoor-Pony aus Großbritannien starb 2007 im Alter von 56 Jahren und hält bis heute den Weltrekord.

Nicht auszuschließen, dass Frieda diesen Rekord einmal knacken wird. Es spricht momentan zumindest nichts dagegen. Sie ist gemessen an ihrem Alter in blendender Verfassung, wie Petra Kruse attestiert. Vor gar nicht langer Zeit sah das aber noch ganz anders aus.

„Frieda ist in letzter Sekunde gerettet worden“, beginnt Petra Kruse zu erzählen. Ein Mann aus Schwaben habe sie im März dieses Jahres gerettet, als sie auf einem Schlachthof in Bayern auf ihr Ende wartete. Die Umstände sind nicht näher bekannt, nur soviel, dass Frieda wohl aus der Insolvenzmasse eines Pleite gegangenen Reiterhofs stammte.

Sie soll jämmerlich ausgesehen haben. Abgemagert und dürr. Voller Ungeziefer im Fell. Der Schwabe, so erzählt es Petra Kruse, habe Frieda am Schlachthof stehen sehen, sich den Equiden-Pass geben lassen und dann entschieden, dass ein solch ungewöhnlich altes Pony nicht dem Schlachter zum Opfer fallen dürfe. „Er hat sie zu sich mitgenommen und fünf Monate lang aufgepäppelt“, erzählt Petra Kruse. „Das ist ihm wirklich gut gelungen.“

Der Kontakt zur Shettyhilfe Ennepetal ergab sich, weil der Schwabe das Shetland-Pony zwar unbedingt retten wollte, aber nicht behalten konnte. „Ich bin dann mit dem Hänger losgefahren und wir haben uns auf halber Strecke bei Frankfurt getroffen“, erzählt Petra Kruse. Das war vor gut drei Wochen.

Artgerechte Haltung

Frieda in Ennepetal - Das älteste Pony in Deutschland
Frieda in Ennepetal - Das älteste Pony in Deutschland

Als Frieda in Meininghausen vom Hänger in die Herde ging, begann für sie ein neues Leben. „Sie hat kein Palaver gemacht und sich sofort eingeordnet“, berichtet Petra Kruse. Für sie ist das auch ein sicheres Zeichen, wie sehr sich Frieda an ihrem neuen Zuhause in Ennepetal wohlfühlt.

Damit das so bleibt, wird einiges getan. Frieda bekommt ihr Gnadenbrot – wie alle anderen Tiere bei der Shettyhilfe auch – artgerecht gereicht. Sie verbringt den Tag auf der großen Weide gemeinsam in der Herde, bekommt – wegen ihrer fehlenden Zähne – dreimal täglich eine Pampe aus aufgeweichten Heu-Pellets zugefüttert und wird selbstverständlich regelmäßig tierärztlich versorgt.

Das gibt’s natürlich nicht kostenlos. Weswegen die kleine Shettyhilfe fortlaufend auf Hilfe und Spenden von Dritten angewiesen ist und konkret für Frieda einen Paten bzw. eine Patin sucht. Wer helfen möchte oder Pate werden will, findet mehr Informationen online unter www.shettyhilfe.de.

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