Geschenk

Ennepetal: Geheimnisvoller Künstler des Busbildes gefunden

Ein Handyfoto von dem Bild, das der Mann dem Busfahrer während der Dienstfahrt schenkte, ohne den Grund und seinen Namen zu nennen.

Ein Handyfoto von dem Bild, das der Mann dem Busfahrer während der Dienstfahrt schenkte, ohne den Grund und seinen Namen zu nennen.

Foto: Andreas Gruber

Ennepetal.  Wer ist der Mann, der einem Busfahrer ein Bild schenkte? Und warum tat er das? Der Unbekannte hat sich nun bei uns in der Redaktion gemeldet.

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Wer ist der Künstler, der einem Busfahrer ein Bild schenkte und dann ausstieg, ohne Name oder sonstwas zu hinterlassen? Und was für eine Geschichte steckt dahinter? Dies fragte sich nicht nur die Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr, die sich über das Präsent „unbekannterweise“ so sehr freute, dass sie über den Weg unserer Zeitung die Öffentlichkeit um Mithilfe bei der Suche nach dem Unbekannten bat, um ihm persönlich zu danken. Nun liegt die Antwort vor.

„Haben Sie noch ein Exemplar vom vergangenen Dienstag? Da steht was drin, was mich interessiert.“ Langsam, fast schüchtern betritt der Mann die Räume der Lokalredaktion und spricht mit leiser, ruhiger Stimme.

Bericht über Fundstück und Bild beim VER

Natürlich haben wir noch ein Exemplar, das er sofort durchzublättern beginnt. Er findet zuerst nicht, was er sucht. Wir fragen nach: Worum geht es denn? „Um den Bericht über die VER“, antwortet er.

Bei uns klingelt was. Es kann sich dabei doch eigentlich nur um den Artikel über das Fundstück und das geheimnisvolle Geschenk handeln, deren Besitzer bzw. Urheber die VER ausfindig machen möchte. Zum einen das vermutlich kleine Mädchen, deren Holzlokomotive im Bus gefunden und abgegeben wurde. Auf der Unterseite des Spielzeugs steht jedenfalls der Name Giuliana. Zum anderen eben jenen Unbekannten, der einen Busfahrer der VER während dessen Dienstfahrt mit einem kleinen Kunstwerk beschenkte.

Wir denken zuerst an die Holzlokomotive. „Haben Sie damit was zu tun? Sind Sie ein Verwandter?“ Der Besucher antwortet nicht, blättert weiter und findet den Artikel. Er zeigt mit dem Finger drauf und sagt – wieder ganz ruhig und leise: „Ich bin der, den die suchen. Das Bild stammt von mir.“

Ennepetaler Günter Schönebeck macht Bilder in seiner Freizeit

Günter Schönebeck heißt der Mann. Er ist 61 Jahre alt und ist, wie er sagt, ein „reiner Ennepetaler“. Hier geboren, hier aufgewachsen, hier verwurzelt. Er sei Berufskraftfahrer, arbeite für die Spedition Niepmann an der Loher Straße, und habe vor gut einem Jahr eine neue Beschäftigung für sich entdeckt: Aus Fotos und Bildern kleine Kunstwerke zu erschaffen. „Das ist mein Hobby. Das mache ich meistens abends. Einfach um runterzukommen, um zu entspannen.“

Günter Schönebeck zeigt Handyfotos von seinen kleinen Werken. Auf einigen ist die Wuppertaler Schwebebahn zu sehen, auf anderen eine Straßenbahn, und auch ein Motiv vom Schwelmer Trödelmarkt ist mit dabei. Alles hat einen 3-D-Effekt, weil seine Bilder aus verschiedenen Fotos oder Bilder bestehen. Die schneidet er zum Teil aus und klebt sie dann wieder übereinander. Es sind kleine, aber feine, hübsch anzusehende Handarbeiten. „Die Technik habe ich vor einiger Zeit entdeckt.“

So entstand auch jenes Bild, dass er dem Busfahrer schenkte. Als Vorlage diente der Sonderfahrplan der VER zur Weihnachtszeit, erzählt Günter Schönebeck. Das Fenster auf dem darauf abgebildeten Bus schnitt er aus und klebte ein Bild mit einem Hasen rein. Eine witzige Idee. „Das VER-Logo darüber habe ich selbst gemalt“, erzählt Günter Schönebeck. Und weil es besser aussieht, verpasste der Künstler seinem Werk einen schönen blauen Rahmen.

Wie kam es dazu?

Doch wie kam es zu dem geheimnisvollen Geschenk? „Ich war bei meiner Schwester in Wuppertal und hatte das Bild bei mir“, erzählt Günter Schönebeck. „Als sie es sah, sagte sie: Das sieht ja richtig gut aus“. So entstand die Idee, das kleine Kunstwerk der Verkehrsgesellschaft zu schenken. Als Aufmerksamkeit und als Wertschätzung. Der Öffentliche Nahverkehr und die VER seien doch so wichtig, findet Günter Schönebeck. Aber immer wieder müssten sie so herbe Kritik einstecken. Das finde er nicht richtig, und dagegen wollte er ein kleines, persönliches Zeichen setzen. „Als ich dann von Wuppertal mit dem Bus zurück gefahren bin, dachte ich mir: Eigentlich könnte ich das Bild ja auch direkt dem Busfahrer geben, dass der es dann bei der VER abgibt.“ Dies habe er dann getan.

Warum er dem verdutzten Busfahrer nicht sagte, von wem das kleine Kunstwerk ist? Andere Zeitgenossen würden in solch einer Situation doch ihren Namen regelrecht raus posaunen, unter dem Motto: Auch die letzte Reihe im Bus soll wissen, wer der edle Spender ist. Günter Schönebeck zuckt nur mit den Schultern, hat keine Antwort parat. Leise sagt er: „Auch die Busfahrer machen einen guten Job und müssen sich immer soviel anhören.“ Da habe er sich gedacht: Beim Fahrer ist das Geschenk an der richtigen Adresse.

Wertschätzend und bescheiden: so wirkt Günter Schönebeck – dem die VER jetzt auch persönlich danken kann.

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