Ennepetaler Forschungen

Ennepetal: Jüdisches Ehepaar aus Milspe starb im KZ

Das Haus Kölner Straße 117 (rot) in Milspe. Hier lebte das jüdische Ehepaar Moritz und Hedwig Frankenhaus.

Das Haus Kölner Straße 117 (rot) in Milspe. Hier lebte das jüdische Ehepaar Moritz und Hedwig Frankenhaus.

Foto: Hartmut Breyer / WP

Ennepetal.  Ein jüdisches Ehepaar, das lange in Milspe lebte, starb 1943 im KZ Sobibor. Das kaum bekannte Schicksal ist Thema in den Ennepetaler Forschungen.

Es ist eine tragische Geschichte aus furchtbarer Zeit, die in Ennepetal bisher kaum jemandem bekannt sein dürfte: Das jüdische Ehepaar Moses Moritz und Hedwig Frankenhaus, das an der Kölner Straße in Milspe lebte, starb im April 1943 im Konzentrationslager Sobibor. In der neuesten Ausgabe der „Ennepetaler Forschungen“ des Arbeitskreises Stadtgeschichte berichtet Hans Hermann Pöpsel vom Schicksal der beiden, derer bisher nirgendwo gedacht worden sei.

Moritz Frankenhaus (Jahrgang 1872) führte demnach eine Kürschnerei in Milspe. 1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, seien er und seine Frau (Jahrgang 1875) zunächst in die Niederlande emigriert. Doch nachdem die Nazis Holland besetzt hatten, sei das Ehepaar 1943 verhaftet und ins Vernichtungslager Sobibor deportiert worden, schreibt Pöpsel. Als Todesdatum werde der 9. April angegeben.

Auf das Schicksal von Moritz und Hedwig Frankenhaus war die frühere Stadtarchivarin und Arbeitskreis-Aktive Ingrid Windmöller gestoßen. Sie hatte im Juli 2018 mit dem inzwischen verstorbenen Konditor Hans-Caspar Kartenberg ein Gespräch geführt. Dabei berichtete der von dem ehemaligen Kürschner Frankenhaus, der ein spendabler Geber gewesen sei – auch für die Hitlerjugend. Und die Jäger hätten sich bei ihm die Geweihe der erlegten Tiere präparieren lassen. Was später aus dem Ehepaar Frankenhaus geworden sei, habe Kartenberg aber nicht gewusst. Recherchen im digitalen „Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945“, das vom Bundesarchiv geführt wird, förderten schließlich das furchtbare Schicksal zutage.

Hans Hermann Pöpsel, der auch Vorsitzender des Arbeitskreises ist, befasst sich in seinem Beitrag mit dem Thema „Jüdische Familien in Ennepetal und den Vorgängergemeinden“. Der Bereich Ennepetal, der bis zur Stadtgründung 1949 aus den Gemeinden Milspe und Voerde bestand, habe eine dörflich-kleinindustrielle Struktur gehabt. Nur wenige Juden hätten hier gelebt. Pöpsel stellt neben dem Ehepaar Frankenhaus die bisher – zum Teil nur in Grundzügen – bekannten jüdischen Familien vor und weist auch kurz auf die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma sowie des Sozialdemokraten Peter Alfs hin, die bereits in vorherigen Ausgaben thematisiert worden waren.

Weiterer Schwerpunkt Armenhäuser

Weiteres Schwerpunktthema in den Ennepetaler Forschungen Nr. 36 ist der Blick auf „Die Armenhäuser in Ennepetal“. Karl-Heinz Giesick erläutert in dem Beitrag zunächst Grundlegendes zur Bedeutung und zum Betrieb von Armenhäusern und stellt dann bekannte Einrichtungen aus der heimischen Region vor. So hatte Pastor Reichenbach ein Armenhaus in Voerde gegründet, der Standort ist nicht überliefert. Pastor Diestelkamp gründete ein Waisen- und Erziehungshaus am Lohernocken, aus dem die heutige Evangelische Stiftung Loher Nocken erwuchs. Auch am heutigen Dr. Siekermann-Weg (früher Meininghauser Weg) stand ein Armenhaus.

In Milspe gab es eine solche Einrichtung an der Hochstraße (heute Heimstraße, nahe der Bahnlinie. Aus dem Milsper Armenhaus wurde später ein Pflege-, dann ein Altersheim. Von 1926 bis 1933 leitete übrigens der Sozialdemokrat und langjährige Milsper Gemeindevorsteher Julius Bangert mit seiner Frau Eva das Heim. Heute befinden sich an dem Standort übrigens die Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge.

Ausführlich beschäftigt sich Dr. Hubert Köhler mit der früheren Nutzung der Wasserkraft. Insgesamt 58 Hämmer und Schleifkotten habe der preußische Fabrikenkommissar Eversmann in einer „Übersicht der Eisen- und Stahlerzeugung auf Wasserwerken zwischen Lahn und Lippe“ im Jahr 1804 allein auf dem heutigen Gebiet Ennepetals aufgeführt, berichtet Köhler. In seinem Beitrag geht er auch auf den Heilenbecke-Wasserverband und die Entstehungsgeschichte der Heilenbecke Talsperre ein, erläutert die Funktionsweise der Wassermühlen, die Handwerksberufe Mühlenbauer und Handwerkszimmerer und vieles mehr.

Erinnerung an Seifenkistenrennen

Themen in den Forschungen sind zudem Hans Hermann Pöpsels Beiträge über die 1834 gebaute „Chaussee“ vom Gevelsberger Nirgena in Richtung Schwelm (ungefähr die heutige Kölner Straße) und die Bombenangriffe auf die Heimat im Zweiten Weltkrieg. Ingrid Windmöller erzählt die Geschichte des früheren Hotels „Theisen“ an der Bahnhofstraße, das nur etwa 25 Jahre lang, vom Ende des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in Betrieb war. Das Haus, in dem lange auch ein Restaurant zu finden war, steht noch unterhalb des Bahnhofs.

Karl-Heinz Giesick erinnert an den alten „Te(ä)ckel“, die Talbahn, die von Hagen zunächst nach Gevelsberg, später weiter nach Altenvoerde fuhr. Außerdem befasst sich Giesick mit einem in den 50er und 60er Jahren sehr beliebten Freizeitvergnügen. Er erzählt von den legendären Seifenkistenrennen in Milspe und Voerde – die damals übrigens von den beiden Fahrlehrern Hans Müller und Hans-Alfred Wilson initiiert worden waren.

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