Patientenzahl wird beschränkt

Ennepetal: Klinik Königsfeld ab 2. April wieder in Betrieb

Die Kolonne der Krankentransportwagen am Freitag vom Klinikdach aus gesehen. Die Patienten wurden nach einem Corona-Test, der bei allen negativ ausfiel, in ihre Wohnorte gebracht, wo das jeweilige Gesundheitsamt für sie häusliche Quarantäne anordnete.

Die Kolonne der Krankentransportwagen am Freitag vom Klinikdach aus gesehen. Die Patienten wurden nach einem Corona-Test, der bei allen negativ ausfiel, in ihre Wohnorte gebracht, wo das jeweilige Gesundheitsamt für sie häusliche Quarantäne anordnete.

Foto: Privat / WP

Ennepetal.  Am 2. April geht die Klinik Königsfeld in Ennepetal wieder in Betrieb. Sie war nach einem Corona-Fall im Mitarbeiter-Team geschlossen worden.

Die Klinik Königsfeld kann nach der Schließung aufgrund der Corona-Infektion einer Mitarbeiterin voraussichtlich am Donnerstag, 2. April, den Betrieb wieder aufnehmen. Bis auf weiteres wird die Reha-Einrichtung aber nur etwa die Hälfte der Betten belegen, zudem keine ambulanten Reha-Maßnahmen vornehmen. Nicht vorgesehen ist es nach Aussage des Ärztlichen Direktors Prof. Frank C. Mooren, Notfallplätze für Corona-Patienten bereitzustellen.

Für die Behandlung von Intensiv-Patienten sei das Haus nicht ausgestattet, erklärt Mooren. Es gebe zwar zwei Überwachungsplätze für Herz-Kreislauf-Patienten, aber keine Beatmungsgeräte. „Und die Beatmung liegt in den Händen von Fachleuten. Wir sind alle Ärzte, aber unsere Zeit auf einer Intensivstation liegt lange zurück. Das schüttelt man nicht einfach aus dem Ärmel“, so der Klinikchef, der zugleich betont, dass alle Planungen unter dem Vorbehalt stünden, dass man sich in einer extrem dynamischen Situation befinde.

Die Klinik Königsfeld könne Akutkrankenhäusern Patienten für Anschlussheilbehandlungen nach einer Bypass-OP, der Stent-Setzung nach Herzinfarkt und nach Knie- und Hüft-OPs und Einsetzen von Endoprothesen abnehmen und so für Entlastung sorgen. „Es werden einige Eingriffe sicher verschoben, bei anderen ist das aber nicht möglich“, so Frank C. Mooren. Außerdem sei denkbar, leichtere Corona-Fälle aufzunehmen. Dafür müssten entsprechende Vorkehrungen getroffen werden. Verwaltungsdirektor Norbert Köster betont, dass es aktuell noch keinen Erlass des Landes NRW und keine konkreten Vorgaben dafür gebe.

Nur 80 bis 100 Patienten

Bis auf weiteres werden in der Einrichtung an der Holthauser Talstraße nur 80 bis 100 Patienten aufgenommen – etwa die Hälfte der zur Verfügung stehenden 190 Betten. Das sei in Absprache mit dem Träger, der Deutschen Rentenversicherung Westfalen (DRV), so festgelegt worden, so Mooren und Köster. Im Speisesaal und in den Trainingsräumen werde man darauf achten, dass der Abstand von zwei Metern zwischen den Personen eingehalten wird. Die Patienten dürften keinen Besuch erhalten und das Klinikgelände nicht verlassen. Es werde auf Einzeltherapien umgestellt, Gruppenbildungen würden vermieden. „Alle Aufenthaltsbereiche werden entzerrt“, sagt Frank C. Mooren. Zudem würden alle Mitarbeiter noch einmal besonders sensibilisiert. Auch sie müssten untereinander Abstand halten und dürften nur mit Mundschutz arbeiten. Darüber hinaus werde man dafür sorgen, dass die Kontakte aller nachvollziehbar seien, so dass im Fall einer Infektion mit dem Coronavirus nur teilweise Quarantäne angeordnet werden müsse. „Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Patienten mit den Maßnahmen zufrieden sind und sehen, dass diese zu ihrem eigenen Schutz dienen“, erklärt Frank C. Mooren.

Auch wenn die Belegung nach unten gedrückt werde, würden keine Mitarbeiter freigestellt, sagt Frank C. Mooren. Das sei die grundsätzliche Politik der DRV. Man werde bei halber Patientenzahl nicht ganz so viele Mitarbeiter benötigen, aufgrund der Umstellung auf Einzeltherapien aber mehr als die Hälfte. Einige sollen daher Überstunden abbauen – auch vor dem Hintergrund, dass sie später zur Verfügung stehen, da man nicht wisse, wie sich die Situation entwickle.

Mooren und Köster sagen, dass die Mitarbeiter bisher an einem Strang ziehen. „Wir haben uns ja gemeinsam vorgenommen, Teambildung und betriebliche Gesundheitsvorsorge voranzubringen“, so Mooren. Speziell die Abwicklung der Klinik-Evakuierung sei aber besser als jede Teambildungsmaßnahme gewesen. Viele hätten keine normalen Schichten geleistet, sondern bis zu 15 Stunden am Tag geholfen. „Sie haben Unmenschliches geleistet“, meinen die Klinikdirektoren. Es sei eine Leistung, innerhalb von drei Tagen eine ganze Klinik zu evakuieren. „Dafür sagen wir Danke.“

Mitarbeiterin und Ehemann erkrankt

Die Klinik Königsfeld musste am Mittwoch (18. März) aufgrund der Corona-Infektion einer Mitarbeiterin geschlossen werden. Inzwischen steht fest, dass sie sich über ihren Ehemann infiziert hatte.

Der Mann sei im Skiurlaub in Österreich gewesen, allerdings nicht in einem Risikogebiet, berichtet Klinik-Verwaltungsdirektor Norbert Köster. Er habe Erkältungssymptome gezeigt, daher sei die Mitarbeiterin, die als Therapeutin auf Königsfeld arbeitet, zunächst zu Hause geblieben. Nachdem beim Mann zwei Testergebnisse negativ gewesen seien, habe man sich entschieden, die Mitarbeiterin wieder einzusetzen, so Köster. Doch dann habe sich beim Ehemann eine beidseitige Lungenentzündung entwickelt, im Krankenhaus sei ein dritter Test positiv gewesen. Auch die Mitarbeiterin sei darauf hin positiv getestet worden. Sie befinde sich in häuslicher Quarantäne, habe Fieber und klage über Kurzatmigkeit, sagt Köster weiter. Ihr Mann sei zwar noch nicht gesund, inzwischen aber aus dem Krankenhaus ebenfalls nach Hause in Quarantäne entlassen worden.

Schon am 26. Februar, bevor es Erlasse der Landesregierung gegeben habe, habe die Klinikleitung in einer Personalversammlung die Mitarbeiter zum Thema Corona informiert und sensibilisiert, erklärt Norbert Köster. In der Spitze seien sieben Mitarbeiter aufgrund des Verdachts einer Corona-Infektion frei gestellt gewesen.

Heimtransport zügig abgeschlossen

Die Patienten seien zudem über eingeschränkte Besuchsregelungen informiert worden. Anschließend seien alle Patienten vor Aufnahme zu Aufenthalten in Risikogebieten befragt und bei Aufnahme die Temperatur gemessen worden. Einzelnen habe man darauf hin abgesagt, so der Ärztliche Direktor Prof. Frank C. Mooren. Am 16. März beendete die Klinik zudem alle ambulanten Reha-Maßnahmen.

Mooren und Köster betonen, dass der Heimtransport der Patienten nach der Schließung vom Gesundheitsamt des Ennepe-Ruhr-Kreises und im Haus sehr gut organisiert und innerhalb von 48 Stunden schon fast abgeschlossen gewesen sei. Viele der 190 Patienten waren mit Krankentransportwagen aus ihren Wohnorten abgeholt worden. Die Fahrzeuge standen Schlange und luden die Betreffenden in schneller Folge einzeln ein.

Ein Patient wandte sich bei der Abreise via Facebook an das Klinikteam: „Ein Riesendank an das Pflegepersonal, die uns bis zum Schluss rührend umsorgt haben... Wenn ich es könnte und dürfte, würde ich Euch einmal ganz fest drücken und Euch die Hand schütteln... Aber es bleibt mir nur ein leiser Abschied. Ihr seid meine Helden. Vielen lieben Dank für alles“

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