Einrichtungen behelfen sich

Ennepetal: Mundschutz Marke Eigenbau überbrückt Engpass

Jennifer Abidi (links) und Nikoleta Ioannou vom Kindergarten St. Nikolaus in Gevelsberg haben derzeit keine Kinder zu betreuen. Sie nutzen die Zeit, um Mundschutzmasken für das Haus Elisabeth zu nähen.

Jennifer Abidi (links) und Nikoleta Ioannou vom Kindergarten St. Nikolaus in Gevelsberg haben derzeit keine Kinder zu betreuen. Sie nutzen die Zeit, um Mundschutzmasken für das Haus Elisabeth zu nähen.

Foto: Privat / WP

Ennepetal.  Weil es kaum Mundschutzmasken gibt, helfen sich Einrichtungen wie der Verein Wohnen unterm Regenbogen und das Haus Elisabeth in Ennepetal selbst.

Sie sind derzeit in aller Munde – allerdings nicht vor aller Munde: Einfache Schutzmasken, die zwar nicht den Träger selbst, aber Personen in dessen Nahbereich bis zu einem gewissen Grad vor Tröpfchen schützen können. Aufgrund der Corona-Pandemie gibt es bereits seit einiger Zeit Lieferengpässe bei den Masken. Der Verein „Wohnen unterm Regenbogen“, der an der Loher Straße eine WG für behinderte junge Erwachsene betreibt, greift daher selbst zu Stoff, Nadel und Faden und produziert den Mundschutz in Eigenleistung. Und auch im Seniorenheim Haus Elisabeth in Milspe verwendet das Personal selbst hergestellte Masken.

Die Bewohner der WG an der Loher Straße gehören zu den Hochrisikogruppen. So wird eine junge Frau zeitweise beatmet. Für sie wäre eine Infektion mit dem Coronavirus Virus Sars-CoV2 besonders gefährlich. „Wir haben versucht, auf dem Markt Atemschutzmasken für uns und das Pflegepersonal zu bekommen. Doch das ist zurzeit fast unmöglich“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Thomas Gilles, dessen Tochter Larissa in der WG lebt. Er habe sich an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) gewandt, dann an das Bundesgesundheitsministerium, nachdem er gehört habe, dass zehn Millionen Masken bestellt seien. Das Ministerium habe geantwortet, dass die Masken erst in den nächsten Tagen verteilt werden sollen.

„Wir haben uns dann wieder an die KV gewandt, uns bei der Verteilung zu berücksichtigen“, so Gilles. „Doch momentan hilft uns das nicht.“ Seine Frau, die Übungsleiterin für Reha-Sport ist und unter anderem im Haus Elisabeth tätig ist, habe sich darauf hin in der Einrichtung erkundigt, wie man dort an Schutzmasken komme. „Die haben gesagt: ,Wir nähen selber’“, berichtet Thomas Gilles.

So entstand die Idee im Verein, sich ebenfalls selbst zu helfen. Anleitungen, z. B. von der Essener Feuerwehr, gibt es im Internet. So können Masken aus Baumwolle, Draht, Gummiband und Faden vergleichsweise einfach zusammengenäht werden. Die Masken, die Mund und Nase eng anliegend abdecken müssen, könnten so genäht werden, dass man in eine kleine Tasche noch Küchenpapier einlegen könne, was den Schutz verstärke, so Gilles. Nach etwa zwei bis drei Stunden sollten die Masken gewechselt werden. Sie können durch Waschen bei hoher Temperatur, heißes Überbügeln oder Trocknen im Backofen gereinigt werden.

Thomas Gilles’ Schwiegermutter, die Vereinsvorsitzende Margit Pleuger und Freundinnen von ihr sowie eine Bekannte aus Breckerfeld nähen Masken für die Pflegedienstmitarbeiter der WG, damit diese auch mehrere zum Wechseln haben. Gilles betont, dass die Masken nicht dem Selbstschutz dienen, sondern das Risiko verringern könnten, andere durch Tröpfchen zu infizieren. Grundsätzlich würden in der WG natürlich sowieso die wichtigen Hygieneregeln wie häufiges Hände waschen und desinfizieren befolgt.

Thomas Gilles regt an, dass auch andere, die vielleicht momentan nach einer sinnvollen Beschäftigung suchen und nähen können, solche einfachen Schutzmasken herstellen könnten. Aktuell gebe es dafür einen großen Bedarf.

Nachhaltigkeit als Nebeneffekt

„Für uns ist das nicht neu“, meint die Leiterin des Hauses Elisabeth, Petra Tuin. „Wir haben früher immer mit selbstgenähten Masken gearbeitet.“ Derzeit seien die Einmalmasken, die zuletzt zum Einsatz gekommen seien, kaum erhältlich. Also habe man sich wieder an die Eigenproduktion begeben. Einige Mitarbeiterinnen hätten Schutzmasken genäht, zudem produziere das Team der Kita St. Nikolaus in Gevelsberg, die wie das Haus Elisabeth von der katholischen Theresia-Albers-Stiftung betrieben wird, diese Masken. Am Dienstag habe man 20 bekommen, am heutigen Donnerstag würden 50 weitere geliefert.

Die Masken sind übrigens nicht als spezieller Corona-Schutz gedacht, sondern werden im Haus Elisabeth generell verwendet. „Sie sind dafür da, dass wir unsere Bewohner schützen, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter erkältet ist“, betont Petra Tuin. „Wir laufen normalerweise nicht alle 24 Stunden damit herum, sondern punktuell.“

Auf einen nachhaltigen Effekt der Selbsthilfe aufgrund des Lieferengpasses beim Einmal-Mundschutz weist Petra Tuin ganz nebenbei hin: „Wir werden die selbstgenähten Masken in Zukunft natürlich weiterverwenden.“ Die Wegwerfartikel können also in Zukunft draußen bleiben.

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