Polizei

Razzia in Ennepetal: Illegales Einschleusen von Ausländern

Auf dem Gelände Hagener Straße 256 (ehemals Firma ThyssenKrupp Berco) in Ennepetal hat am Mittwochmorgen eine Razzia stattgefunden. Dutzende Polizisten der Bundespolizei waren im Einsatz.

Auf dem Gelände Hagener Straße 256 (ehemals Firma ThyssenKrupp Berco) in Ennepetal hat am Mittwochmorgen eine Razzia stattgefunden. Dutzende Polizisten der Bundespolizei waren im Einsatz.

Foto: Hartmut Breyer / WP

Ennepetal.  Ennepetal ist am Mittwoch Schauplatz einer Razzia von Polizei und Zoll geworden. Die Ermittler haben sich nun zu den Hintergründen geäußert.

Dutzende Polizisten tummelten sich am Mittwochvormittag noch auf dem Gelände Hagener Straße 256, auf dem früher die Firma ThyssenKrupp Berco ansässig war. Seit den frühen Morgenstunden waren die Beamten der Bundespolizei dort im Einsatz.

Am späten Mittwochnachmittag äußerten sich die Staatsanwaltschaft Marburg, die Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Halle und das Hauptzollamt Gießen zu den Hintergründen. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Marburg wird wegen des Verdachts des gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern sowie des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt ermittelt.

Ein Schwerpunkt liegt in Ennepetal

Beamte der Bundespolizei und des Zolls vollstreckten am Mittwoch mehrere durch das Amtsgericht Marburg erlassene Durchsuchungsbeschlüsse. Zeitgleich durchsuchten sie 16 Objekte in vier Bundesländern. Die Schwerpunkte der Maßnahmen lagen im Landkreis Marburg-Biedenkopf (Hessen) und im Ennepe-Ruhr-Kreis.

Durchsucht wurden außer Büroräumen und Wohnungen auch zwei Wohnheime, die nach den Erkenntnissen der Ermittler zur Unterbringung von Arbeitern genutzt wurden, die sich illegal in Deutschland aufhalten. In Ennepetal sollen Geschäftsräume und eine Arbeitnehmerunterkunft im Fokus der Ermittler gestanden haben. Insgesamt stellten sie zahlreiche Beweismittel, darunter Geschäftsunterlagen und Datenträger sicher.

Verdacht illegaler Beschäftigung

Die Ermittlungen richten sich derzeit gegen insgesamt sechs deutsche und zwei ukrainische Staatsbürger. Sie stehen im Verdacht, mehr als 30 Personen aus der Ukraine, Georgien, Weißrussland und Moldau mit gefälschten rumänischen oder griechischen Identitätsdokumenten ausgestattet zu haben.

Darüber hinaus besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten mehrere Unternehmen in den Bereichen Textilrecycling und Baugewerbe betreiben, in denen die eingeschleusten Arbeitskräfte beschäftigt wurden, ohne diese ordnungsgemäß zur Sozialversicherung anzumelden, um so Sozialabgaben zu sparen.

Den Ausgangspunkt der Ermittlungen bildeten jeweils getrennte Feststellungen der Bundespolizei und des Zolls. Im Rahmen des Erkenntnisaustauschs konnten gemeinsame Bezüge herausgearbeitet werden. Unter Sachleitung der zuständigen Staatsanwaltschaft Marburg wurde das weitere gemeinsame Vorgehen abgestimmt.

Rund 700 Kräfte im Einsatz

Die Leiterin der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Halle, Romy Töwe, und der Leiter des Hauptzollamtes Gießen, Johannes Weishaupt, erklärten gemeinsam: „Die Nutzung gefälschter Dokumente für irreguläre Migration und illegale Beschäftigung floriert. Damit geht zum einen ein hoher Schaden für die Sozialkassen sowie für Unternehmen, welche die gesetzlichen Bestimmungen einhalten, einher. Zum anderen wird die Arbeitskraft der Migranten schonungslos ausgenutzt. Der heutige Einsatz zeigt, dass wir dieses Phänomen durch eine behördenübergreifende Zusammenarbeit wirksam bekämpfen können.“

Insgesamt kamen bei den Maßnahmen circa 700 Einsatzkräfte der Bundespolizei und des Zolls zum Einsatz. Die weiteren Ermittlungen dauern an.

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