Stadtgeschichte

Ennepetaler Forschungen zu Freibad-Plan im Heilenbecker Tal

Eine Postkartenansicht der ehemaligen Wirtschaft Bockmühl im Heilenbecker Tal um 1900. Heute ist dort der Hof Kampmann zu finden. Auf den Wiesen gegenüber sollte nach Plänen von 1912 ein Freibad entstehen.

Eine Postkartenansicht der ehemaligen Wirtschaft Bockmühl im Heilenbecker Tal um 1900. Heute ist dort der Hof Kampmann zu finden. Auf den Wiesen gegenüber sollte nach Plänen von 1912 ein Freibad entstehen.

Foto: Stadtarchiv

Ennepetal.   Die Ennepetaler Forschungen Nr. 34 sind erschienen. Themen sind u. a. Pläne für ein Freibad im Heilenbecker Tal und die Fuchsschwanzhalter-Sage.

Derzeit wird das Freibad in Ahlhausen zum Naturfreibad umgebaut. Doch wenn die Pläne, die es vor mehr als hundert Jahren im Amt Ennepe gab, verwirklicht worden wären, dann würde sich das Bad heute möglicherweise im Heilenbecker Tal befinden. In der neuen Ausgabe der Ennepetaler Forschungen des Arbeitskreises Stadtgeschichte berichtet die ehemalige Stadtarchivarin Ingrid Windmöller von dem damaligen Vorhaben.

Das Ennepetaler Stadtbad in Ahlhausen, das heute „Platsch“ heißt, war im November 1962 eröffnet worden, das Freibad im Frühjahr 1963. Doch genau 50 Jahre zuvor, so schreibt Ingrid Windmöller, habe es Bestrebungen gegeben, im Heilenbecker Tal „einen Schwimmteich, ein Flussbad oder eine Badeanstalt zu errichten.“ Den Anstoß habe der Vorsitzende des Ausschusses für Jugend im Amte Ennepe, Rektor Hauck, von der Schule Rahlenbecke gegeben, der „die körperliche Gesundung und Ertüchtigung“ der Jugend im Sinn gehabt habe. Das Bad sollte leicht erreichbar und günstig gelegen sein, also sei man auf die großen Wiesen in der Becke, nahe Milspe, gekommen. Hauck habe die Gemeinde Oelkinghausen (zu der das Gebiet damals gehörte) gebeten, die erforderlichen Grundstücke zu kaufen und sie dem Ausschuss günstig zu überlassen.

In Frage gekommen seien zum einen ein Grundstück mit den zwei Hammerwerken und großem Hammerteich am Werde (heute befindet sich dort die Baufirma Söhn), zum anderen die Wiesen gegenüber der Gaststätte Bockmühl (heute Hof Kampmann an der Einmündung Holthauser Talstraße). Amtmann Burmann habe mit den Eigentümern verhandelt, wie Ingrid Windmöller zu berichten weiß. Doch die damaligen Besitzer des Hammerwerks hätten abgelehnt, weil der Pächter eine erhebliche Störung des Betriebs durch den Schwimmbadbau befürchtete – es hätte nämlich „der Wasserstand des Teiches für ca. 2 Wochen sehr niedrig gehalten werden“ müssen. Und die Wirtin Martha Bockmühl stellte Bedingungen, die nicht erfüllt werden konnten – u. a. wollte sie, „dass auf dem zu bebauenden Grundstück keinerlei Getränke verkauft werden dürften.“

Schließlich sei das Projekt für gescheitert erklärt worden, so Ingrid Windmöller, und der Amtmann Burmann habe der Jugend „die aufschlussreiche Empfehlung“ gegeben, das inzwischen auf der Hardt erbaute Licht- und Luftbad zu besuchen. „Hier standen Brause-Kabinen und Zink-Badewannen zur Verfügung und das warme Wasser kam aus Fässern, die auf hohen Gerüsten standen (also Duschen)“, berichtet die Autorin.

Karl-Heinz Giesick über Notgeld

In der Ausgabe Nr. 34 der Ennepetaler Forschungen finden sich zwei weitere Beiträge von Ingrid Windmöller: über Lehrer Figge, der jährlich wochenlange Fahrradausflüge mit großen Schülergruppen organisierte, und über einen Plan zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, Bahngleise nach Rüggeberg zu verlegen. Karl-Heinz Giesick befasst sich mit dem Thema „Inflation und Notgeld vor 100 Jahren“. Von Notgeld, das der Kreis Schwelm ausgab, und Gutscheinen des Amtes Milspe über eine Billion Mark berichtet er unter anderem. Dr. Hubert Köhler erläutert alte Fachbegriffe aus Handwerk und Technik, nämlich „Bärgewicht“ und „Hammerbär“.

Neues vom Fuchsschwanzhalter

Sehr ausführlich widmet sich Lothar Kruse in den Ennepetaler Forschungen Nr. 34 der Sage vom Fuchsschwanzhalter. Diese handelt davon, dass ein Wanderer einen Zwerg nach dem kürzesten Weg in Richtung Lenne fragte, dieser ihn durch eine Höhle schickte und einen Fuchs mitgab. Dieser werde ihn durch die Höhle führen, wenn er sich am Schwanz festhalte. Unterwegs weckte der Mann einen Riesen auf, gelangte aber am Ende doch glücklich ans Ziel, obwohl er vor Schreck den Fuchsschwanz losgelassen hatte. Als Schauplatz der Sage waren die Kluterthöhle und die Hünenpforte in Hagen-Holthausen, wo der Wanderer wieder ans Licht gelangte, ausgemacht worden.

Auf 24 Seiten geht Lothar Kruse in dem 52-seitigen Heft der Entstehungsgeschichte nach. Die Urfassung stammt von Gottlieb Vormann, einem Schuldirektor, der in Rüggeberg geboren wurde und dessen jüngster Sohn die Vormann-Brauerei in Hagen-Dahl gründete. Gottlieb Vormann, der mit Goethe bekannt war, schrieb auch Gedichte und Geschichten. 1833 erschien eine zweiteilige Geschichte mit den Titeln „Die Riesen“ und „Das Kästchen“, die Lothar Kruse in seinem Beitrag ungekürzt wiedergibt. Er geht den in der Sage genannten Orten nach und stellt fest, dass die Urfassung wohl gar nichts mit der Kluterthöhle und Ennepetal zu tun hat, sondern in Hagen und einer dortigen Höhle spielte. Allerdings ist in den späteren Gedicht- und Prosafassungen offenkundig die Kluterthöhle Schauplatz der Sage – zuerst im Gedicht „Der Fuchsschwanzhalter und der Hüne“ des in Schwelmer geborenen Buchhändlers, Verlegers und Autors Wilhelm Langewiesche aus dem Jahr 1841.

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