Mordprozess

Attacke wegen Sex-Affäre: Ennepetaler gibt Messerstich zu

Ein 28-Jähriger Ennepetaler muss sich wegen einer mutmaßlichen Messerattacke vor dem Schwurgericht verantworten.

Ein 28-Jähriger Ennepetaler muss sich wegen einer mutmaßlichen Messerattacke vor dem Schwurgericht verantworten.

Foto: Volker Hartmann / dpa

Ennepetal/Gevelsberg.  Wegen einer Sex-Affäre entwickelt sich ein Streit in den sozialen Medien. Am Ende soll ein Ennepetaler auf einen Gevelsberger eingestochen haben.

Ein Ennepetaler hat vor dem Hagener Schwurgericht eingeräumt, auf einen Gevelsberger eingestochen zu haben. Er habe sich von dem anderen bedroht gefühlt. Vorausgegangen war der Messerstecherei ein hitziger Streit in den sozialen Medien wegen einer Sex-Affäre, Am Montag schließlich starteten der Prozess gegen den Mann vor dem Hagener Landgericht.

In der Nacht auf den 21. Juli 2017 kam es in Ennepetal zu einem dramatischen Zwischenfall. Der angeklagte 28-Jährige soll ohne zu zögern den jungen Mann aus Gevelsberg (26) mit einem Küchenmesser angegriffen und lebensgefährlich verletzt haben. Die Hagener Anklage sprach von versuchtem Mord aus Heimtücke und gefährlicher Körperverletzung. Der Gevelsberger wiederum soll mit einer Truppe von drei Männern und einer Frau an dem Haus des Angeklagten mitten in der Nacht aufgetaucht sein.

Affäre mit junger Frau

Verteidigerin Sonka Mehner-Heurs gab für ihren Mandanten eine Erklärung ab: „Ich stelle vorweg, dass mein Mandant den Messerstich eingeräumt hat. Aber der Stich war nicht geplant. Der Angeklagte vermutete eine Waffe bei dem Geschädigten und stach zu.“ Der Ennepetaler schilderte den Hagener Richtern die brutalen Szenes wie folgt: „Die haben bei mir Sturm geklingelt. Ich hatte Angst um meine Frau und meine Kinder. Also bin ich raus, damit er nicht reinkommt. Ich wohne im Parterre. Wir gingen aufeinander zu. Ich dachte, er hätte was in der Hand.“

Dem Aufmarsch des Gevelsbergers und seiner Freunde und dem darauffolgenden brutalen Messerangriff war offenbar ein hitziger Streit zwischen den beiden Männern in sozialen Medien vorausgegangen. Der Angeklagte hatte eine Affäre mit einer jungen Frau (22) gehabt. Nachdem deren Verhältnis mit dem 28-Jährigen in die Brüche gegangen war, hatte sie sich dem Gevelsberger zugewandt. Die 22-Jährige sagte im Verfahren schließlich aus: „Wir waren zusammen, und ich ging davon aus, dass er von seiner Frau getrennt wäre. Als ich erfuhr, dass er weiter mit ihr lebte, verlangte ich, dass er ihr und seiner Familie von unserer Affäre erzählt.“ Aber der Angeklagte soll das nicht hingenommen, sondern vielmehr der jungen Frau gedroht haben, Bilder von ihr mit kompromittierendem Inhalt öffentlich zu machen.

Das rief offenbar den neuen Freund der Frau auf den Plan. Dazu erzählte die Zeugin weiter: „An dem Abend hat mein Freund mit dem Angeklagten getextet. Die haben sich gegenseitig beleidigt. Er wollte nach Ennepetal, um mit ihm zu reden.“ Der Angeklagte bestätigte, mit dem Gevelsberger geschrieben zu haben. „Er drohte mir, meine Frau und meine Kinder zu vergewaltigen. Ich stand unter Strom“, sagte er.

Und so soll sich der junge Mann, der später niedergestochen wurde, mit drei Freunden (20, 21 und 56) und der jungen Frau zum Haus des Angeklagten aufgemacht haben, wobei die vier Freunde nicht wirklich ahnten, was an dem Abend passieren könnte.

Beim Opfer entschuldigt

Der Gevelsberger sagte in seiner Zeugenaussage: „Ich rechnete maximal damit, eine von ihm geschallert zu kriegen. Ich habe dann was Kaltes gespürt und bin zu Boden gegangen.“ Er sprach auch von Schlägen und Tritten gegen seinen Kopf, die der Angeklagte jedoch vehement bestritt.

Zwei Wochen habe der Gevelsberger nach der Messerattacke auf ihn auf der Intensivstation gelegen und eine weitere Woche auf der normalen Station. „Ich habe immer noch arge Probleme. Damals war mein Bauchraum voller Blut. Das musste alles aufgemacht werden“, sagt der junge Mann über die Folgen jener Nacht.

Der Angeklagte nutzte den Moment und entschuldigte sich bei dem Gevelsberger, nachdem der seine Aussage beendet hatte. Während seiner Einlassung hatte der 28-Jährige immer wieder betont: „Ich hätte einfach die Polizei rufen sollen, statt da ‘rauszugehen.“

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