Hobbybastler

Er macht Technikgeschichte erlebbar

Friedrich Wilhelm Schlottmann in seiner Werkstatt.

Friedrich Wilhelm Schlottmann in seiner Werkstatt.

Foto: WP

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Ennepetal. Im Industriemuseum in Altenvoerde gibt es eigens einen Schlottmann-Raum. Hier dampft es, Hämmer schlagen auf Ambosse, Maschinen arbeiten. Es sind Modelle, die Friedrich Wilhelm Schlottmann maßstabsgetreu in kniffliger Arbeit geschaffen hat. Heute geht Friedrich Wilhelm Schlottmann nicht in seine Werkstatt. Im schönen, schon fast historischen Haus der Schlottmanns in der Heilenbecker Straße 218 – das ist in Höhe des Grimmelsberges – werden Gratulanten Schlange stehen, denn Friedrich-Wilhelm Schlottmann vollendet sein 90. Lebensjahr. Er wird Hände schütteln, und viele Menschen werden ihm Danke sagen für seine handwerkliche Kunst, Technikgeschichte erlebbar zu machen.

Zahlreiche Ausstellungen

Ja, es ist Kunst, denn wer seine Arbeiten zusammen mit Werken von Leonardo da Vinci ausstellen darf, der muss schon etwas Besonderes geschaffen haben. Die viel beachtete Ausstellung fand in der Gebläsehalle des Museums des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Hattingen statt. Doch die Modelle Schlottmanns waren auch schon in der Sparkasse in Milspe, in Breckerfeld, Solingen, Remscheid, Leverkusen und Sprockhövel zu sehen.

„Ich geh mal eben zehn Minuten in die Werkstatt!“ Wenn er das seiner Frau Elisabeth sagt, dann weiß sie, es können auch vier Stunden und mehr werden.

Friedrich Wilhelm Schlottmann ist Ehrenmitglied des Heimatvereins Milspe und Ehrenmitglied des Förderkreises Industriekultur und in Voerde zählt er zur Ehren-Nachtwächterriege. Da lacht er: „Ein Milsper wird in Voerde Ehrennachtwächter. Das ist bisher einmalig!“

Friedrich Wilhelm Schlottmann erblickte heute vor 90 Jahren im Hause Heilenbecke 218 in der damaligen Gemeinde Milspe das Licht der Welt. Sein Vater war Schmied in der Firma Hesterberg & Söhne im unteren Heilenbecker Tal. Die Eltern betrieben noch einen kleinen Kotten, wie das damals im ländlichen Bereich so üblich war. „Ich hatte es nicht so mit Landwirtschaft“, sagt er. „Ich interessierte mich immer für Technik.“

Industriemeister und Ausbilder

Er besuchte zunächst die einklassige Schule Becke am Rüßfeld (Heilenbecker Tal) und ab 1931 die Schule Wassermaus am Deterberg. Dann wurde er Maschinenschlosser-Lehrling in der Firma Hesterberg & Söhne. Nach dem 2. Weltkrieg besuchte Schlottmann die damalige Ingenieurschule (Maschinenbauschule) in Hagen und war nach drei Jahren Industriemeister. Im Werk Gevelsberg des Hoesch-Konzern wurde er Ausbilder. Lange Zeit gehörte er dem Prüfungsausschuss der Industrie-und Handelskammer zu Hagen an. Als er 1986 nach über 20jähriger Tätigkeit als Leiter der Instandhaltung bei Hoesch – verantwortlich für den Maschinenpark in den Werken Gevelsberg und Haspe – in den Ruhestand ging, intensivierte er die Arbeit in seiner Werkstatt. Dr. Walter Knuff, der Vorsitzende der „Kulturschmiede“, begeisterte Schlottmann für das Straßenindustriemuseum. Der Geburtstagsjubilar sagt: „Walter Knuff animierte mich immer wieder!“ Schlottmann nennt auch Rolf Fedeler. Mit ihm publizierte er die heimatgeschichtliche Schrift „Von der Heilenbecker Talsperre bis zum Alten Keller“. Zusammen mit Karl-Heinz Giesick veröffentlichte Schlottmann das Buch „Industrieausstellung 2012 im Industriemuseum zu Ennepetal“. Stein-, Bronze- und Eisenzeit sind darin die Themen.

Der Zunftbaum am Milsper Markt entstand mit Hilfe von Friedrich Wilhelm Schlottmann, ebenso der Glockenstuhl für die Glocke, die auf dem Kirchplatz der Evangelischen Kirche zu Milspe steht, und in Sprockhövel ist die Glockenschmiede von Schlottmann zu bewundern.

Neues Modell in Arbeit

Wenn Landrat Dr. Arnim Brux Schlottmann-Ausstellungen eröffnet, dann betont er immer wieder: „Ich bin ein Schlottmann-Fan!“ Vielleicht kann der Landrat schon bald wieder etwas Neues von Schlottmann vorstellen. Das Modell ist schon fertig.

Was es ist, bleibt bis dahin Geheimnis, ebenso die Arbeit, die wohl noch lange Zeit in Anspruch nimmt, denn Friedrich Wilhelm Schlottmann will ja nur mal zehn Minuten in seine Werkstatt gehen.

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