Leben vor 385 Millionen Jahren

Erdgeschichte wird in Ennepetal anschaulich gemacht

Stellen das Diorama im Geopark-Center im Haus Ennepetal vor (von links): Renate Hülsenbeck, Lothar Kruse (beide Arbeitskreis Kluterthöhle), Svenja Böttcher (Kluterthöhle und Freizeit GmbH & Co. KG), AKK-Vorsitzender Stefan Voigt, Dr. Bärbel Jäger (kommisarische Leiterin Museum Haus Martfeld) und Regionalmanagerin Constanze Boll.

Stellen das Diorama im Geopark-Center im Haus Ennepetal vor (von links): Renate Hülsenbeck, Lothar Kruse (beide Arbeitskreis Kluterthöhle), Svenja Böttcher (Kluterthöhle und Freizeit GmbH & Co. KG), AKK-Vorsitzender Stefan Voigt, Dr. Bärbel Jäger (kommisarische Leiterin Museum Haus Martfeld) und Regionalmanagerin Constanze Boll.

Foto: Hartmut Breyer / WP

Ennepetal.  Ein plastisches Modell veranschaulicht Besuchern, wie das Korallenriff in der Kluterthöhle vor 385 Millionen Jahren ausgesehen haben könnt.

Besuchern der Kluterthöhle bietet sich ein spektakulärer Einblick in die Erdgeschichte. Das europaweit einzigartige Korallenriff stammt aus dem Mitteldevon, dem Zeitalter vor etwa 385 Millionen Jahren. Im Prinzip ist das Gestein, durch das sich die Gänge ziehen, der Meeresboden, der damals in Äquatornähe lag – allerdings von unten gesehen. Um anschaulich zu machen, wie Korallen, Schwämme, Kopf- und Armfüßer, Schnecken und Seelilien vor Urzeiten den Meeresgrund besiedelten, hat der Arbeitskreis Kluterthöhle (AKK) nicht zuletzt mit Hilfe von Material aus dem Depot des Museums Haus Martfeld ein Diorama – sprich: ein plastisches Schaumodell – gestaltet.

Finanziert wurde das Anschauungsobjekt mit Mitteln des Landesprogramms Vital.NRW. Der AKK hatte über den vor Ort aktiven Verein „Ennepe.Zukunft.Ruhr“ entsprechende Fördermittel beantragt. Etwas mehr als 4000 Euro habe man beigesteuert, so Regionalmanagerin Constanze Boll. Erstmals sei dabei auch die Arbeitsleistung der ehrenamtlichen AKK-Mitarbeiter gefördert worden.

Nun kann sich jeder Höhlenbesucher und natürlich generell jeder Interessierte ein Bild davon machen, wie es im Gebiet der gerade 70 Jahre alt gewordenen Stadt zig Millionen Jahre zuvor aussah. „Zum Beispiel können sich Schulkinder das Diorama ansehen und dann schauen, was sie davon in der Höhle wiederfinden“, erklärt Svenja Böttcher, Mitarbeiterin der Kluterthöhle und Freizeit GmbH & Co. KG.

Dass das Diorama so reich bestückt werden konnte, ist einer glücklichen Fügung zu verdanken. Dr. Bärbel Jäger, kommissarische Leiterin des Museums für Stadt- und Regionalgeschichte der Stadt Schwelm im Haus Martfeld, hatte die Aufgabe, das Depot des Museums zu durchforsten. Sieben schwere Holzkisten mit Steinmaterial lagerten dort unter anderem. Da das Museum aus der „Zimmermannschen Sammlung“, die vor Jahrzehnten Ernst Zimmermann, ein Lehrer, zusammengetragen hatte, bereits ein Vielzahl von Objekten ausstellt (bedeutende Stücke wanderten auch schon ins LWL-Naturkundemuseum Münster und nach Berlin), wandte sich Dr. Bärbel Jäger an bekannte Sammler der Region. Diese hatten kein Interesse, verwiesen sie aber an Stefan Voigt, den Vorsitzenden des Arbeitskreises Kluterthöhle (AKK). Der zögerte nicht und suchte innerhalb einiger Stunden interessante Stücke heraus. Der unbedeutende Rest wurde schließlich als Bauschutt entsorgt.

Zusammen mit eigenen Fossilien setzte Voigt gemeinsam mit mehreren Aktiven des AKK die Fundstücke in das Diorama ein. Dafür wurde eine stabile Holzkiste mit Schwerlastrollen gebaut, denn das Gestein mit Fossilien und Korallen, Sand und Lehm wiegt etliche Zentner.

Die Gegend um Ennepetal war vor 385 Millionen Jahren küstennaher Meeresbereich. Dementsprechend legten die AKK-Aktiven das Modell an: Im Bereich, in dem die Brandung ihre Kraft entfaltete, wurden die robusteren Ex-Lebewesen angeordnet, im geschützten Bereich die feineren. Inwieweit das Objekt der damaligen Realität entspricht, ist schwer zu beurteilen. „Archäologie und Geologie haben viel mit Kaffeesatzleserei zu tun“, meint Stefan Voigt. Letztlich stelle man sich mit dem heutigen Wissen die Welt vor 285 Millionen Jahren vor. Alle damals lebenden Gattungen seien ausgestorben, insofern gebe es kein aktuelles Anschauungsmaterial.

Ritterschlag vom Experten

Immerhin hat das Diorama aber schon einen Ritterschlag erhalten. Dr. Markus Aretz, deutscher Hochschullehrer für Geowissenschaften und Umwelt an der Universität Paul Sabatier in Toulouse und eine Koryphäe auf dem Gebiet, besuchte zufällig kürzlich die Kluterthöhle aus wissenschaftlichem Interesse. Dabei nahm er das Modell in Augenschein und befand es für gut.

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