Kopfverband mit Marmelade

Erinnerungen an Zündschnüre-Dreharbeiten in Ennepetal

Drehpause an der Gassstraße: Wolfgang Püttmann als Soldat mit Kopfverband (Mitte).

Drehpause an der Gassstraße: Wolfgang Püttmann als Soldat mit Kopfverband (Mitte).

Foto: Privat / WP

Ennepetal.  Der Bericht über die Dreharbeiten für den Film Zündschnüre weckte bei Wolfgang Püttmann Erinnerungen. Er hatte als junger Mann darin mitgewirkt.

Ein Kopfverband mit Marmelade als Blutersatz, auf Fensterscheiben aufgeklebte Folien, die Einschusslöcher zeigten und ein „Pisspott“-Schnitt: Der Bericht über die Dreharbeiten für den Film „Zündschnüre“ (Samstag, 14. März) weckte bei Wolfgang Püttmann Erinnerungen. Als damals 21-Jähriger hatte er in dem Film mitgewirkt, der auf dem Roman des aus Schwelm stammenden Liedermachers Franz-Josef Degenhardt basiert.

„Ich war damals frisch von der Bundeswehr zurückgekommen“, erzählt der heute 66-Jährige. Da habe er gesehen, dass die Mitwirkung an dem Film in der Zeitung ausgeschrieben war. „Ich war immer abenteuerlustig und wollte überall dabei sein“, erklärt er. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Ich war jung und träumte vielleicht auch von einer Filmkarriere.“ Wolfgang Püttmann reihte sich in die lange Schlange vor dem Gasthof „Zur Post“ ein, wo das Casting stattfand. Regisseur Reinhard Hauff habe ihn gefragt: „Was machst Du so?“ Als er von seiner Bundeswehrzeit erzählt habe, so Püttmann, habe ihm Hauff direkt gesagt: „Dann bis Du Soldat.“

Einige Wochen später bekam Wolfgang Püttmann, der auf Homberge aufwuchs und heute in Gevelsberg wohnt, vom WDR Köln eine Einladung zur Kostümprobe. „War das alles aufregend“, meint er. „Erst wurde mir eine Wehrmachtsuniform angepasst und anschließend ging es zu einer Maskenbildnerin, die meine schöne 70erJahre-Disco-Haarpracht in einen hässlichen „Pisspott-Schnitt“ verwandelte. Mann, war ich sauer.“ In der Maske habe er dann Schauspieler Burkhard Driest, der auch das Drehbuch verfasst hatte, kennengelernt. „Der hat ständig derartig harte Sprüche losgelassen, dass ich fast vom Hocker fiel“, so Püttmann. „Irgendwie hatte ich nur von ihm gehört, dass er als Bankräuber einige Jahre im Gefängnis war.“

An die Filmproduktion erinnert sich Wolfgang Püttmann sehr gerne zurück. „Die Dreharbeiten und das ganze Drumherum waren total Interessant. Ich konnte live miterleben, mit welchen Tricks und welcher Technik schon damals beim Fernsehen gearbeitet wurde.“ So seien sie zum Beispiel mit nur wenigen alten Wehrmachtfahrzeugen hintereinander durch die mit Trümmerteilen dekorierte Gasstraße gefahren. Nach jeder Vorbeifahrt an der Kamera, die mal in einem Keller oder auf einem Kran postiert war, seien die Fahrzeuge in eine andere Reihenfolge gesetzt worden und auch die Darsteller hätten sich immer umsetzen müssen.

„Zwischendurch wurde ich einmal in die Maske geholt, wo mir ein Kopfverband mit roter Marmelade – als Verletzung – verpasst wurde. Damit hat man mich dann in den Beiwagen eines Motorrads verfrachtet“. Die einzelnen Szenen seien dann letztendlich alle zusammengeschnitten worden, so dass es in dem Film aussehe, als käme eine unendlich lange Kolonne vorbeigefahren. Andere Tricks, die das Filmteam nutzte, waren zum Beispiel Folien mit aufgebrachten Einschusslöchern, die auf Fensterscheiben geklebt wurden. „Und als Burkhard Driest vom Dach gesprungen ist, lagen unten dicke Strohsäcke“, so Püttmann.

Viele Szenen wiederholt

„Viele Filmszenen wurden oft wiederholt gedreht, bis es dem Regisseur endlich passte“, erinnert sich Wolfgang Püttmann. Einmal war er selbst für eine Wiederholung verantwortlich. Er habe mit dem Kopfverband und der Marmelade als Blutersatz im Beiwagen eines Motorrades gesessen. Da habe Regisseur Reinhard Hauff gerufen, dass das Gesicht im Beiwagen etwas ernster sein müsse. Er habe wohl etwas lachen müssen, berichtet Püttmann.

Insgesamt hatte Wolfgang Püttmann vier Drehtage an unterschiedlichen Orten. „Ich glaube, als Honorar gab es 80 DM pro Drehtag, dazu täglich auf Kosten des WDR ein Mittagessen in der ehemaligen Gaststätte Klutert“, meint er. „Insgesamt war es ein tolles Erlebnis, an das ich mich gerne zurück erinnere. Und hin und wieder schaue ich mir auch den Film und die Fotos noch einmal an.“

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