Film

Festival: Auszeichnung für Ennepetal-Film

Von links: Domingo Stephan, Saralisa Volm, Julia Zange, Henning Beckhoff, Genia Krassnig und Leonie Krippendorff.

Von links: Domingo Stephan, Saralisa Volm, Julia Zange, Henning Beckhoff, Genia Krassnig und Leonie Krippendorff.

Foto: Sebi Berens

Ennepetal.   Henning Beckhoffs in seiner Heimatstadt gedrehter Spielfilm „Fünf Dinge, die ich nicht verstehe“ holt bei Festival „Achtung Berlin“ Preis

Doppelt Grund zur Freude hatte der aus Ennepetal stammende Regisseur Henning Beckhoff beim Festival „Achtung Berlin!“ Mit dem in seiner Heimatstadt gedrehten Langspielfilm „Fünf Dinge, die ich nicht verstehe“ gewann er den Preis für die beste Produktion. Und sein anschließend auf Sizilien gedrehtes Werk „Off Season“ erhielt eine „Lobende Erwähnhung“ als bester mittellanger Film.

„Das ist ganz toll, mit ,Fünf Dinge’ für die beste Produktion ausgezeichnet zu werden. Es ist ja schon außergewöhnlich, wie der Film zustande gekommen ist, dass wir das so durchgezogen haben“, erklärte Beckhoff im Gespräch mit dieser Zeitung. Ohne Fördermittel und mit einem sehr geringen Budget hatte er mit seinem Team den Film 2016 in Ennepetal gedreht. „Einen Film zu machen, ist ohnehin ein Berg Arbeit, doch noch mehr, wenn man kein Geld hat“, so der Filmemacher.

Abschlussfilm für Regiestudium

Produziert hatte er das Werk, das zugleich sein Abschlussfilm für sein Regiestudium an der Filmuniversität Potsdam war, mit Diana Hellwig und Genia Krassnig. Letztere nahm in Berlin nun auch gemeinsam mit Henning Beckhoff den Preis, den „New Berlin Film Award“ entgegen, der mit Leistungen für Postproduktion (zum Beispiel Tonmischung, Schnitt und Farbbearbeitung) im Wert von 3000 Euro dotiert ist.

„Der Preis für die beste Produktion geht an einen Film, der keinerlei Förderungen bekommen hat und trotzdem einfach gemacht werden musste“, heißt es in der Begründung. „Ein Film, der uns mit einem Sog in seine in jeder Sekunde stimmige Welt entführt. Mit viel Humor erzählt uns dieser Film eine Geschichte vom Erwachsenwerden an einem Ort, an dem das Leben so vorhersehbar ist, dass man schon aus Versehen seine Katze erschießen muss, um überrascht zu werden. Der Regisseur scheint sich in seiner Filmwelt bestens auszukennen und schenkt uns deshalb eine Filmperle, die so uneitel glänzt wie ihre großartigen Figuren.“ Ein ganzes Dorf habe mitgeholfen, dieses liebevolle Stück Kino zu erschaffen und dem jungen Regisseur dabei augenscheinlich viel Vertrauen entgegengebracht. „Zu Recht, denn in diesem Film passiert etwas Wunderbares: man darf gemeinsam mit den Figuren über einen Ort lachen, dem man zwar scheinbar nicht entkommen kann, der einem im Laufe des Filmes aber so sehr ans Herz wächst, dass man es irgendwann auch nicht mehr will. Denn so spannend die weite Welt auch ist – dieser Film gibt ein zu Hause.“ Mit jenem Dorf, das bei der Realisierung des Films mitgeholfen hat und das im Film eine Hauptrolle einnimmt, ist Ennepetal gemeint.

Für seinen ein Jahr später gedrehten Film „Off Season“ erhielt Henning Beckhoff eine „Lobende Erwähnung“. Der Film arbeite mit einer Genauigkeit und Stilsicherheit, die man unbedingt hervorheben wolle, so die Jury. „Der Film ist eine Gesamtkomposition aller Gewerke. Kamera, Licht, Ton, Musik, Ausstattung, Maske, Kostüm, Drehbuch, Regie und Schauspiel finden sich in einem stilistischen Wurf, der sehr sensibel ein relevantes Thema – welche Erwartungen werden in unserer Gesellschaft an den Körper einer Frau und die Rolle der Mutter gestellt – aufgreift und aufzeigt. Die Tatsache, dass uns beide Figuren nicht sympathisch werden wollen, uns ihre Geschichte und ihre Konflikte dennoch berühren, hat uns sehr beeindruckt.“

Neues Drehbuch

Momentan schreibt Henning Beckhoff an einem neuen Drehbuch. Da sorgen Preise für die bisherigen Werke für Motivation und auch eine gewisse Sicherheit. „Der Übergang vom Studium in den Beruf scheint gut zu klappen“, meint der 27-Jährige. „Und es ist auch wichtig für mich, mit Leuten weiterarbeiten zu können, mit denen ich die Filme gemacht habe.“ Erfreulich sind die Festivalteilnahmen und Auszeichnungen für Henning Beckhoff natürlich nicht zuletzt auch deshalb, weil sie Aufmerksamkeit für sein Schaffen und viele wertvolle Kontakte bringen.

>>> INFO

Die Auszeichnung bei „Achtung Berlin“ ist nicht der erste Erfolg für „Fünf Dinge, die ich nicht verstehe“. Bei den Internationalen Hofer Filmtagen 2018 hatte Beckhoffs Werk schon den Bild-Kunst-Förderpreis für das beste Kostümbild (Michèle Tonteling) und das beste Szenenbild (Josefine Lindner) gewonnen.

Zudem gab es eine lobende Erwähnung beim Förderpreis „Neues Deutsches Kino“. Und beim „Poitiers Film Festival“ gab es für den in Ennepetal entstandenen und spielenden Film den Publikumspreis in der Kategorie Langspielfilm.


Der auf Sizilien gedrehte Spielfilm „Off Season“ lief bei der „Berlinale“ im Februar in der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ und erhielt ebenfalls bereits viel Aufmerksamkeit.

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