Heimatfest

Festzug in Schwelm ohne Bürgermeisterin Grollmann-Mock

Im vergangenem Jahr ist Bürgermeisterin Gabriele Grollmann-Mock noch auf dem Festwagen der Dacho beim Heimatfestzug mitgefahren. Aus gesundheitlichen Gründen wird sie darauf in diesem Jahr verzichten.

Im vergangenem Jahr ist Bürgermeisterin Gabriele Grollmann-Mock noch auf dem Festwagen der Dacho beim Heimatfestzug mitgefahren. Aus gesundheitlichen Gründen wird sie darauf in diesem Jahr verzichten.

Foto: Bernd Richter

Schwelm.  Schwelms Bürgermeisterin macht ihre Krebserkrankung öffentlich und tritt bei Heimatfest kürzer. Auch als Reaktion auf Anfeindungen auf Facebook.

In eingeweihten Kreisen war der Gesundheitszustand der Bürgermeisterin schon lange ein Thema. Gestern hat sie ihn öffentlich gemacht. Gabriele Grollmann-Mock hat Krebs. „Am 6. September muss ich mich einer weiteren Operation unterziehen.“ Deshalb werde sie das diesjährige Heimatfest nicht so begleiten können, wie sie es in der Vergangenheit gemacht habe.

Schwelms Erste Bürgermeisterin wird deshalb auch nicht die Heimatfestkirmes am Freitag in der nächsten Woche mit dem traditionellen Fassanstich auf dem Neumarkt eröffnen und auch auf dem Festzugwagen der Dacho mit dem Westfalenross beim Festzug am Sonntag fehlen. Ihre stellvertretenden Bürgermeisterinnen werden sie vertreten, sagte sie am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung.

Anfeindungen auf Facebook

Der aktuelle Anlass, warum Gabriele Grollmann-Mock zum jetzigen Zeitpunkt an die Öffentlichkeit geht, ist dem Internet, besser gesagt der Facebook-Gruppe „Netzwerk Schwelm“ geschuldet. In diesem „Sozialen Netzwerk“ wird massiv Stimmung gegen die Schwelmer Bürgermeisterin gemacht und auch aufgerufen, ihre öffentlichen Auftritte während des Heimatfestes zu sabotieren. Einige Nutzer schlagen vor, „auf dem Heimatfest-Abend mit Trillerpfeife und Joga, die Übung heißt aufsteigender Mittelfinger, und beim Bieranstich Bier nehmen, ausschütten, auf den Boden spucken, und dann im Chor mit so jemand trinken wir nicht“ zu rufen. Ein weiterer User schreibt: „Leg ihr doch eine Schlange unter den Stuhl, vielleicht läuft sie weg.“

Die hässlichen Kommentare und Drohungen, die in der Gruppe „Netzwerk Schwelm“ zu finden sind, haben bei Gabriele Grollmann-Mock sichtbare Spuren hinterlassen. In Zusammenhang mit ihrer Krebsdiagnose ist für die Bürgermeisterin die psychologische Belastung zu diesem Zeitpunkt einfach zu groß, wie sie sagt. Der Familienrat im Hause Grollmann-Mock habe am Dienstagabend getagt. Dabei sei der Entschluss gefasst worden, etwas zu unternehmen und offensiv an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Fraktionsvorsitzenden seien informiert, am Mittwochmorgen habe sie die Fachbereichsleiter im Rathaus von ihrer Erkrankung in Kenntnis gesetzt.

Ob sie auf dem Heimatfestabend am kommenden Freitag in der Eventhalle dabeisein wird, ist noch nicht entschieden. Ebenso fraglich ist ihre Mitwirkung auf der Siegerehrung der Dacho. Den Bürgermeisterinnen-Empfang mit 150 geladenen Gästen im Rathaus am Heimatfestsonntag werde sie aber wahrnehmen, sagt Gabriele Grollmann-Mock. Ihr Fernbleiben bei weiteren Terminen diene auch dem Schutz des Heimatfests, Reaktionen Dritter und ihre Erkrankung sollen keinen Schatten auf das Fest werfen,.

Der Weiße Hautkrebs begleitet Gabriele Grollmann-Mock schon seit ihrem 30. Lebensjahr. Damit hat die Bürgermeisterin zu leben gelernt. Regelmäßige halbjährige Untersuchungen gehören für sie zum Alltag, wie sie erzählt. Doch vor einigen Wochen sei der Krebs regelrecht explodiert, mittlerweile seien zwei weitere Organe von Krebs befallen. „Die zusätzliche Krebsdiagnose habe ich Anfang Juni bekommen. Eigentlich war ich im Hochzeitsmodus“, sagt Gabriele Grollmann-Mock. Die Ärzte hätten ihr geraten, Stress zu meiden und auf Ruhezeiten zu achten. „Ich habe Glück im Unglück: Es ist eine sehr aggressive Krebsform, aber es gibt noch keine Metastasen.“

„Ich muss mit meinen Kräften haushalten“, begründet Gabriele Grollmann-Mock ihren momentanen Rückzug aus der Öffentlichkeit, um sogleich zu versichern, dass sie ihre Verantwortung als Chefin der Stadtverwaltung bis zum Ende ihrer Amtszeit im Oktober 2020 weiterhin wahrnehmen wolle.

Am Brandtag in Berlin

Stichwort Großbrand in der Oberstadt: „Über dieses Wochenende war ich mit meinem Mann in Berlin und Potsdam unterwegs und konnte nicht an der Unglücksstelle sein.“ Sie sei noch am selben Tag telefonisch über das Unglück informiert worden. Wieder zurück in Schwelm, habe sie sofort Hilfe angeboten, wo Hilfe gewünscht gewesen sei.

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