Nahverkehr

Fortschritte mit dem Bus – Stillstand bei Bahn in Gevelsberg

41 Stufen bis zum Bahnsteig. Im Rollstuhl, mit Kinderwagen oder Rollator ist das ein unüberwindliches Hindernis.

Foto: Volker Speckenwirth

41 Stufen bis zum Bahnsteig. Im Rollstuhl, mit Kinderwagen oder Rollator ist das ein unüberwindliches Hindernis. Foto: Volker Speckenwirth

Gevelsberg.   Verlängerung der Linie 510 durch die Hagener Straßenbahn AG verbindet Berge mit Vogelsang. Keine Fortschritte bei S-Bahn-Haltepunkt Knapp.

Die Anbindung des Stadtteils Berge an den Öffentlichen Nahverkehr – das ist durch die Diskussion um den behindertengerechten Ausbau des S-Bahn-Haltepunkts Knapp zu einer unendlichen Geschichte geworden. Eine Erleichterung für die Berger Bürger kam jetzt durch die Entscheidung der Hagener Straßenbahn AG, den Gevelsberger Ortsteil mit dem eigenen Hauptbahnhof zu verbinden.

„Jeder zweite Bus der Linie 510 endete bisher an unserer Stadtgrenze an der Schleife Westerbauer und der Fahrer wartete dort eine Viertelstunde, bis er wieder in die Hagener City zurückgefahren ist“, erklärt Björn Remer, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung im Gevelsberger Rathaus. Dieser Bus wird jetzt stündlich nach Berge zum S-Bahnhof Knapp weitergeleitet. Für die Maßnahme wurde die Haltestelle Am Schilken wieder aktiviert.

Beifall im Stadtrat

„Damit verbessern sich die Möglichkeiten der Berger deutlich, am Vogelsang einkaufen zu gehen“, freut sich Remer. Unter anderem der dortige Netto-Supermarkt liege nicht weit von der Haltestelle Schleife Oberbauer entfernt. So gab es für die Pläne der Hagener Straßenbahn AG im Stadtentwicklungsausschuss von Gevelsberg auch nur Zustimmung. „Natürlich begrüßen wir die zusätzliche Möglichkeit ins Tal zu kommen“, formulierte es Stefan Biederbick für die SPD. Vielleicht würde der Pkw-Verkehr auch um „ein, zwei Autos“ reduziert.

„Da kann man nicht gegen sein“, stimmt Hans-Günther Adrian für die CDU zu. Sein Parteifreund Wieland Rahn mahnte an, auch an die Gefahren für spielende Kinder an der zugeparkten Berchemallee zu denken. Für Susanne Dippel von den Grünen ist es „ein wichtiges Angebot für Leute, die kein Auto haben“. Sebastian Scheer von den Freien Wählern griff auf, dass durch die Haltestellen Am Schilken und Halteverbote an der Berchemallee, damit die Busse ohne Probleme durchkommen können, einige Parkplätze wegfallen werden. Die seien in Berge allerdings Mangelware, deshalb solle die Stadtverwaltung – argumentierte Scheer – Möglichkeiten für einen Ersatz prüfen.

41 Stufen als Hindernis

Nicht weiter kommt die Stadt allerdings mit dem Versprechen an die Bürger, den Zugang zum S-Bahn-Haltepunkt Berge-Knapp behinderten- und kinderwagengerecht zu gestalten. 41 Stufen zum Bahnsteig Richtung Wuppertal hinab stehen dem entgegen. Zwar wurde im März 2014 mit der Präsentation der Pläne für eine Rampe und der Zusage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) Zuschüsse zu geben, schon eine Lösung präsentiert, die zerplatzte aber wie eine Seifenblase. Damals ging Bürgermeister Claus Jacobi von Baukosten in Höhe von 565 000 Euro aus. Nach der Untersuchung der Bodenbeschaffenheit wird nun mit Investitionen weit über drei Millionen Euro gerechnet. „Wir müssten massive Spundwände bauen lassen, um den Hang abzusichern“, so Björn Remer.

Kosten in keinem Verhältnis

Die Kosten stehen damit für diejenigen, die die Fördertöpfe verwalten, in keinem Verhältnis zum Nutzen. Nun wird überlegt, einen Aufzug einzusetzen, der natürlich wesentlich anfälliger ist. Die Bahn hat bei Jacobi angeklopft, um mit ihm über die Umgestaltung des Gevelsberger Hauptbahnhofs für die Barrierefreiheit zu sprechen. „Dabei werde ich das Thema Berge auf den Tisch bringen“, erklärte Bürgermeister Claus Jacobi auf Anfrage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Adrian in der letzten Sitzung des Stadtrates.

Laut dem neuen Personenbeförderungsgesetzt soll der komplette Öffentliche Nahverkehr bis 2022 barrierefrei sein. „Nur der Bund selbst nimmt sich mit seiner Bahn von der Forderung aus“, schimpfte der Bürgermeister im Stadtrat und fügte hinzu: „Das halte ich für einen ausgesprochenen Skandal“

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik