Leo Theater

„Fremde Verwandte“ in Schwelm schon wie liebe Bekannte

„Wenn der über den Friedhof geht, dann binden sich die Würmer die Schlabberlätzchen um“:  

„Wenn der über den Friedhof geht, dann binden sich die Würmer die Schlabberlätzchen um“:  

Foto: HB

Schwelm.   Die Premiere der Komödie „Fremde Verwandte“ im Leo Theater kommt beim Publikum hervorragend an. Am Ende gab’s anhaltenden Applaus.

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Das Leo-Theater begeisterte das Premieren-Publikum mit „Fremde Verwandte“. Dabei ist das Leo in Schwelm gar nicht mehr fremd. Es ist bereits die sechste Premiere, die das Ensemble auf die Bühne im Ibach-Haus erfolgreich präsentierte. Eine Gevelsbergerin: „Die machen schon schöne Stücke.“ So war es nicht verwunderlich, das gescherzt wurde „Fremde Verwandte – Das sind doch liebe Bekannte.“

Richtig, viele Premieren-Abo-Gäste haben ihre persönlichen Lieblinge, wissen genau, in welchen Stücken sie sie bereits gesehen haben und verfolgen gespannt die Entwicklung der Schauspieler. So wurde u.a. aus der frivolen Domina aus „Diskretion Ehrensache“ nun eine Kindergärtnerin (Denise Hausmann).

Die Besetzung der sechs Rollen ist dem Regisseur und künstlerischen Leiter Marc Neumeister hervorragend gelungen. Er hat mit seiner Regiearbeit voll den Geschmack des Publikums getroffen. In dieser aktuellen Komödie gibt es keine Nebenrollen. Denise Hausmann, Anika Leveringhaus, Marika Kotulla, Peter Hartwig, Tim Müller und Frank Paßmann überzeugten einzeln und als Team.

Selbstverständlich durften die lokalen Anspielungen im Text nicht fehlen – wie liebevoll von den Schauspielern verraten wurde, der Text wurde „geneumeistert“. Marc Neumeister hatte spontan in den Proben eigene Wortwitze einfließen lassen – wobei einer vom Publikum unwissentlich besonderen Anklang fand und bereits in der Pause oft zitiert wurde: „Wenn der über den Friedhof geht, dann binden sich die Würmer die Schlabberlätzchen um.“

Dabei war das Stück proppenvoll von Gags jeglicher Couleur – ob intelligenter Wortwitz oder einfach nur Klamauk. Der Autor René Heinersdorff hatte für jeden etwas dabei – mal offensichtlich, mal versteckt.

Besonders knifflig war es für Anika Leveringhaus, die ständig die Worte verwechselte. Da wurde aus Kohlehydraten mal eben „Kohlehydranten“ oder „Transpiration“ anstelle von Inspiration. Sie fragt kokett: „War da etwas falsch?“ und gibt zu, dass sie am Anfang der Proben es gerne immer richtig gemacht hätte. Das Publikum half ihr leise. Marika Kotulla, die Seniorin auf der Bühne (62), überzeugte spielerisch gekonnt mit der Jugendsprache.

Kurz zum Inhalt: Es ging, wie es von der Bühne hieß, um den „Wahnsinn des Lebens.“ Ein Auf und Ab in den Beziehungen, Trennungen und Neukonstellationen ohne Berücksichtigungen der üblichen Altersgrenzen.

So spricht der Ehemann zu seiner Frau über seinen Sohn aus erster Ehe: „Er ist um so viele Jahre älter als du, wie er jünger ist als ich.“ Das Beziehungskarussell dreht sich immer weiter und irgendwann wunderte sich niemand mehr, dass der Stiefvater gleichaltrig ist wie seine (Stief)-Tochter.

Autor René Heinersdorff hat die Welt sehr genau beobachtet und eine feinsinnige tiefgründige leise Komödie geschrieben, die perfekt gefühlvoll von den „Leos“ dargereicht wurde. Frank Paßmann sagt mit seinen 57 Jahren Lebenserfahrung: „Trennungen begegnen einem immer wieder. Es sind geballte Weisheiten.“

Wie im wahren Leben nimmt das Stück langsam Fahrt auf und entwickelt sich. Es ist keine typische „Tür auf-Tür zu“-Komödie. Sie wird von den brillant gespielten Dialogen getragen, die man vom Kabarett kennt. Im ersten Teil gibt es alleine neun verschiedene Szenen/Konstellationen. Dabei wechseln sich stetig die vier Bühnenbilder ab, was den Schauspielern, die ebenfalls für den Umbau verantwortlich sind, allerhand abverlangt. Das Publikum wird in der Zwischenzeit mit gut ausgesuchten Songs unterhalten und hat Gelegenheit, das gerade Gesehene zu verarbeiten. Im zweiten Teil unterstreicht Neumeister die sich zuspitzenden Situationen durch wechselnde Lichtkegel in einem vier geteilten Bühnenbild. In rasanter Abfolge erfährt der Zuschauer die neuen verblüffenden Entwicklungen.

Neben zwei „Geburtstagskindern“, die mit einer Flasche Wein überrascht wurden, feierten Renate und Gerhard Homer im Leo ihren 40. Hochzeitstag und amüsierten sich über das Beziehungschaos. Renate schmunzelte: „Unser Sohn heißt auch Dominik. Aber mein Mann ist älter als ich, das ist auch gut so.“

Auf die Frage von Neumeister an sein Ensemble: „Möchte noch jemand etwas sagen?“ hieß es stattdessen begeistert aus dem Zuschauerraum: „Es hat Spaß gemacht!“ Eine weitere Zuschauerin lobte in Anlehnung an Quizmaster Hans Rosendahl: „Das war Spitze! Hätte ich bessere Knie, dann würde ich jetzt hochspringen.“ Aber umso anhaltender und lauter wurde geklatscht. Ein grandioser gelungener Abend.

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