Martfeld-Kapelle

Gemeinsamer ehrenamtlicher Kraftakt

Die zehn etwa fünf Meter langen massiven Holzbänke wurden in einem  gemeinsamen Kraftakt in die Schreinerei Austermann gewuchtet.

Die zehn etwa fünf Meter langen massiven Holzbänke wurden in einem gemeinsamen Kraftakt in die Schreinerei Austermann gewuchtet.

Foto: Carmen Thomaschewski

Schwelm.   Verschönerungsverein Schwelm sorgt für die passenden Sitzgelegenheiten in Martfeld-Kapelle

Mit Bankgeschäften kennt sich der Sparkassenvorstand Michael Lindermann aus. Doch die zehn Bänke in der St.-Antonios-Kirche in Bochum stellten ihn und seine Mitstreiter vom Verschönerungsverein Schwelm vor eine gewaltige Herausforderung. Mindestens 150 Kilo bringt ein Exemplar auf die Waage, Eiche massiv, mehr als 100 Jahre alt. Optisch und historisch passend für die Martfeld-Kapelle und die perfekte Sitzgelegenheit für Hochzeitsgesellschaften. Doch vorher müssen die Bänke auf die Ladefläche des 40-Tonners von Martin Honselmann gewuchtet, in der Schreinerei Austermann wieder hergerichtet und dann in der Kapelle aufgestellt werden.

Seit 1995 in Vereinsbesitz

Noch haben sich keine Paare in der im 19. Jahrhundert gebauten Kapelle in unmittelbarer Nähe vom Haus Martfeld das Ja-Wort gegeben, seit wenigen Wochen besteht jedoch die Möglichkeit dazu. Das Bistum hatte die Erlaubnis dazu gegeben, das Gebäude wurde im November von Propst Norbert Dudek und dem evangelischen Pfarrer Jürgen Schröder offiziell eingeweiht.

Was bisher fehlte, waren die passenden Sitzgelegenheiten für die Hochzeitsgesellschaften. Also begab sich der Vorsitzende des Verschönerungsvereins, Michael Lindermann, auf die Suche und wurde schnell fündig. Ein Weggefährte aus seiner Berufszeit in Bochum, Propst Michael Ludwig, überließ ihm die Bänke aus einer geschlossenen Kirche im Süden der Stadt. Ludwig habe sofort zugesagt, beide kennen sich von gemeinsamen Hilfstouren nach Ungarn und Rumänien, haben sich immer wieder an gemeinnützigen Aktionen beteiligt.

Auch dieses Projekt wird viele Menschen glücklich machen: Wenn in romantischer Atmosphäre geheiratet werden kann oder besondere Veranstaltungen stattfinden. Lesungen, Konzerte, Treffen – Michael Lindermann wünscht sich, dass die Martfeld-Kapelle Schauplatz für viele verschiedene Anlässe wird, wieder einen wichtigen Platz im Leben der Schwelmer einnimmt. Für die passenden Rahmenbedingungen sorgt der Verschönerungsverein – investiert Geld und Zeit und hat viele ehrenamtliche Helfer an seiner Seite.

Auch wenn André Austermann seine Schreinerei auf Wuppertaler Stadtgebiet betreibt – als der Verschönerungsverein Schwelm um Hilfe bat, sagte er sofort zu. Etwa zwei Wochen wird es wohl dauern, die Löcher und Risse auszubessern, die Bänke in der Mitte durchzuschneiden, ein Stück herauszunehmen und wieder zusammensetzen. Denn noch sind die Bankreihen für das neugotische Gebäude zu lang.

Und so wird die Martfeld-Kapelle Stück für Stück wieder zu dem Schmuckstück, das es einmal war. Seit 1995 ist die Kapelle im Besitz des Vereins. 1996 wurde sie restauriert, allein hierfür wurde mehr als eine Million D-Mark ausgegeben. Während der vergangenen sechs Jahre musste der Verein 45 400 Euro für die Kapelle aufwenden, 21 800 Euro davon wurden allein in Reparaturen gesteckt, mit dem Rest wurden die laufenden Kosten gedeckt.

Neue Homepage

Michael Lindermann würde sich freuen, wenn sich der Einsatz des Vereins, der auch mit Fördermitteln unterstützt wird, auszahlt und viele den geschichtsträchtigen Ort für sich neu entdecken.

Die Entfeuchtungsanlage im denkmalgeschützten Gebäude läuft durch die Unterstützung von Ralf Stoffels mittlerweile vollautomatisch, durch die Firma Krebs & Zell wurde ein elektronisches Schloss gesponsert, die historische Tür aufgearbeitet, und warm haben es die Gäste im Inneren jetzt auch. André Austermann sorgt jetzt für den Sitzkomfort der Gäste und Bever und Klopphaus restaurieren aktuell das historische Kastenschloss der Kappelle.

Nachdem es eine Weile ruhig um den Verschönerungsverein war, hat er sich mit neu gewähltem Vorstand einiges vorgenommen – einiges davon ist schon passiert. Der Verein hat mittlerweile eine neue Homepage, die unter www.verschoenerungsverein-schwelm.de zu erreichen ist. Auch auf Facebook ist er jetzt präsent. Das nächste Projekt ist die Beschilderung der Wanderwege. Michael Lindermann wird sich beim Sauerländischen Gebirgsvereins ausbilden lassen, damit er selbst die Wege einzeichnen darf. Um etwa ein Drittel der Waldfläche im Stadtgebiet kümmert sich der Verein, das sind 46 Hektar.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben