Kunst

Gevelsberg: 30 Jahre Malschule „Maldumal“

Kunst hat viele Ausdrucksformen. Annette vom Bruch hat vor 30 Jahren die Malschule „Maldumal“ gegründet, um den Menschen Kunst näher zu bringen.

Kunst hat viele Ausdrucksformen. Annette vom Bruch hat vor 30 Jahren die Malschule „Maldumal“ gegründet, um den Menschen Kunst näher zu bringen.

Foto: Carmen Thomaschewski

Gevelsberg.   Annette vom Bruch machte sich vor 30 Jahren mit ihrer Malschule „Maldumal“ selbstständig. 1000 Schüler lernen bei ihr, was Kunst bedeutet

Annette vom Bruch hat Spuren in der Stadt hinterlassen, meist sind es bunte. Viele ihrer Bilder oder die ihrer Schüler schmücken die Wände und Fassaden. Im Rathaus, in der Mittelstraße, in Ausstellungen, in ihrer Malschule „Maldumal“ an der Teichstraße. In den vergangenen 30 Jahren hat sie mehr als 1000 Schülern Kunst nähergebracht und sie zu einer eigenen Ausdrucksform geführt.

Warum ist Kunst so wichtig?

Annette vom Bruch: Kunst ist ein verbindendes Element. Kunst kann jeder erleben, egal welchen Alters, Geschlechts, Sprache, Hautfarbe oder Begabung. Sie hält einen geistig offen und neugierig. Kunst ist ein roter Faden, der vieles zusammenführt.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Kunst hat mich mein Leben lang begleitet. Ich hatte einen tollen Kunsterzieher, habe danach Kunst und Englisch studiert. Eigentlich wollte ich Lehrerin werden. Als ich aber die Malschule von Eske Nannen in Emden besucht hatte, war ich hin und weg. Ich wusste, was ich tun wollte und was das Richtige für mich ist. Ich genieße jeden Tag und ich hoffe, diese Freude auch an meine Malschüler weiterzugeben.

War das Konzept Malschule von Anfang an erfolgreich?

Ja, schon im ersten Kurs hatte ich 36 Schüler. Die Idee kam bei den Gevelsbergern an und ich merkte schnell, dass es ein Vollzeitjob für mich wird. Nach dem Studium habe ich acht Jahre gemodelt, auch während der Anfänge der Malschule. Irgendwann ging das nicht mehr, weil ich gemerkt habe, dass ich mehr Zeit in die Schule investieren muss. Ich habe dann auch meine erste Mitarbeiterin eingestellt. Was mich stolz macht, ist, dass meine Idee auch von anderen übernommen wurde. Es gibt noch zwei Malschulen „Maldumal“ in Deutschland: in Mannheim und Ulm. Ende der 90er Jahre habe ich mein Konzept auf einer Gründermesse vorgestellt und bin auf viel Begeisterung gestoßen. Gerade für Frauen, die Beruf und Familie unter einen Hut bekommen wollen, ist eine Malschule genau das Richtige. Ich hatte meine Tochter von klein auf immer dabei, konnte mich um sie kümmern und trotzdem arbeiten.

Ihre Malschule ist in einer alten Gießerei untergebracht. Ein besonderer Ort für besonderen Unterricht?

Ja. Als ich aber 2000 hier einzog, wurde alles neu hergerichtet, farbenfroh, offen, mit großen Tischen, mit weiten Glasflächen und viel Platz. Angefangen habe ich am Großen Markt 13, als es immer mehr Schüler wurden, zog ich um. Meine Schüler fühlen sich hier wohl, wir haben auch draußen viel Platz. Eine Schülerin sagte letztens zu mir, ich vermisse die Malschule bereits, wenn ich zur Tür hinaus gehe. Viele bezeichnen die Malschule als Ort der Entspannung.

Warum ist das so?

In der Kunst hat man die Möglichkeit, Erfolgserlebnisse ohne Druck zu erleben, abseits der klassischen Unterrichtsfächer. Es kommt auf die Idee an. Es herrscht kein Leistungsdruck. Man muss nur den Mut haben loszulegen. Zu sehen, wie Kinder etwas interpretieren und dann umsetzen, das berührt die Seele. Man muss ihnen nur die Möglichkeit dazu geben.

Wie hat sich das Kunstinteresse bei Ihren Schülern im Laufe der Jahre verändert?

Früher kamen eher Kinder zu mir, deren Eltern auch an Kunst interessiert waren. Heute hat die Kunst an sich einen anderen, einen höheren Stellenwert. Jetzt besuchen Klassen sogar während des Unterrichts Ausstellungen, das war früher nicht so. Es gibt Projekte, wie die Kulturstrolche. Dadurch entdecken viel mehr Jungen und Mädchen die Kunst für sich, die sonst damit keine Berührungspunkte hätten. Es ist toll zu sehen, welche Erfolgserlebnisse sie haben. Es gibt nicht den richtigen Weg, nur den eigenen. Kunst ist im Laufe der Zeit authentischer geworden. Viele haben den Impuls, etwas Eigenes zu machen. Manche lassen sich von anderen inspirieren und dafür viel Persönliches einfließen.

Wie sieht es in Gevelsberg aus?

Wenn es bunter sein soll, dann wird die Malschule gerne gefragt, sich an Aktionen zu beteiligen Die Sparkasse macht regelmäßig ihre Jahresausstellung, auch beim Jahresempfang der Stadt waren wir dabei und haben während der Veranstaltung einen Workshop angeboten. Die Akzeptanz ist groß, das freut mich. Kunst spielt hier eine Rolle.

Welchen Wandel hat die Kunst in den vergangenen 30 Jahren erlebt?

Die klassische Malerei wurde abgelöst von verschiedensten Kunstrichtungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand die informelle Malerei -- ganz großartig -- dann Pop Art, Minimal Art, Concept Art. und.. und ... und... Mir ist es wichtig, dass meine Schüler die ganze Bandbreite kennen lernen und auch den Hintergrund des Künstlers und seine Intention. Heute ist die Kunst vielfältiger, es gibt mehr Ausdrucksformen und es gibt auch viel mehr Künstler als früher. Und trotzdem können nur 2 Prozent von der Kunst leben.

Gehören Sie dazu?

Ich betrachte mich nicht als Künstler, sondern als Kunstpädagoge. Ich will keine Bilder verkaufen, ich will anderen ihre eigene Kunst näherbringen. Sie findet sich in vielen Lebensbereichen. Je mehr man sich mit Kunst beschäftigt, umso faszinierender ist sie. Man entdeckt Dinge, die man früher nicht wahrgenommen hat. Kunst ist mehr als nur Bilder malen.

Hat manch einer Ihrer Schüler auch in der Kunst Karriere gemacht?

Ja, einige haben Kunst studiert. Freie Kunst, Kunst auf Lehramt, Kommunikationsdesign, Kunstgeschichte. Kunst bietet viele Möglichkeiten, auch beruflich, man muss nur offen dafür sein, zum Beispiel als Bühnen – oder Maskenbildner, Grafiker, oder als Restaurateur. Alle, die hier arbeiten, haben auch hier die Malschule besucht. Auch meine Tochter Isabel hat die Kunst für sich entdeckt und diesen Weg eingeschlagen. Andere besuchen erst im Ruhestand die Malschule. Noch etwas Tolles an Kunst: Man ist nie zu alt dafür.

>>> INFO

Annette vom Bruch ist 62 Jahre alt, ist verheiratet und hat eine Tochter.

Neben ihrer Tätigkeit in der Malschule arbeitet Annette vom Bruch als f reischaffende Künstlerin. Sie stellt ihre Werke in Gruppen- und Einzelausstellungen in Deutschland und Frankreich aus.

Die bildnerische Arbeit umfasst Malerei, Skizzen, Grafiken.

Ihre Ausflugstipps für Kunstinteressierte: Die Museumsinsel Hombroich, dort gibt es eine spannende Verbindung von Kunst und Architektur; die Aei Weiei-Ausstellung in Düsseldorf, die auch sehr kontrovers diskutiert wird und die Picasso-Ausstellung in Basel, sie zeigt seine blaue und rosa Periode.

Ihr Schwager Klaus vom Bruch ist auch Künstler und erlang durch seine Videoinstallationen Bekanntheit.

Am Samstag, 29. Juni, sind alle ehemaligen Malschüler der vergangenen 30 Jahre eingeladen, gemeinsam zu feiern. Beginn des „Klassentreffens“ ist um 15 Uhr in den Räumen an der Teichstraße 17.

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