Geschlechtergerechte Sprache

Gevelsberg: Reaktionen auf Jacobi-Kritik an Gendersprache

Christel Hofschröer, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gevelsberg, widerspricht den Worten von Bürgermeister Claus Jacobi.

Christel Hofschröer, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gevelsberg, widerspricht den Worten von Bürgermeister Claus Jacobi.

Foto: Laura Dicke / WÜ

Gevelsberg/Ennepe-Ruhr.  Bürgermeister Claus Jacobi hatte sich gegen Gendersprache ausgesprochen, jetzt setzen sich die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis zur Wehr.

Die Gleichstellungsbeauftragten des Ennepe-Ruhr-Kreises setzen sich zur Wehr, nachdem Bürgermeister Claus Jacobi, die Gevelsberger Leiterin der Gleichstellungsstelle in öffentlicher Sitzung ausgebremst hatte.

Zu ihrer Kritik, dass es sie ärgere, wenn geschlechtergerechte Sprache im Rathaus nicht umgesetzt werde, hatte das Stadtoberhaupt mitgeteilt: „Man sollte beim Thema Sprache nicht verkrampfen. Bevor beispielsweise Grußworte unlesbar werden, wähle ich weiterhin die männliche Form. Es hat sich noch niemals eine Frau deswegen bei mir beschwert. Von Binnen-I und Gender-Star halte ich überhaupt nichts. Sprache muss sich auch ihre Eleganz bewahren. Da müsst ihr mich auch aushalten.“ Arbeitskreises der Gleichstellungsbeauftragten im Ennepe-Ruhr-Kreis hingegen macht deutlich: „Geschlechtergerechte Sprache ist praxistauglich, fair und zeitgemäß.“

Bilder entstehen in den Köpfen

Geschlechtergerecht zu sprechen oder zu schreiben bedeute, alle Menschen anzusprechen und sichtbar zu machen: Frauen und Männer, sowie alle, die sich nicht eindeutig zuordnen können oder mögen, erläutert der Arbeitskreis. „Lange war es üblich, alles in männlicher Form zu schreiben. Untersuchungen belegen eindeutig die negativen Auswirkungen dieses Sprachgebrauchs.“

Wichtig sei dies, weil durch Sprache Bilder in den Köpfen entstehen. „Werden nur Männer genannt, spiegelt sich das in gedanklichen Vorstellungen wider. Ist ausschließlich von Ärzten die Rede, liegt es nahe, diese Berufsgruppe vor allem Männern zuzuordnen. Durch die Ansprache und Benennung aller Geschlechter werden enge Rollenbilder aufgehoben. Geschlechtergerechte Sprache beinhaltet, dass sowohl Frauen wie Männer für verschiedene Tätigkeiten geeignet und befähigt sind.“ Dies führe gedanklich unmittelbar zu mehr Gleichberechtigung.

Klare Regeln für Behörden und Städte

Geschlechtergerechte Sprache schließe das Engagement für andere Anliegen nicht aus. Themen wie die Aufwertung von Sorgearbeit, gerechtere Einkommen oder Schutz vor Häuslicher Gewalt würden dadurch nicht vernachlässigt sondern unterstützt. Ebenso würden sich Fairness und sprachliche Eleganz nicht ausschließen. „Niemand hat vor, aus ,Mensch’ eine ,Menschin’ zu machen“, teilen die Gleichstellungsbeauftragten mit. Vielmehr seien Sachlichkeit und Kreativität im Sprachgebrauch gefragt. Alles beim Alten zu belassen, würde Frauen sprachlich ignorieren und diskriminieren.

Für Behörden und Kommunen sehe der Gesetzgeber klare Regeln vor: Das Landesgleichstellungsgesetz verpflichtet sie zur sprachlichen Gleichbehandlung. „Die Stadt Gevelsberg orientiert sich daran, alle Geschlechter explizit anzusprechen und auf Stückelungen zu verzichten. Dort, wo dies nicht geht, werden Sätze neutral umformuliert“, macht die Gevelsberger Gleichstellungsbeauftragte Christel Hofschröer, die die Stellungnahme im Namen ihrer Kolleginnen aus dem gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis verfasst hat deutlich, wie diese Regeln aussehen.

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